Üben für den Ernstfall

Freiwillige Feuerwehr und Rathausverwaltung Peißenberg bereiten sich vor

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Der Bauhof übte den Einsatz des Sandschlauchfüllsystems.

Peißenberg – Im Zuge der extremen Starkregenfälle im Sommer vor zwei Jahren herrschte an der Bachstraße in Peißenberg zweimal in kurzer Folge Land unter.

Die beiden Hochwasserereignisse sorgten bei den betroffenen Anliegern für massive Schäden und finanzielle Einbußen. Auch am vergangenen Sonntag gingen in Peißenberg wieder die Sirenen, doch dieses Mal blieb in der Bachstraße alles trocken: Die Freiwillige Feuerwehr Peißenberg und die Rathausverwaltung übten den Ernstfall.

Die Feuerwehr habe 2016 bei den beiden Hochwassern einen „guten Job gemacht“, betonte Rathaus-Hauptamtsleiter Johannes Pfleger am Rande der Übung. Allerdings müsse man die Koordination zwischen der Gemeindeverwaltung und der Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus noch verbessern. Ziel der reinen Logistikübung war es, die Abläufe des erstellten Hochwasserkonzepts zu proben. „Wir wollten schauen, ob die zeitlichen Vorgaben realistisch sind“, erklärte Feuerwehr-Kommandant Michael Schleich. Die detaillierte Auswertung der Übung erfolgt in internen Nachbesprechungen, allerdings: „Wir kommen mit der Zeit nicht ganz hin“, so Schleichs erste Erkenntnis. Nach dem Hochwasserkonzept werden bei Meldestufe 3, also bei stark ansteigendem Pegel, die Einsatzausrüstung sowie die Schutzsysteme an die neuralgischen Punkte transportiert, die Bevölkerung informiert und die betroffenen Straßenzüge gesperrt. Zudem werden vom Bauhof die Schlammfänge der Gullys präventiv herausgenommen und die Kanaldeckel durch Schutzgitter ersetzt. Auch Sandsäcke müssen angeliefert und das neu entwickelte Sandschlauchfüllsystem einsatzbereit gemacht werden. Das alles erfordert Zeit und einen hohen logistischen Aufwand. Das provisorische Rückhaltebecken am Recyclinghof bringt zwar Entlastung, laut Schleich dauert es aber „nur etwa 15 Minuten“, bis sich der Pegel am Wörthersbach wieder nach oben schraubt. Wie schnell das Wasser bei Starkregenfällen letztlich ansteigt, könne man im Voraus nie genau vorhersagen: „Ein Restrisiko bleibt immer“, so Schleich.

Pfleger war in der unmittelbaren Nachkritik „heilfroh, dass wir die Übung gemacht haben“. Zum Beispiel wisse man nun, „dass im Rathaus ohne die EDV gar nichts geht“. Einen Personalstamm von etwa zehn Leuten brauche es, um im Ernstfall unter anderem die Kommunikation mit den übergeordneten Behörden zu regeln und das Bürgertelefon einzurichten. Oft würden ganz banal scheinende Angelegenheiten Schwierigkeiten bereiten, zum Beispiel die Frage, wie man an einem Feier- oder Sonntag die Redaktionen der Radiosender zur Gefahrenmitteilung erreicht. „Wir wissen jetzt, dass das über die Polizei geht“, so Pfleger.

An der Hochwasserübung nahmen neben der Peißenberger Feuerwehr und der Rathausverwaltung Einsatzkräfte der Forster und Oderdinger Feuerwehr sowie der Bauhof und die Ammerwehr teil. 

Von Bernhard Jepsen

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