"Huawei" wird in Weilheim Muster für Produktionsstraßen entwickeln

Bis zu 300 neue Arbeitsplätze

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Anstelle der entkernten „Zarges“-Halle errichtet „Huawei“ in Weilheim einen Neubau für Musterproduktionsstraßen. Eine grafische Darstellung sei noch nicht verfügbar, hieß es auf Nachfrage. „Wir sind in der Planungsphase“, sagte Torsten Küpper am Telefon. Vieles sei noch nicht verkündungsreif.

Weilheim – Auf dem Grundstück von „Huawei“ am Leprosenweg liegen meterhoch die Schuttberge. Laut Torsten Küpper, Mitglied der Geschäftsleitung, sei „von Anfang an klar gewesen“, dass die ehemalige „Zarges“-Halle entkernt und ganz neu aufgebaut werden muss. „Chic und modern“ soll das Bauwerk werden, kündigte Küpper an.

Bislang hatte sich der Konzern, einer der weltweit führenden Anbieter von Informationstechnologie und Telekommunikationslösungen (ITK), mit Informationen über seinen neuen Produktionsstandort sehr zurückgehalten. Am Mittwoch beantwortete nun Torsten Küpper, Mitglied der „Huawei Technologies Deutschland“-Geschäftsleitung, der lokalen Presse in einer Telefonkonferenz Fragen zu dem Investitionsvorhaben in Weilheim.

Auf dem circa 41 000 Quadratmeter großen Grundstück, das „Huawei“ mitsamt einer Halle von „Zarges“ gekauft hat, werden laut Küpper „Musterproduktionsstraßen“ aufgebaut, mit denen getestet werden soll, „wie man besonders effizient produzieren kann“. Die Ergebnisse sollen global zur Anwendung kommen. Im Münchner Research-Center, führte Küpper weiter aus – „der größten Forschungseinrichtung in Europa mit über 400 Ingenieuren“–, werden neue Produkte entwickelt, die dann in Weilheim in kleinen Mengen produziert werden sollen. Weilheim, erklärte Küpper, wird von „Huawei“ als „langfristiger Standort“ angesehen.

Deutschland sei als Standort „besonders interessant“ für „Huawei“, der in Europa industrieübergreifend zweitgrößter Patentanmelder ist (zum Vergleich: Siemens belegt Platz sechs). Der chinesische Konzern sei Innovationsführer in der IT-Technik, während Deutschland über hochwertiges Knowhow in klassischer Industrieproduktion, wie Maschinenbau, verfüge. „Beide Kompetenzen zu verheiraten“, sei erklärtes Ziel, so Küpper. Dass letztlich die Wahl auf Weilheim gefallen ist, liege an der räumlichen Nähe zum Entwicklungscenter in München, dem europaweit größten Forschungsstandort von „Huawei“. Hier arbeiten 400 Ingenieure für den Konzern. Dort entwickelte Produkte sollen in Weilheim in Kleinserien gefertigt werden.

Von der Musterproduktionsstätte in Weilheim, die auf einer Fläche von circa 7 000 Quadratmetern geplant ist, erwartet sich der Konzern „Synergieeffekte“, erklärte Küpper. Hier soll auch mit lokalen Partnern die Zusammenarbeit unter dem Stichwort Industrie 4.0 entwickelt werden. Weilheim wird nach seinen Worten ein „Manufacturing Technology Center“ – das erste dieser Art in Europa. Ähnliche Center betreibt „Huawei“ bereits weltweit, wie in Japan und China.

Die Entscheidung darüber, dass „Huawei“ in Deutschland investiert, sei Anfang 2016 gefallen. Im Herbst 2016 stand fest, dass der neue Standort in Bayern sein wird. Die bayerische Wirtschaftsförderung habe dem Konzern verschiedene Grundstücke vorgestellt, berichtete Küpper. Seit April ist „Huawei“ im Besitz der ehemaligen „Zarges“-Fläche samt Halle. Von letzterer sind nur noch einige Stützen übrig geblieben (siehe Foto).

Zu dem geplanten Investitionsvolumen für das neue Center am Leprosenweg wollte sich Küpper nicht äußern – „das ist ein Geschäftsgeheimnis“ –; die Frage nach öffentlichen Fördermitteln verneinte er. Die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort wurde ihm von Kollegen als „sehr positiv“ geschildert. „Man freut sich in Weilheim auf die Industrieansiedlung“, fand der „Huawei“-Manager freundliche Worte.

„Wir hoffen, in der zweiten Hälfte 2018 starten zu können“, steckte Küpper den Zeitplan ab. Die Mitarbeiter für Weilheim sollen nicht von anderen „Huawei“-Standorten abgezogen, sondern neu gewonnen werden. Die räumlichen Kapazitäten lassen nach Küppers Aussage „bis zu 300 Mitarbeiter“ zu: „Wir suchen, auch in der Region, es werden bereits viele Bewerbungsgespräche geführt.“ Für das Center in Weilheim sind qualifizierte Kräfte gefragt, so finden sich in den Stellenangeboten vor allem Ingenieure und Materialforscher. Wohnungen wird der Mobilfunkriese für seine künftige Belegschaft in Weilheim nicht anmieten. „Das ist Privatsache“, befand Küpper.

Wie es in der Telefonkonferenz weiter hieß, werden in der Region und in München Partnerfirmen gesucht, vor allem aus Maschinenbau und Automotive. Bis zum ersten oder zweiten Quartal 2018 sollen diese dann feststehen. 

Von Maria Hofstetter

„Huawei Technologies“

Mit seinen Geschäftsbereichen Carrier Network, Enterprise und Consumer bietet „Huawei“ u.a. Netzwerk-Infrastruktur, Cloud Computing-Lösungen und Endgeräte wie Smartphones und Tablets an. „Huawei“ ist in mehr als 170 Ländern aktiv und beschäftigt über 180 000 Mitarbeiter, davon rund 79 000 in Forschung und Entwicklung. Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung und über die Hälfte der deutschen Bevölkerung nutzt „Huawei“-Technologie. 2016 erwirtschaftete das Unternehmen circa 75,1 Mrd. US-Dollar (+32 % gegenüber 2015) Umsatz und einen Gewinn von circa 5,3 Mrd. US-Dollar. „Huawei“ ist privat geführt und zu 100 Prozent im Besitz der Mitarbeiter. Hauptsitz ist Shenzhen/China, gegründet wurde „Huawei“ 1987 von Ren Zhengfei. Die Westeuropazentrale des Konzerns befindet sich in Düsseldorf. In Deutschland ist „Huawei“ seit 2001 aktiv und beschäftigt über 2 200 Mitarbeiter an 18 Standorten. „Huawei“ ist Partner von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefónica bei der Erschließung ländlicher Gebiete im Internet. 

Quelle: Huawei

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