Keine Kreise gezogen

Forum Westtorhalle sagt Kultur-Kundgebung in Murnau ab

Claus Auwärter, Jakob Hamburger und Kilian Schlegel vom Verein Forum Westtorhalle.
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Hoffen nun auf eine Demo am 24. April: Claus Auwärter, Jakob Hamburger und Kilian Schlegel vom Verein Forum Westtorhalle (von links).
  • vonAntonia Reindl
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Murnau – Die Coladose zu seinen Füßen reflektiert die Sonnenstrahlen, die Claus Auwärter auf einer Treppenstufe an der alten Post genießt. Er blickt auf den Ödön-von-Horváth-Platz vor ihm, dort, wo er gemeinsam mit seinen Kollegen vom Verein Forum Westtorhalle eine Kultur-Demo geplant hat – oder besser gesagt: hatte. Denn wegen des hohen 7-Tage-Inzidenzwertes im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sagten sie die Veranstaltung am vergangenen Samstag kurzfristig ab.

Neben Auwärter sitzen Jakob Hamburger und Kilian Schlegel auf der warmen Treppe. Auf Abstand. Die Sonne scheint in ihre Gesichter. Getönte Brillen auf den Augen, beiläufig hochgekrempelte Ärmel. Zigarettenqualm steigt zwischen den Fingern hervor. Die drei wirken entspannt. Und dennoch, wenn sie über die abgesagte Veranstaltung sprechen, ist ihnen ein Bedauern deutlich anzumerken. Mit einer einstündigen Kultur-Demo, musikalisch begleitet von der Gruppe Bison, wollten sie die Kultur aus ihrem komatösen Zustand holen, ihr „wieder Raum geben“, wie es auf dem Veranstaltungsplakat heißt. Eine Demo, die wohl an ein Konzert erinnert hätte, ohne eines sein zu wollen – oder zu dürfen.

Das Plakat haben die drei Westtor-Männer dabei, es haftet auf einem Aufsteller. Zu dem Schild hat sich der knallrote Hinweis „Abgesagt“ hinzugesellt, und auch ein „Bleibt gesund“, das die meisten Ohren vermutlich schon gar nicht mehr hören können. Auch auf der Westtor-Facebook-Seite informiert ein Post über die Absage. Schon vorab stand fest: Wenn die Inzidenz im Landkreis über 100 liegt, dann wird die Kundgebung abgesagt. „Irgendwo muss man die Grenze ziehen“, sagt Jakob Hamburger, der „wie viele“ die Hoffnung hatte, dass eine Veranstaltung dieser Art im April wieder möglich ist. Die drei Männer blicken auf einen leeren Ödön-von-Horváth-Platz, auf den in rund zwei Stunden, um 14 Uhr, zwischen 100 und 150 Personen hätten Platz finden dürfen. „Das war, glaube ich, niedrig angesetzt“, sagt Hamburger. Doch man habe die Regeln nicht „auf Teufel kommt raus“ ausreizen wollen.

Wo steht die Kultur?

Auch der Stellenwert der Kultur scheint in Corona-Zeiten nicht allzu hoch zu sein, geht es zumindest nach Auwärter. „Wir sind uns nicht sicher, ob der Stellenwert richtig gesetzt ist“, sagt er. Viele Themen stünden über der Kultur. „Schon eine Weile“ habe man daher eine Demo geplant, meint Hamburger. Man wollte lediglich den Zeitpunkt abwarten, an dem man das machen kann. Den Zeitpunkt hat man nun wohl aber verfehlt. Doch „wir geben nicht auf“, sagt Hamburger. Zumal die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und der hiesigen Polizei sehr gut gewesen sei. „Man hat uns das Signal gegeben, das miteinander machen zu wollen“, betont Auwärter.

Auch habe man ein gutes Konzept gehabt und somit weder Bedenken noch Angst, eine solche Demo durchzuführen, ergänzt Hamburger. Auwärter nickt. Maskenpflicht und Abstandhalten waren angesagt. Jeder Teilnehmer hätte außerdem seinen festen Platz gehabt: Man hätte Kreise auf dem Boden aufgezeichnet. Pro Kreis hätte sich maximal ein Haushalt aufhalten dürfen. Dabei wäre die ganze Angelegenheit aber sicherlich etwas starr gewesen, denn Mitsingen und Tanzen wurden schon vorab auf der Facebook-Seite zum Tabu erklärt. Wer dennoch gezappelt oder gegrölt hätte, der wäre wohl von den Ordnern zurecht gewiesen worden. Diese „und die Band werden sich einem Corona-Schnelltest unterziehen“, hieß es vorab in dem Veranstaltungshinweis auf Facebook. „Vielleicht auch für euch ein guter Anlass, euch vor der Demo selbst zu testen“, hatten die Veranstalter dazu noch geschrieben. Genügend Zeit, sich einen Schnelltest zu besorgen, haben jetzt diejenigen, die bei der nächsten Demo teilhaben wollen. Als Termin wird der 24. April angepeilt. Und Jakob Hamburger ist überzeugt, dass sich die Leute auf Kultur freuen und einen Hunger nach kulturellem Erleben verspüren.

Zwei Stunden später, es ist kurz nach 14 Uhr, ist es ruhig auf dem Ödön-von-Horváth-Platz. Die Sonne ist noch da, Menschen dagegen kaum. Hier und da sitzt jemand auf einer Bank. Um am Rand, neben einer der Sitzgelegenheiten, steht der Aufsteller und verkündet still die Absage der Demo.

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