Die Gedanken bleiben hängen

Franz Fischer verlässt Murnauer Marktgemeinderat

Bürgermeister Rolf Beuting und Marktgemeinderat Franz Fischer.
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Bürgermeister Rolf Beuting (links) überreicht dem scheidenden Marktgemeinderat Franz Fischer Ehrenurkunde und Geschenk.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Sicherlich ist es ein Verlust, und sicherlich ist es kein geringer. Dessen ist sich Phillip Zoepf gewiss. Es rührt den Fraktionsvorsitzenden von Mehr Bewegen sichtlich, dass Franz Fischer aus dem Marktgemeinderat Murnau – und aus der Bürgerliste – ausscheidet. Nicht etwa, weil Fischer keine Lust oder keine Zeit mehr auf das Ehrenamt hat – ein Umzug zwingt ihn zu diesem Schritt. In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates wurde Fischer nun verabschiedet. Als Nachrücker war Reiner Oppelt gleich zur Stelle.

Formalitäten müssen sein. Weil Fischer, Jahrgang 1983, gemeinsam mit seiner Familie seinen Lebensmittelpunkt verlagert, nach Eberfing umgezogen ist – und damit das Gemeindegebiet verlassen hat – stellte er vor wenigen Wochen einen Antrag auf Niederlegung seines Ehrenamtes im Marktgemeinderat. Seit 2017 saß der ehemalige Murnauer im Gremium, mehr noch, auch in einigen Ausschüssen war für ihn ein Platz reserviert, im Bauausschuss, im Energie-, Umwelt- und Verkehrsausschuss, im Hauptverwaltungsausschuss und im Werkausschuss, sowie als stellvertretendes Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss und im Rechnungsprüfungsausschuss für die Gemeindewerke. Geschlossen stimmt der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung nun jenem Antrag von Fischer zu.

Fernab der Formalitäten dankt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) Fischer für sein Engagement und bedauert, ihn als wertvolles Mitglied des Gremiums – nach ein paar Jahren habe man sich gut eingearbeitet – zu verlieren. „Sehr schade, dass du jetzt aussteigst“, sagt der Rathauschef, der den Beweggrund, den Umzug nach Eberfing und die familiäre Situation, aber nachvollziehen könne. Der Bürgermeister hat Fischer als „meistens gut aufgelegt und meinungsfreudig“ erlebt.

Reiner Oppelt (links), der 2020 aus dem Marktgemeinderat verabschiedet wurde, wird als Fischers Nachrücker vereidigt.

Nun hofft Beuting, dass die vergangenen vier Jahre für Fischer vielleicht eine „Schnupperphase“ gewesen seien, und dieser irgendwann einmal zurückkehren werde. Die Beziehung zu Murnau, ein Ort, für den Fischers Herz geschlagen habe, werde nicht abbrechen, ist sich Beuting sicher.

Nach einem lauten Applaus bedankt sich Fischer für die Worte, möchte sich aber selbst kurz halten. Beim Blick auf die lange Tagesordnung ahne er, dass wohl der ein oder andere etwas längere Wortbeitrag kommen werde. Er lobt das gute interfraktionelle Miteinander, bedankt sich bei seinen Fraktionskollegen, mit denen er „sehr, sehr eng“ zusammengearbeitet habe. Und er bedankt sich „bei dir, lieber Rolf“, sagt er in Richtung Bürgermeister.

Es sei nie langweilig gewesen, und ja, es habe auch ein paar Reibungspunkte gegeben. Die Intensität Letzterer lächelt Fischer nun aber einfach weg. Den Gemeinderäten gibt er mit auf den Weg, an Visionen festzuhalten, „der Visionär ist der Architekt der Zukunft“, sagt er. Dass Fischer aber das Geschehen in Murnau weiter verfolgen, seine Gedanken ein wenig hängen bleiben werden, scheint gewiss. „Man geht niemals so ganz“, sagt Fischer und schmunzelt: „Auf Wiederschauen“.

Mann der ersten Stunde

So einfach lässt Zoepf seinen Fraktionskollegen aber nicht entschwinden, nachdem Beuting dem Ausgeschiedenen eine Ehrenurkunde samt Kiste mit Bier, Likör und Kaffee überreicht hat, schnappt sich der Fraktionsvorsitzende sein Geschenkkörbchen. „Es fällt mir nun wirklich schwer, dich aus dem Gremium und vor allem aus der Fraktion zu verabschieden“, gesteht er. Bei Mehr Bewegen sei Fischer ein Mann der ersten Stunde gewesen, blickt Zoepf zurück.

Anfangs sei er sich nicht sicher gewesen, wie ernst es Fischer sei. Doch diese Unsicherheit legte sich rasch. Zoepf lobt Fischers „Effektivität, immer mit einem Schuss Humor“ und wusste mit ihm einen ehrlichen wie kritischen Partner an seiner Seite. Von einem gänzlichen Verlust aber spricht Zoepf nicht, „ich weiß, dass ich einen guten Freund gewonnen habe“.

Fischer greift nach seiner Jacke, in beiden Armbeugen transportiert er die Geschenke, und verlässt den Sitzungssaal. Anschließend wird sein Nachrücker vereidigt. Reiner Oppelt, 2020 aus dem Gremium ausgeschieden, „tritt in sämtliche Tätigkeiten von Herrn Fischer ein“, sagt Beuting. Neben seiner Mitgliedschaft in den Ausschüssen ist Oppelt ab sofort auch im Aufsichtsrat der Grundstücks-Verwaltungs-GmbH und in der Gesellschafterversammlung vertreten. Außerdem möchte er den Referentenposten für den Bauhof besetzen. An diesem Abend aber besetzt er zunächst einmal den Stuhl zur Zopefs Rechten, dessen Sitzfläche nur Minuten nach Fischers Verschwinden kaum erkaltet ist.

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