Loretta Vinkos Leidenschaft sind Flechtfrisuren

Selbstbewusstsein auf dem Kopf

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Loretta Vinko zeigt den Teilnehmerinnen ganz genau, wie eine Hochsteckfrisur funktioniert. 

Weilheim – Loretta Vinko sitzt im Zentrum des Stuhlkreises. Um sie herum fünf Frauen, die erwartungsvoll auf sie blicken. Sie nimmt einen Kamm und atmet tief durch. „Jetzt macht erst einmal alle die Haare auf!“

Eigentlich hat Loretta inzwischen Routine. Zahlreiche Flechtkurse hat die 21-Jährige bereits gegeben. „Nervös bin ich trotzdem jedes Mal wieder“, gesteht sie. 

Normalerweise arbeitet die gelernte Medienkauffrau beim Landwirtschaftsverlag, doch schon als Kind entdeckte sie ihre Leidenschaft zum Flechten. „Es war eher Zufall. Ich war im Musik- und im Trachtenverein und mich hat immer genervt, wenn ich irgendwo hin musste, um eine Frisur zu bekommen“, erinnert sich die Pollingerin, die derzeit in Weilheim wohnt. Daher begann sie zu experimentieren. Gemeinsam mit einer Freundin schaute sich Loretta Frisuren an und versuchte, sie nachzumachen. Die Qualitätskontrolle übernahm ihre Oma. „Sie war immer ehrlich und unsere schärfste Kritikerin“, sagt Loretta.

Während die ersten Teilnehmerinnen vorsichtigen Flechtversuche machen, schauen sie immer wieder Hilfe suchend zu ihrer Kursleiterin. „Das Meiste schaut komplizierter aus, als es tatsächlich ist“, beruhigt sie die Frauen. Und tatsächlich: Nach der ersten Übung, einem französischen Zopf, geht der Umgang mit Haaren den Flechtschülerinnen immer leichter von der Hand.

Alle Kreationen basieren auf traditionellen Frisuren, allerdings modernisiert Loretta sie und passt sie an das heutige Modeverständnis an. Feste Vorlagen hat sie dabei aber nicht. „Ich lange rein und dann fällt mir ein, was ich mache“, vertraut sie auf ihr Gespür. „Die Grundfrisur muss zum Gesicht passen. Der Rest ergibt sich dann einfach so.“ Auch vor der Tierwelt macht Lorettas Leidenschaft nicht halt. Für den Kälbermarkt hat sie schon so manchen Schweif verschönert.

Die nächste Stufe für die Kursteilnehmerinnen: die Banane. Sie ist nicht etwa mit dem gleichnamigen Obst zu verwechseln, sondern hat nur eine ähnliche Form. Die Haare werden hochgedreht und dann so gekämmt, dass sie die ideale Basis für eine Hochsteckfrisur bilden. „Eigentlich ganz einfach, aber schön“, sind sich die Frauen im Kurs einig.

Am meisten fasziniert Loretta, wie sehr eine schöne Frisur das gesamte Auftreten verändert. „Gerade in der Früh sind viele meiner Kundinnen noch müde und kaputt“, spricht sie aus Erfahrung. „Wenn ich dann fertig bin, schauen sie in den Spiegel und freuen sich. Sie gehen anders und lächeln. Eine Hochsteckfrisur verleiht Selbst- bewusstsein“, ist sich Loretta sicher. Nachdem die Nachfrage stieg, eignete sie sich auch das Schminken an und kann nun das gesamte Styling am Kopf übernehmen.

Einfach zur Gaudi erstellte Loretta eine Facebook-Seite. Inzwischen hat die „Flechterei“ über 1 500 Fans, fast täglich werden es mehr. Frauen, die eine Frisur von Loretta bekommen, oder Kurse absolvieren wollen, reisen aus bis zu 100 Kilometern Entfernung an.

Die Damen im Flechtkurs bekommen nun gar nicht mehr genug. Kaum sind die kunstvollen Frisuren aus hochgesteckten Zöpfen fertig, wollen sie den nächsten Kniff lernen. Egal ob Haare, die bis zur Hüfte reichen, oder relativ kurze: Es wird geflochten, was die Köpfe hergeben. Als Krönung gibt es „Cordonett-Blüten“ zur Dekoration. Die macht Loretta nach Vorlagen aus der traditionellen Klosterarbeit selbst. Aus feinem Draht biegt sie die zarten Blütenblätter, die Perlen werden farblich passend zur Kleidung gewählt. Die vielen Anfragen machen deutlich, dass Flechtfrisuren längst auch abseits von Trachtenvereinen Anklang finden. „An manchen Tagen bin ich von einem Termin zum anderen unterwegs“, hat Loretta kaum noch ein Wochenende frei. Einen Grundsatz hat sie dabei aber und hält auch daran fest: „Zum Dirndl müssen die Haare hoch!“ 

Mehr Infos unter www.haarflechterei.de.

Von Ursula Gnadl

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