Experiment der LMU in Murnau präsentiert

Funktioniert Energiesparen?

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Das Forscherteam der Ludwig-Maximilians-Universität München v. li. Prof. Henricke Rau, Dr. Eoin Grealis, Elisabeth Wüthrich, Christoph Tholenjohann, Elisabeth Freundl (Energiewende Oberland)und Annika Musch

Murnau – Mit Energiesparen kann jeder etwas zum Gelingen von Klima- und Umweltschutz beitragen. Doch wie funktioniert das in der Praxis? Das wollten Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) wissen. Sie organisierten einen Versuch, dessen Ergebnisse in Murnau vorgestellt wurden.

Für das Projekt „Energise“ wurden in sieben europäischen Staaten Daten erhoben. Die Aufgabe war, den Energieverbrauch in privaten Haushalten zu senken – alleine durch die Veränderung von Alltagspraktiken. Untersucht wurden die Themen Wäsche waschen und Heizen. Federführend für Deutschland ist Professor Henricke Rau, die an der LMU zu den Beziehungen „Mensch & Umwelt“ forscht. Mit ihrem Team und der Unterstützung durch die Stiftung „Energiewende Oberland“ wählte die Wissenschaftlerin in Weilheim, Murnau und Iffeldorf insgesamt 40 vierköpfige Familien aus. Zwei Aufgaben galt es für diese zu erfüllen: Innerhalb von vier Wochen die durchschnittliche Wohnungstemperatur auf 18 Grad beschränken und innerhalb von vier Wochen die Anzahl der Waschmaschinenladungen halbieren. Ausgangspunkte waren immer die individuellen Werte der einzelnen Familien.

Die Ergebnisse lieferten ein ernüchterndes Fazit, an beiden Aufgaben sind sämtliche Familien gescheitert. Was deprimierend klingt, werten die Wissenschaftler auf den zweiten Blick aber durchaus als Erfolg. „Die Heiz-Challenge fand im November und Oktober statt. Alle Familien erreichten eine Wohnungstemperatur von 21,5 Grad. Eine Senkung von durchschnittlich 1,5 Grad“, so Dr. Eoin Grealis vom Forscherteam. Decken, warme Socken und Pullover waren die Mittel der Wahl, mit denen die Testfamilien die niedrigere Raumtemperatur ausglichen. „Wenn es allerdings darum ging, die persönliche Komfortzone zu verlassen, waren die Grenzen erreicht“, erklärte Annika Musch, ebenfalls vom Forscherteam. Die Probanden gaben in Interviews an, auf ein warmes Zuhause nicht verzichten zu wollen. Außerdem sind 18 Grad Raumtemperatur viel zu kalt, wenn Babys oder Kleinkinder in der Wohnung leben.

Ähnlich sieht das Ergebnis bei der Wäscheaufgabe aus. Die geforderte Halbierung der Waschladungen schaffte niemand. Trotzdem gab es Positives: die 40-Grad-Wäsche wurde um 36 Prozent gesenkt, die 60 Grad-Wäsche um 39 Prozent. Grealis: „Die Eco-Taste nutzten nur drei Prozent der Testfamilien.“ Interessant ist zudem, dass Familien, die einen Wäschetrockner besitzen, nicht drauf verzichten mögen – trotz des hohen Energieverbrauchs. Hygienebedenken waren ebenfalls Argumente für eine heißere Waschtemperatur: „60-Grad-Wäsche müffelt, wenn sie mit 40 Grad gewaschen wird.“ Längeres Tragen der Kleidung scheint keine Lösung zu sein. „Zuhause einen Jogginganzug oder eine Hose ein paar Tage länger tragen? Ok! Sobald man allerdings Kontakt zu anderen Menschen pflegt, geht ein verschwitztes T-shirt nicht“, so Musch.

Von Günter Bitala

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