»Keine ausgewiesenen Kenner der Anlage«

Förderverein sieht bei Wiederherstellung des Radoms einen Mangel an Experten

Radom in Raisting
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Der Förderverein des Radom Raisting hofft, dass die Funktionsfähigkeit der Antenne wiederhergestellt wird. Doch finanziell ist das wohl nicht von der Versicherung abgedeckt.

Raisting – Der Förderverein Industriedenkmal Radom Raisting sorgt sich um die Zukunft des Radoms. Vom Kreistag wollte die Vorsitzende des Vereins Dr. Sabine Vetter in einer Anfrage konkrete Informationen über den aktuellen Zustand und das weitere Vorgehen. Von Landrätin Andrea Jochner-Weiß gab es kurze Zeit später bereits ein ausführliches Antwortschreiben.

Wie berichtet, wurde das Radom bei einem schweren Sturm Anfang des Jahres beschädigt. Glücklicherweise übernimmt die Versicherung die komplette Schadenssumme, sodass das Denkmal wieder in seinen vorherigen Zustand versetzt werden kann. So wurde es in einer vergangenen Kreistagssitzung kommuniziert.

Doch dem Förderverein mangelt es bisher an Informationen für die Öffentlichkeit. Die Landrätin widerspricht dem in ihrem Schreiben: „Im Übrigen möchten wir auf die wiederholte Berichterstattung in den öffentlichen Sitzungen des Kreisausschusses (zuletzt am 25.9.2020) und in der Presse hinweisen.“

Besonders die Antenne selbst scheint dem Förderverein Sorgen zu bereiten. Einige Teile davon wurden nach dem Unwetter zwar abgedeckt, „möglicherweise aber so spät und nicht umfassend genug, dass doch viel Regenwasser in die Anlage dringen konnte und vor allem besonders sensible Bereiche der Technik beschädigte.“ Vetter befürchtet, dass die Antenne sich dadurch nicht mehr bewegen lasse. Was zur Folge hätte, dass sie „nicht mehr in Zenit-Stellung gebracht werden kann, um eine neue Hülle aufzuziehen.“ Die Landrätin antwortet darauf schriftlich: „Aktuell wird das Montageverfahren in der vorliegenden Situation geprüft. Sollte die Antenne im Frühjahr bewegt werden können, wird die optimale Position realisiert.“

Vetter scheint zu hoffen, dass die Antenne nach dem Beheben der Schäden wieder funktionsfähig sein wird: „Lassen sich die Schäden so reparieren, dass die Antenne 1 wieder funktionsfähig wird wie vor dem Sturm?“ Doch hier erklärt Jochner-Weiß: „Die Antenne I des Radoms wurde 1985 von der Deutschen Bundespost aus technischen und wirtschaftlichen Gründen außer Betrieb genommen. Dabei wurden zum Teil auch Komponenten der Technik ausgebaut.“ Soll heißen, die Antenne hat auch schon vor dem Sturm nicht mehr funktioniert. Des Weiteren erklärt die Landrätin in ihrem Schreiben: „Die Herstellung der Funktionsfähigkeit der Antenne (...) ist nicht Gegenstand der aktuellen Maßnahme und ist auch nicht vom Kostenträger gedeckt.“ Der Landkreis, der zu 100 Prozent am Radom beteiligt ist, müsste daher das Geld aus anderen Mitteln nehmen.

Im Bezug auf die Antenne bringt Vetter in ihrer Anfrage auch das Amt für Denkmalschutz ins Spiel. Ihrer Meinung nach müsste dieses „entscheiden, ob es an seinen Denkmal-Vorgaben für Erhalt und Nutzung festhält oder diese nun ändert.“ Doch auch hier hält die Landrätin dagegen: „Bereits 2010 war die Funktionsfähigkeit der Antenne ausdrücklich keine Vorgabe des Denkmalschutzes und dies ist es aktuell nicht.“ Hauptziel sei der Erhalt im Bestand.

Im Kreistag wurde der April 2021 anvisiert, um die neue Hülle aufzuziehen und dann auch wieder Besucher in das Industriedenkmal zu lassen. Doch Vetter scheint diesen Plan in Gefahr zu sehen. „Der Förderverein möchte auf drohende Gefahren aufmerksam machen, falls man die Funktionsfähigkeit der Antenne 1 nicht wieder herstellt.“ Möglicherweise könnte die Antenne zukünftig nur noch als Kulisse für multimediale Projektionen dienen. „Diese wären sicherlich ein Gewinn, aber kein Ersatz für lebendige Informationen und Präsentationen unter Einbeziehung von Fachleuten, um einem wirklich breiten Publikum von Laien, Touristen, Schülern und Experten die technische und historische Bedeutung (...) zu erläutern.“

Jochner-Weiß verweist auf eine laufende Machbarkeitsstudie. Dabei gehe es darum „zu untersuchen, ob und in welcher Form eine Visualisierung mit Hilfe von Großprojektionen sinnvoll realisiert werden kann. Parallel werden die Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Anpassung der Infrastruktur an die zukünftige Nutzung und das anvisierte und realistisch zu erwartende Besucheraufkommen untersucht.“

Zu guter Letzt deutet die Vorsitzende in ihrer Anfrage an, dass sie sich bei dem weiteren Vorgehen wohl etwas mehr Know-how wünscht: „Unter den bisherigen Projektbeteiligten befinden sich leider keine ausgewiesenen Kenner der Anlage. Hierfür bieten sich Mitglieder des Fördervereins an.“

Recht deutlich widerspricht ihr die Landrätin: „Die Machbarkeitsstudie wird von zwei sehr versierten und renommierten Büros durchgeführt, welche umfängliche Erfahrungen aus ähnlichen Projekten besitzen. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit den Fachplanern und der gebildeten Projektgruppe die für die aktuelle Phase notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen zusammengebracht haben.“ Auf Vetters Angebot der Hilfe meint Jochner-Weiß: „Wir danken Ihnen für Ihr Angebot zur Unterstützung, können aktuell aber nicht abschätzen, in welcher Form wir darauf zurückkommen werden.“

Von Kreisbote

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