Vereinsheim oder Kreativentreffpunkt?

Frohsinn 2000 und Freie Künstler Peißenberg präsentierten ihre Nutzungskonzepte für altes Juze

Moritz Humming vor dem alten Juze.
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Moritz Hummig von den Freien Künstlern vor dem alten Peißenberger Jugendzentrum, das er zu einem Kulturtreff umbauen möchte.

Peißenberg – Ein Gebäude, zwei Bewerber: Die „Freien Künstler Peißenberg“ und der „Frohsinn 2000“ möchten bekanntlich das ehemalige Jugendzentrum am St. Georgenweg nutzen. In der jüngsten Marktratssitzung durften beide Vereine ihre Konzeptideen präsentieren. Eine Entscheidung gab es noch nicht – vermutlich aber eine Tendenz.

Im Rahmen der Vorstellungsrunde wurde beiden Vereinen ein Zeitfenster von 15 Minuten eingeräumt. Den Anfang machten die „Freien Künstler“: Vorsitzender Moritz Hummig und Schatzmeister Lukas Davis zielten auf die Historie des alten Juzes ab. Das Gebäude, das ganz früher ein Ledigenheim war, sei in den 1970-er Jahren zu einem „legendären Veranstaltungsort für Konzerte und Bands aus aller Welt“ geworden – „und so könnte es auch wieder werden“, erklärte der Vereinschef. Wirtschaftlich sei der Wert des baufälligen Gemäuers sehr gering, aber der ideelle Wert für die „Freien Künstler“ „unbezahlbar“: „Für uns kommt kein anderes Gebäude in Frage“, betonte Hummig.

Die „Freien Künstler“ wollen eine Anlaufstelle für Nachwuchsmusiker und Kulturschaffende sein. Es sollen Probe- und Konzerträume sowie Tonstudiotechnik zur Verfügung gestellt werden. Auch will man mit der „Westtorhalle“ in Murnau kooperieren. Davis sprach von einem „Treffpunkt für Kreativlinge“. Bezüglich der Sanierung, so berichtete Hummig, habe man mit dem Landratsamt bereits sehr viel besprochen. Im Verein gebe es viele motivierte Handwerker, zudem gebe es gute Kontakte zu Wandergesellen, die ihre Dienste für soziale Zwecke kostenlos anbieten würden. Hummig nannte eine Bedingung des Vereins. So wolle man von der Gemeinde eine Kauf-Option eingeräumt bekommen, die man nach fünf Jahren im Falle eines erfolgreichen Projektverlaufs ziehen könne: „Wir brauchen Sicherheit“, so Hummig.

Wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich Künstler frei entwickeln können.

Lukas Davis, Schatzmeister Freie Künstler

Der „Frohsinn 2000“ wiederum betonte seine breite Basis und sein aktives Vereinsleben. „Wir sind der Faschingsveranstalter in Peißenberg“, erklärte Vereinschef Thomas Rößle. Damit hat er vermutlich leicht untertrieben. Mit dem Schwarz-Weiß-Ball, mit dem alle drei Jahre stattfindenden Faschingsumzug und mit dem Gardetreffen hat der „Frohsinn 2000“ mit seinen 350 Mitgliedern Peißenberg zur absoluten Faschingshochburg im Landkreis und darüber hinaus gemacht.

Die sechs Garden sind aktuell mit 130 TänzerInnen bestückt. Das alte Juze, so Rößle, wolle man als Trainings- und Lagerstätte nutzen, zudem brauche man Besprechungsräume: „Das Juze wäre das ideale Vereinsheim für uns.“ Der „Frohsinn“ würde das Gebäude aber nicht komplett alleine benötigen: „Das alte Juze ist sehr, sehr groß“, erklärte Rößle. Deshalb wolle man auch anderen Vereinen Lagermöglichkeiten zur Verfügung stellen. Der „Frohsinn 2000“ könne das nötige handwerkliche Know-how“ zur Sanierung aus seinen eigenen Reihen leisten: „Wir haben dazu Profis in unserem Verein.“ Die Sanierungskosten bezifferte Rößle auf bis zu 50 000 Euro. Der größte Posten sei die Entsorgung des Asbestdachs: „Das muss sofort gemacht werden“, so Rößle.

Wir brauchen dringend etwas. Wir suchen jetzt seit 20 Jahren.

Thomas Rößle, Vereinschef „Frohsinn 2000“

Aber wo lagen die Unterschiede in der Präsentation? Der „Frohsinn 2000“ strebt keinen Kauf, sondern eine langfristige Erbpacht an. Ein Modell, das auch von der Gemeinde favorisiert wird. Aber: Während die „Freien Künstler“ den Charme und die kulturelle Nutzung des alten Juzes reaktivieren wollen, ist der Faschingsverein offenbar nicht konkret auf das alte Gemäuer fixiert. „Wir sind grundsätzlich für alles offen“, antwortete Rößle auf Nachfrage von Gemeinderat Matthias Reichhart, ob den auch andere Standort-Alternativen in Frage kämen. Peter Blome (SPD) erklärte, dass die Garde-Tanzgruppen besser in Turnhallen aufgehoben wären. Auch Lagerräume würde es in Peißenberg genug geben, zum Beispiel im ehemaligen Krankenhaus: „Das alte Juze passt nicht zum Frohsinn“, meinte Blome. Ein weiterer Aspekt, der eher gegen die Gebäudenutzung als Trainingsstätte spricht: Der Markt hat aus einem Bund-Länder-Förderprogramm 900 000 Euro für ein „Aktivzentrum“ zugesprochen bekommen – und der Neubau, der neben dem Eisstadion geplant ist, soll auch einen Bewegungsraum beherbergen und allen Peißenberger Vereinen offenstehen.

Über die künftige Nutzung des altes Juzes wird in der Dezember-Sitzung des Marktrats entschieden. Weil es sich um eine Grundstücksangelegenheit handelt, wird hinter verschlossenen Türen beraten und abgestimmt.

Von Bernhard Jepsen

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