Peißenberger Marktgemeinderat stimmt für Kaufoptionsvariante

Freie Künstler Peißenberg dürfen altes Juze kaufen

Demonstranten mit Schildern
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Im November 2020 haben die Freien Künstler Peißenberg noch für eine Nutzung des alten Juzes demonstriert. Jetzt haben sie die endgültige Zusage.

Peißenberg – Die Freien Künstler Peißenberg dürfen sich freuen: Der Marktgemeinderat hat sich mit 14:11-Stimmen darauf verständigt, dass Moritz Hummig und seine Mitstreiter die Chance erhalten, das ausrangierte Jugendzentrum am St. Georgenweg in einen Kulturtreff für Nachwuchsbands und Künstler anderer Genres umzubauen.

Bis zuletzt wurde über die Zukunft des alten Juzes hart gerungen – und das obwohl mit dem Faschingsverein Frohsinn 2000 ein Mitbewerber um die Nachnutzung für das baufällige Gebäude bereits vor Weihnachten abgesprungen war. Knackpunkt waren nach wie vor die rechtliche Vertragsgestaltung und wohl auch persönlich motivierte Interessen. Doch kurz vor der Abstimmung im Marktrat zeichnete sich ab, dass die Freien Künstler zum Zug kommen werden: Sie erhielten mit Bürgermeister Frank Zellner (CSU) einen prominenten Fürsprecher.

Dessen eigene Fraktion verweigerte jedoch ebenso wie die Peißenberger Liste die Zustimmung für die Freien Künstler. CSU/Parteilose-Sprecherin Patricia Punzet verlas eine Stellungnahme, wonach „keine Gründe erkennbar“ seien, warum von der bisherigen Vergabepraxis an Vereine bezüglich kommunaler Liegenschaften abgewichen werden sollte. Punzet verwies in dem Zusammenhang auf die bisherigen Erbpachtlösungen. Als noch junger Verein würden auch die Freien Künstler durch eine Pacht- respektive Erbbauvariante viel mehr „Planungssicherheit“ erhalten. Die finanziellen Mittel müssten zudem nicht für den Kaufpreis gespart werden, sondern könnten sofort in die Gebäudesanierung fließen. Dem Verein solle nochmals Gelegenheit gegeben werden, sich rechtlich beraten zu lassen. Wenn keine Vereinbarung zustande kommen würde, dann, so Punzet, solle der Abrissbeschluss trotzdem ausgesetzt und nach anderen Nutzungsvarianten für das Gebäude gesucht werden. Punzet betonte, dass es CSU/Parteilose nicht darum gehen würde, den Zuschlag für die Freien Künstler zu verhindern. Das „einmalige Projekt“ wäre eine „Bereicherung für Peißenberg“.

Es geht darum, Peißenberg ein Stück weit zu gestalten.

Bürgermeister Frank Zellner über sein Votum für die „Freien Künstler“

Doch die Stellungnahme von CSU/Parteilose war letztlich nur ein Scheingefecht. Vor der Beschlussfassung war klar: Wer auf eine reine Erbpachtlösung pocht, der stimmt gegen die Freien Künstler. Hummig und seine Mitstreiter erklärten nämlich von Anfang an, dass für sie nur ein Kauf des Gebäudes und eben kein Erbbaurecht in Frage kommt. Die Rathausverwaltung hatte diesbezüglich eine von Hummig selbst vorgeschlagene Kompromisslösung zur Abstimmung gestellt. Diese sieht eine Übergangsphase in Form eines fünf Jahre laufenden Pachtvertrags vor, aber mit anschließender Kaufoption zugunsten der Freien Künstler. Zellner räumte im Marktrat zwar ein, dass die Gemeinde bisher keine Grundstücke an Vereine verkauft hat. Aber das alte Juze mit seiner baurechtlich eingeschränkten Nutzung und seiner Außenbereichslage würde „besondere Umstände“ bieten, die auch eine differenzierte Vorgehensweise rechtfertigen würden. Sein „persönlicher Abwägungsprozess“ habe letztlich ergeben, für die Kaufoptionsvariante zugunsten der Freien Künstler zu stimmen.

Auch Stefan Rießenberger (Bürgervereinigung) warb vor der Abstimmung für das „Team Hummig“ – und das in sinnbildlicher Fußballersprache. Demnach würde in der „Tiefstollenarena“ das „Endspiel um den Jugendzentrumscup“ stattfinden – und zwar unter Beteiligung von „24 Unparteiischen und einem Video-Schiedsrichter (gemeint sind die Markträte und Bürgermeister Zellner; Anm. d. Red.)“. Nach dem Rückzug eines „Endspielteilnehmers“ hätten nur die „jungen Wilden“ den Platz betreten. Der Rasen, so Rießenberger in Anspielung auf das baufällige alte Juze, gleiche einer „Kraterlandschaft“ und sei wegen der defekten Heizung kaum bespielbar, das Flutlicht brenne nur an einem Ende und die Tribünen seien einsturzgefährdet. „Doch all das schreckt diese Mannschaft nicht ab. Sie wollen spielen“, erklärte „Linienrichter“ Rießenberger. Sein Urteil: „Diese Mannschaft hat den Pokal verdient.“ Das sah auch die Mehrheit des Marktrats so. Im nichtöffentlichen Sitzungsteil wurde dann bereits über die Vertragskonditionen diskutiert. Laut Rathausverwaltung soll bis April ein beurkundeter Kontrakt mit den Freien Künstlern vorliegen.

Von Bernhard Jepsen

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