Frühschicht bei ACP Penzberg im Warnstreik

Trotz oder gerade wegen der internationalen Finanzmarktkrise ist es der IG Metall ernst mit ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Lohn. Dies wurde am Montag deutlich, als sich die Frühschicht des Penzberger ACP-Werks zu einem einstündigen Warnstreik vor dem Firmengelände versammelte. Gestreikt wurde auch bei Zarges in Weilheim.

„Wenn die Bundesregierung 500 Milliarden Euro zur Rettung der Finanzmärkte bereitstellt, ist es unser gutes Recht, an den Überschüssen teilzuhaben, die Unternehmen in den vergangenen Jahren erwirtschaftet haben“, betonte Günther Schachner, der erste Bevollmächtigte der IG Metall-Verwaltungsstelle in Weilheim. Dass im Vergleich zu anderen Warnstreiks bei ACP diesmal nur rund 250 Arbeiter und Angestellte protestierten, obwohl in den Werkshallen die Produktion komplett ruhte, lag an den Auswirkungen eben der Finanzkrise. „Eine Reihe von Kollegen wurde vor Schichtende nach Hause geschickt“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Georg Rottach. Der Grund: Im Zuge des weltweiten Nachfragerückgangs in der Automobilbranche hat auch MAN als Hauptauftraggeber von ACP seine Produktion um 30 Prozent zurückgefahren. Derzeit werde dies von den Beschäftigten noch über deren Arbeitszeitkonten ausgeglichen, doch Rottach prophezeite „einen harten Winter und ein hartes Frühjahr“. Von 177 Leiharbeitern, die vor kurzem an der Seeshaupter Straße tätig waren, „sind knapp hundert schon weg“, so Rottach. Er rechnet damit, dass auch die bald nicht mehr für ACP arbeiten werden. Die Forderung der IG Metall im Tarifstreit hält Rottach für durchaus berechtigt - gerade mit Blick auf ACP. „So schlecht kann es uns gar nicht gehen, wenn man sieht, dass unsere Geschäftsleitung mit neuen Firmenautos vorfährt“, rief Rottach aus. Der Chef des Betriebsrates wertete das vollzählige Erscheinen der Frühschicht zum Warnstreik aber nicht nur als Bekenntnis zu den Forderungen der IG Metall. „Das ist auch ein Zeichen der Geschlossenheit im Hinblick auf die anderen Baustellen, die wir bei ACP noch haben“, so Rottach. Damit spielte er vor allem auf den Wunsch der Geschäftsleitung an, den Sanierungstarifvertrag zu verlängern. „Sollten wir dem zustimmen, wollen wir auch eine Gegenleistung haben“, sagte Rottach, ohne aber Einzelheiten zu nennen. Mit einem raschen Einlenken der Arbeitgeber im Tarifstreit rechnet bei der IG Metall aber keiner. „Wir bereiten deshalb schon die Urabstimmung vor, um in unbefristeten Streik treten zu können“, sagte Günther Schachner.

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