FOS/BOS-Schüler lernen mit PC-Spiel ein eigenes Unternehmen zu gründen

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An der FOS/BOS Weilheim haben die Schüler mit Hilfe eines Computerspiels Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensgründung erfahren.

Weilheim – Computer spielen während des Unterrichts? An der FOS/BOS war das für drei Tage möglich. Allerdings haben die Schüler dabei weder vor Zombies flüchten müssen, noch sind sie mit gestohlenen Autos durch amerikanische Städte gerast. Stattdessen haben sie gelernt, wie man ein Unternehmen gründet, Gewinne einfährt und dabei noch auf die Umwelt achtet.

„Bikorama“ nennt sich das Spiel, das Studierende der Technischen Universität München (TUM) zusammen mit ihrem Dozenten Matthias Utesch entwickelt haben. Und darum geht es: Die Spieler starten mit dem Verleih ihres eigenen Fahrrades und sollen daraus Schritt für Schritt mit Angeboten zu umweltbewusster Mobilität ein Wirtschaftsimperium schaffen. Dabei gilt es, gleichzeitig die zwei Zielgrößen „Unternehmensgewinn“ und „CO2-Einsparung“ zu optimieren.

Für Utesch hat diese Art zu lernen gleich mehrere Vorteile. „Die Schüler lernen so in spielerische Weise, wie digitale Informationstechnik unternehmerisches und zugleich ökologisch nachhaltiges Handeln ermöglicht.“ Hört sich toll an, aber ob das Spiel in der Praxis tatsächlich den gewünschten Effekt hat, muss natürlich ausgiebig getestet werden. Als Kooperationspartner hat sich die TUM die FOS/BOS Weilheim ausgesucht. Warum? „Weil diese Schule eine Vorreiterrolle für Digitalisierung von Lehr- und Lernprozessen in der Region einnehmen kann“, erklärt Utesch.

Schulleiter Christian Dick bestätigt: „Wir sind gerade dabei, den Weg der Digitalisierung anzugehen.“ Man habe rund ein Jahr an einem Lehrplan gearbeitet. Es solle nämlich nicht nur darum gehen, die Klassenzimmer mit Computern und ähnlichem vollzustellen. „Das Personal muss lernen damit umzugehen, damit alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden können.“ Lernspiele mit didaktischem Hintergrund, wie „Bikorama“, sind für Dick ein guter Baustein.

Und so hat sich eines der Klassenzimmer der FOS/BOS für drei Tage in ein Computerspielzimmer verwandelt. Diverse Klassen durften dort über die Tage verteilt am PC ihr eigenes Unternehmen aufbauen. So wie die elf Schüler des Technikzweigs. In Zweierteams mussten sie Entscheidungen treffen: Wie viele Fahrräder schaffen wir an? Welche Art von Fahrrädern? Wie viel Personal können wir uns leisten? Wie hoch sollte der Kredit sein? So vertieften die Schüler auch ihr zuvor im Unterricht gelerntes Wissen über Fixkosten, Fremdkapital und Break-Even-Point.

Das Spiel war dabei in drei Phasen geteilt. Nach jeder Phase berechnet der Computer unter anderem, wie viel Vermögen oder wie viel CO2 sie eingespart haben. Dadurch bekommen die Schüler sofort eine Rückmeldung über ihre wirtschaftlichen Entscheidungen.

Unterstützung bekamen sie dabei von drei Studierenden, die an der Entwicklung des Spiels beteiligt waren. So wie Informatikstudent Ferdinand. Er sieht das Ziel des Spiels darin, dass sich die Schüler Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensgründung aneignen. Ob das gelingt, wollen Ferdinand und seine Kommilitonen herausfinden, indem sie vor und nach dem Spiel eine Befragung durchführen. Von der Evaluation will Schulleiter Dick es auch abhängig machen, ob das Projekt mit dem Computerspiel fortgeführt wird. Grundsätzlich ist er aber nicht abgeneigt, wie er sagt.

Und die Schüler, was halten die davon? Der Technik-Klasse hat es schon mal sichtlich Spaß gemacht. Bei den Quizfragen, die nach jeder Phase als eine schnelle Lernzielkontrolle dienten, haben sie munter mitgemacht. Auf den Bildschirmen der Laptops wurde derweil eifrig verglichen, wer mehr Geld eingenommen und damit sein Kapital schlauer investiert hat. Da reichte nach Runde eins die Spanne von über 1 000 bis mehr als 10 000 Euro. Das Gute dabei: Hier dürfen die Schüler Fehler machen. Im schlimmsten Fall heißt es eben Game Over und man beginnt von vorn. Wenn es doch im wahren Leben auch so einfach wäre.

Von Stephanie Novy

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