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Försterin Silke Hartmann gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag

Silke Hartmann begutachtet mit Hund Brezel die Naturverjüngung an der großen Fichte.
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Silke Hartmann begutachtet mit Brezel die Naturverjüngung an der großen Fichte.
  • vonLinda Borlinghaus
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Eglfing – Die kleinen Steine der Forststraße prasseln gegen die Radkästen des schwarzen Geländewagens. Dumpfe Schläge abgebrochener Äste begleiten das Motorengeräusch. Am Steuer sitzt Silke Hartmann in ihrer warmen grünen Dienstjacke. Für die steilen, unebenen Forstwege braucht sie den Allradantrieb. Hartmann, Försterin im Revier Murnau-Nord, fährt ihre Waldgebiete ab und sieht nach dem Rechten.

Die Kronen der Fichten biegen sich im Wind. Es fängt an zu regnen. Hartmann hält den Wagen an und steigt aus. Sie öffnet ihren Kofferraum. Ihre schwarz-weiß gesprenkelte ausgebildete Jagdhündin Brezel springt auf die Straße. Die gute Waldluft und die Arbeit im Freien – deshalb liebt Hartmann ihren Beruf. Viele können sich unter dem Berufsbild Försterin jedoch recht wenig vorstellen. Das erlebt sie, wenn sie erzählt, welche Arbeit sie ausübt. Dem klischeehaften Bild eines Förster, der immer Grün trägt und mit Hut und Dackel durch den Wald stapft, entspricht sie nicht. Nicht ganz. Tatsächlich trägt sie viel Grün, muss Hartmann lachend zugeben. Ihre Markenzeichen: braune Leder-Bergschuhe und Kurzhaarschnitt.

Ihre große Aufgabe ist die Beratung der privaten und kommunalen Waldbesitzer. „Du bisch manchmal als Förschder au bissle der Zuhörer“, schwäbelt sie. Das Vertrauen der Menschen, mit denen sie arbeitet, ehrt sie. Als Frau hat sie da sicherlich eine einfühlsamere Herangehensweise, vermutet sie. Dass sie als Frau in dem männerdominierten Beruf arbeitet stört sie nicht. Es hängt vor allem vom Charakter ab, meint Hartmann. Sie ist offen und interessiert sich für ihr Gegenüber. Fragt gerne nach, wie viele Kühe der Landwirt in seinem Stall hat und wie lange der Wald schon in Familienbesitz ist. Mit knalliger Sprühfarbe markiert sie in den privaten Waldstücken die Bäume, die gefällt werden sollen – „zeichnet aus“. Die Besitzer können sich an ihrer Auswahl orientieren und weitere Bäume markieren. Hartmann nimmt Brezel an die Leine und geht mit ihr ein Stück in den Wald hinein. Dort steht ein dicker Baum mit rauer Rinde. Sie schätzt diese Fichte auf 40 Meter. Ein besonders schönes Exemplar, wie sie findet. Hinter der Fichte wachsen zwei und drei Meter hohe Nachwuchsbäume. Der Wald hat sich auf natürliche Weise verjüngt. Auf der anderen Seite sind kleine Pflänzchen angepflanzt. Sie sind eingepackt in einer hellgrünen Plastikummantelung. Für Spaziergänger nicht grade der schönste Anblick, wieder Plastik im Wald. Aber die Hüllen schützen die Pflänzchen vor Wildverbiss.

Die gebürtige Schwäbin steigt wieder in ihren Wagen. Brezel sitzt still im Kofferraum. Die Fahrt geht weiter. Vorbei an einem Polter Frischholz. Der Preis, der dafür gezahlt wird, ist wieder am ansteigen. Nach Sturm und Trockenheit kommt der Buchdrücker-Käfer in die vorgeschädigten Fichten und zerstört sie endgültig. Ein Sturm in Thüringen und Italien – und schon steigt das Angebot an Schadholz und der Preis sinkt. Hartmann sagt, dass inzwischen viele in den Medien von den Folgen des Klimawandels und was das für den Wald bedeutet, gehört haben. In den letzten Jahren sind einige Waldbesitzer auf sie zugekommen, die ihren Wald anpassen wollen und oftmals auch müssen.

Die Straße führt weiter zu einem alten Hof. Den Besitzer kennt sie. Er hat ein Waldgebiet. Als sie 2009 als Försterin nach Eglfing kam, sagte sie zum Spaß immer „Jetzt komm I daher – Schwäbin, Frau, dann no Vegetarier, dann no evangelisch – könnt a enge Nummer werre.“ Aber ganz im Gegenteil. Es haben sich Freundschaften entwickelt. Das man sich jetzt schon viele Jahre kennt, erleichtert ihre Arbeit. Die Straße geht einen Hang hinunter, an kahlen Feldern vorbei. Es hört auf zu regnen und in der Ferne hellt sich der Himmel auf.

Ein Traktor kommt entgegen. Hartmann weicht auf einen einmündenden Feldweg aus. Eine junge Frau fährt den Traktor. Sie winken sich kurz zu. Weiter geht die Fahrt. Hinein in ein weiteres Waldstück. Dunkelgrüne Fichten und Tannen. Dazwischen junge Eichen, an denen noch die braunen Blätter hängen. Buchen mit ihren hellgrauen glatten Stämmen. Sie hält an einer Rückegasse an und steigt aus. Man sieht noch die Spuren der Waldarbeiter – Reifen haben sich in die feuchte Erde gedrückt. Wasser sammelt sich in länglichen Pfützen. Hartmann und Brezel weichen auf die dicke Moosdecke zwischen den hohen Fichten aus. Die nächste Generation kleiner Fichten ist durch die saftig grüne Moosdecke gewachsen. An einer Pflanze erkennt Hartmann sofort, dass ein Reh die Spitze – den Haupttrieb – abgeknabbert hat. Im März fällt wieder das Vegetationsgutachten an: der Schaden durch Wildverbiss wird aufgenommen. Daran orientiert sich die Abschusshöhe, also wie viel Wild geschossen werden muss. „Die Reh sin eufach nedde Viechle, abr d‘Jagd isch hald wichdich, damid der Wald wachsa ko.“

Hartmann lässt Brezel zurück in den Kofferraum springen. Brezel setzt sich hin und wartet still auf die Weiterfahrt. Nach Hause nach Eglfing. 2006 hat Hartmann das querverschalte Holzhaus gebaut. Am Zaun sind Tonfiguren angebracht. Innen eine geräumige Wohnküche mit Blick auf den Garten. Dort suchen ihre 26 Hühner Windschutz hinter der Hühnerhütte. Eines ist über den Zaun gehüpft und pickt in der Nachbarwiese. Die Hühner waren schon immer ein Traum von ihr, sagt sie.

Tatsächlich verbringt Hartmann auch viel Zeit in der Dienststelle in Murnau. Zurzeit arbeitet sie aber von zu Hause aus. Sie hat sich im oberen Geschoss ein kleines Homeoffice eingerichtet. Von dort stellt sie unter anderem Förderanträge für Wiederaufforstungen oder plant den Wegebau für die Erschließung des Waldes. Ihr Handy klingelt. Ein Kuckuck kündigt den Anruf an. Ein Kollege fragt nach Unterlagen.

Hartmanns Arbeitsalltag wird stark vom Wetter und den Jahreszeiten bestimmt. Nasse Tage nutzt sie für die Büroarbeit. Im Winter beruhigt sich im Wald alles, bevor es im Frühjahr wieder erwacht. Aber an jedem Abend dreht die Försterin mit Brezel noch eine Runde. Kommt runter und lässt den Tag Revue passieren.

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