Historische Exponate und Fotos

Freilichtmuseum Glentleiten: Ausstellung zur Hygiene auf dem Land

Ausstellung Sauberkeit zu jeder Zeit Glentleiten
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Nostalgie pur vermittelt der Original-Friseursalon von Mitte der 1950er Jahre in der aktuellen Glentleiten-Sonderausstellung. Unser Bild zeigt Dr. Melanie Bauer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, und Jan Borgmann, Leiter der volkskundlichen Sammlung.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Großweil – Kaum ein junger Mensch kennt noch den bayerischen Ausdruck „Potschamperl“, abgeleitet aus dem Französischen „Pot de Chambre“. Das war zu Urgroßmutters Zeiten der Nachttopf unter dem Bett, der den mühsamen Gang zum meist außerhalb liegenden Klohäusl oder zur auf halber Treppe liegenden Toilette ersparte. Solch transportables Nachtgeschirr aus Steingut oder emailliertem Blech und viel mehr fast Vergessenes aus der vermeintlich „guten alten Zeit“ ist bis zum 28. November in einer Sonderausstellung im Freilichtmuseum Glentleiten zu bestaunen.

„Sauberkeit zu jeder Zeit“ heißt die sehenswerte Ausstellung. Der titelgebende Spruch findet sich auf einem weit verbreiteten Zierhandtuch von Anfang des 20. Jahrhunderts. Nach dem großen Putz schmückten die Hausfrauen damit stolz ihre Küche. Der ergänzende Untertitel „Hygiene auf dem Land“ ist allerdings ein Thema, das durch die Corona-Pandemie aktueller denn je ist.

Er zeigt deutlich, dass Maßnahmen und Fragen zur Sauberkeit auch auf dem Land – vor allem seit dem 19. Jahrhundert – eine immer wichtigere Rolle gespielt haben. Die Sonderschau geht der Frage nach, was damals mit „sauber“ gemeint war bis zum „Porentiefrein“ von Klementine aus der Waschmittelwerbung der 1970er und 1980er Jahre. Es werden die unterschiedlichsten Aspekte von Körperhygiene, Wäschewaschen, Sauberhaltung des Stalls oder Abfallbeseitigung bis zum Kochen und Einwecken beleuchtet.

Bei einem für den Kreisboten exklusiven Rundgang durch die Ausstellung erzählte Jan Borgmann, Leiter der volkskundlichen Glentleiten-Sammlung mit 80 000 Exponaten, pikante Details aus dem Leben von anno dazumal. So wurden oft im Schlafzimmer der Bauern die Lebensmittel aufbewahrt. Es war wohl der sicherste Ort, um sie vor diebischem Gesindel zu schützen. Vornehme Herrschaften vermieden das Waschen mit warmen Wasser, wechselten lieber öfter die Wäsche und parfümierten sich. In den sogenannten Badehäusern ging es nicht nur um Sauberkeit, sondern oft um pure Fleischeslust…

Die aktuelle Sonderausstellung zeigt eine Fülle von spannenden Einzelobjekten vom Waschbrett und ersten Waschmaschinen über Kochtöpfe aus Gusseisen, hölzernen Mausefallen, Spucknäpfen und historischem Gwand bis zum Hebammenkoffer. Ein Highlight ist sicherlich der original Friseursalon aus Lindau von Mitte der 1950er Jahre, damals „todschick und der letzte Schrei“. Neben dem wuchtigen Behandlungsstuhl steht der unvermeidliche Aschenbecher, denn gepafft wurde damals selbst beim Eindrehen der Lockenwickler.

Schautafeln mit Hunderten von historischen Fotografien ergänzen eindrucksvoll die Ausstellung im Eingangsbereich des Freilichtmuseums. Wer mehr sehen und erleben will, sollte das weitläufige 40 Hektar große Freigelände durchwandern. Mit Blick auf Kochelsee und Berge laden über 60 historische Gebäude – von Bauernhäusern, Mühle, Almkaser bis zum Sägewerk – dazu ein, den ländlichen Alltag von früher in Oberbayern kennenzulernen. Alle Häuser wurden an den ursprünglichen Standorten ab- und im Freilichtmuseum samt ihrer Einrichtung wiederaufgebaut.

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