"Freunde Weilheims" möchten "Bausünde" in Altstadt verhindern

Der Bauzaun ist aufgestellt, ein einzelner Bagger steht betriebsbereit auf der Baustelle an der Herzog-Christoph-Straße. Doch in den vergangenen Wochen hat sich, vor allem von Seiten der Nachbarn, heftiger Widerstand gegen das geplante dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus an der Stadtmauer formiert. Die BI „Freunde Weilheims“ appelliert an Bürgermeister Markus Loth, „alle Möglichkeiten zu prüfen, das in dieser Form geplante Bauvorhaben in der Herzog-Christoph-Straße zu stoppen und dem Bürgerbegehren auf Durchführung eines Bürgerentscheids stattzugeben“.

Erst Ende Mai, berichtet Brigitte Schießler unserer Zeitung, sei ihr „das Ausmaß der geplanten Bebauung bewusst geworden“. Bauträger Scheurer habe ihr als Nachbarin des zu bebauenden Grund- stücks an der Herzog-Christoph-Straße die Pläne zur Unterschrift vorgelegt und erklärt, diese würden noch überarbeitet werden. Schieß- ler unterschrieb jedoch nicht mit dem Hinweis, sie wolle die „fertigen Pläne sehen“. Die endgültigen Pläne für das Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage, entrüstet sich die Initiatorin der BI „Freunde Weilheims“, habe sie jedoch nie zu Gesicht bekommen. Brigitte Schießler gründet die Bürgerinitiative und sammelt mit ihren Mitstreitern „weit über 1600 Unterschriften“. Gegenüber dem KREISBOTEN betont Schießler, dass sie nicht ein Bauwerk für die Diakonie verhindern wolle, sondern „eine Bausünde, die mindestens 200 Jahre steht“. Ihr Appell: „Gemeinsam mit der Stadt nach einer besseren Lösung suchen.“ Und wenn kein Konsens gelingt? „Dann werden wir weitere Schritte überlegen“, steht für Schießler fest, deren Tochter auf dem Familiengrundstück an der Herzog-Christoph-Straße, gegen- überliegend vom geplanten Scheurer-Bau, über einer Garage ein zweistöckiges Gebäude errichten möchte. Günter Scheurer erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, er habe „Frau Schießler nur die Entwürfe zur Ansicht gezeigt“. Schießler, so Scheurer weiter, habe „beim Bürgerbegehren falsche Pläne ausgelegt: Woher sie die hat, weiß ich nicht.“ Der Bauträger verwies auf die vorliegende Baugenehmigung des Landratsamtes und dass jetzt mit den Arbeiten begonnen werde, denn: „Ich habe einen unterschriebenen Mietvertrag von der Diakonie und muss bauen.“ Ende 2009 soll das Herzog-Christoph-Haus bezugsfertig sein. Franz Feigl, Baujurist am Landratsamt Weilheim-Schongau, argumentiert, dass die Grundstücke in der näheren Umgebung ebenfalls vollständig bebaut und Freiflächen kaum vorhanden seien. Das Landratsamt sei deshalb zu der Überzeugung gekommen, „dass sich auch ein solch massives Gebäude vom Baurecht her einfügt“. Bestandskraft erlangt die Baugenehmigung erst einen Monat nach ihrer Zustellung an den Bauherrn, die Grundstücksnachbarn und die Stadt Weilheim. In dieser Zeit kann beim Verwaltungsgericht gegen den Bescheid geklagt werden. Klagen können laut Feigl in diesem Fall nur die Nachbarn, weil die Stadt dem Herzog-Christoph-Haus bereits ihr „ausdrückliches Einvernehmen erteilt“ habe. Dass ein Bürgerbegehren noch Auswirkungen auf die Baugenehmigung haben kann, bezweifelt Feigl. Die BI hätte auf die Stadt einwirken müssen, bevor diese dem Bauvorhaben zugestimmt hat, betont der Jurist. „Wir lassen alles penibel prüfen“, ist von Weilheims Bürgermeister zu erfahren. Markus Loth hat die „komplizierte Sachlage“ inzwischen mit einem Münchner Anwalt, den Fraktionsvorsitzenden und Stadtratsfraktionen beraten. Stadtratssitzung am Dienstag In einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung befasste sich der Stadtrat am gestrigen Dienstag Abend mit der Frage, ob dem Bürgerbegehren der BI auf Durchführung eines Bürgerentscheides überhaupt stattgegeben werden kann. Des Weiteren waren beim Bürgermeister drei Eilanträge der Initiative zur Bearbeitung im Stadtrat eingegangen: Zur Aufhebung des Baubeschlusses, auf Erlass eines sofortigen Baustopps und auf Neube- schlussfassung des Baubeschlusses zum Bauvorhaben Herzog-Christoph-Straße durch den Stadtrat. Welche Entscheidungen der Stadtrat getroffen hat, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. / kl

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