Forstgutachten zeigt: Zustand der Baumarten ist teilweise kritisch

Sorgenkind Tanne

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Forstdirektor Martin Kainz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim erläuterte das aktuelle Forstgutachten einer interessierten Zuhörerschaft.

Oberhausen/Landkreis – Zwar konnte die Verbissbelastung der Wälder im Landkreis Weilheim-Schongau seit 1991 im Durchschnitt verringert werden, ein detaillierter Blick in das jüngste Forstgutachten zeigt jedoch, dass die Waldbestände weiterhin vielfältigen Stressbelastungen ausgesetzt sind. Anlässlich der Dienstversammlung wurden die Jagdvorsteher und Waldbesitzer über die Zahlen der jüngsten Waldbestandserfassung informiert.

Forstdirektor Martin Kainz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Weilheim konnte anhand der letzten Verjüngungsinventur zeigen, dass der Anteil von Pflanzen ab 20 cm Höhe bis zur maximalen Verbisshöhe mit Leittriebverbiss in diesem Zeitraum für Nadelbäume von 13,0 auf 3,9 Prozent und für Laubbäume von 41,8 auf 14,2 Prozent abgenommen hat.

Ausgenommen von diesem positiven Trend ist jedoch die Tanne, die ohnehin einen sehr geringen Anteil von 0,8 Prozent dieser Bestandsgruppe hat und nur zu einem Drittel ohne Verbiss- und Fegeschäden anzutreffen war. „Die Tanne verschwindet“, warnte Kainz und verwies auf die hohe ökologische Bedeutung dieser Baumart. Da sie tiefere Wurzeln hat als die Fichte könne sie wesentlich besser trockenen Witterungsphasen widerstehen.

Die statistischen Zahlen zeigten eindeutig eine Zunahme der Jahresdurchschnittstemperatur und eine Verschlechterung der klimatischen Wasserbilanz. Daher sei es wichtig, durch die Anlage von Mischbeständen das Risiko auf verschiedene Baumarten mit unterschiedlichen Eigenschaften zu verteilen. Die dramatische Belastung der Waldflächen zeigt laut Kainz der Anfall an Schadholz, der 2018 zu verzeichnen war. So waren in Mitteleuropa insgesamt 75 Mio. Festmeter Schadholz, bedingt durch Stürme, Trockenheit und Käferbefall, zu verzeichnen.

Helmut Stork von der unteren Jagdbehörde gab einen Überblick über die Verbisssituation im Landkreis anhand des jüngsten Forstgutachtens. Diese im Turnus von drei Jahren stattfindende Erhebung zeigte für 2018, dass von 208 Revieren 129 eine zu hohe oder deutlich zu hohe Verbissbelastung aufweisen und 34 Prozent positiv bewertet wurden (4 Prozent ohne Angabe). Im Vergleich zu 2015 ist laut Stork eine leicht positive Entwicklung zu verzeichnen. Besonders kritisch ist die Situation weiterhin in den Hegegemeinschaften Wildsteig, Peißenberg, Steingaden, Eberfing und Bernbeuren. Daher müssten dort verbindliche Leitlinien erarbeitet werden, um die Verbissbelastung zu reduzieren. Hierzu zählten eine revierübergreifende Zusammenarbeit, Schwerpunktbejagung, freiwilliger körperlicher Nachweis (tatsächliche Vorlage des erlegten Wildes anstatt schriftlicher Meldung), die strikte Beachtung von Vorschriften gegen missbräuchliche Fütterung und eine jährliche Waldbegehung. Erst jüngste Gerichtsurteile des Verwaltungsgerichtshofs hätten den rechtlichen Grundsatz „Wald vor Wild“ wieder bestätigt, hieß es.

In der Diskussion wies Florian Pfütze, erster Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Weilheim und sowohl Waldbesitzer als auch Jäger, darauf hin, dass eine Bejagung allein noch nicht ausreiche, um den Tannenbestand zu fördern. Hierzu gehöre auch, dass die Schösslinge freigemäht werden, damit sie sich entwickeln können. Dies sei jedoch Aufgabe der Waldbesitzer und nicht der Jäger. 

Von emh

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