Gespräch über eine gelungene Integration

Für ein friedliches Miteinander in Weilheim

Heiner Putzier und Issa Pene aus Weilheim
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Heiner Putzier und Issa Pene beim Ernten einer Zucchini. Der Gemüseanbau ist ihre Leidenschaft und ihr gemeinsames Projekt.
  • Mihriban Dincel
    VonMihriban Dincel
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Weilheim – Issa Pene ist 31 Jahre alt, lebt in Weilheim und macht eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Der Weg dahin war für ihn nicht einfach.

Vor circa acht Jahren kam er nach Deutschland und seit 2015 lebt er in der Kreisstadt. Geboren wurde er im Senegal. Dort waren seine Lebensumstände problematisch, daher zog es ihn hierher. Unterstützung bekam er vor Ort von Heiner Putzier. Der 68-Jährige lebt ebenfalls in Weilheim und teilt mit Pene die Leidenschaft des Gartelns.

Wo und wann sich die beiden kennenlernten, können sie nicht genau sagen. Doch der Ursprung war wohl das Projekt „Zusammenwachsen“ im Jahr 2015. Für dieses Projekt wurden Ackerflächen und Samen kostenlos zur Verfügung gestellt. Geflüchtete Menschen sollten eine Aufgabe erhalten, damit sie sich leichter in das neue Umfeld einfinden können. Putzier war selbst in das Projekt involviert. Und Pene war schon früh am Gärtnern interessiert. Über diese Aktion, aber auch durch Treffpunkte wie Asyl im Oberland, lernten sich die beiden letztlich kennen und schätzen.

Sie teilen nicht nur eine Leidenschaft, sondern sind auch bei der Frage nach Integration ähnlicher Meinung. So definiert Pene den Begriff folgendermaßen: „Alles. Ohne Integration funktioniert nichts. Es sind unterschiedliche Kulturen, das, was man gelebt hat und das, was man hier sieht. Daher ist auch die Sprache so wichtig. Man muss voneinander lernen – also bedeutet Integration alles.“

Ebenso steht für Putzier das voneinander Lernen im Vordergrund. Für ihn ist Integration „die Akzeptanz anderer Kulturen und die Freude, von anderen Kulturen und Denkweisen zu lernen und zu leben. Damit ist kein Überstülpen von Gewohnheiten gemeint. Eine Globalisierung hat stattgefunden und so müssen wir aufeinander zugehen ohne unsere Identität zu verleugnen.“

Das Lernen war aber nicht ohne Hürden. Pene hatte zuvor keine Schule besucht. Lesen und Schreiben konnte er also nicht. In Deutschland erhielt er circa zweimal wöchentlich Unterricht. Der Spracherwerb sei schwer gewesen. Doch mittlerweile macht Pene eine Ausbildung – geht somit auch zur Berufsschule – und das funktioniere gut, sagt er. Laut Pene war es ihm eine Hilfe, dass Menschen direkt deutsch mit ihm sprachen. Habe er mal etwas nicht verstanden, hätten sich seine Gesprächspartner bemüht, es ihm auf deutsch genauer zu erklären.

Neben der Sprache waren auch Behörden ein Hindernis. Der junge Mann hatte bei seiner Ankunft keinen Pass. Das erschwerte vieles. Pene war zunächst als Reinigungskraft tätig. Doch dann folgte ein Arbeitsverbot für Geflüchtete aus dem Senegal und er musste sich einen Ausbildungsplatz erkämpfen. Mithilfe eines Anwalts und von Putzier bekam er schließlich eine Ausbildungsgenehmigung.

Für Putzier ist Pene ein Familienmitglied. Er gibt an, dass die beiden viele Gespräche führen und er ein interessierter und neugieriger Mensch sei. So reden sie über Gärten, Anbau aber auch über Sport und Politik. „Gespräche sind wichtig, um sich in einer Kultur einzufinden. Beide Seiten müssen Interesse am anderen zeigen“, sagt Putzier. Auch bewundere er, wie aktiv Pene ist. So engagiert er sich seit 2016 ehrenamtlich für Kinder mit körperlicher Behinderung und spielt Fußball beim TSV Weilheim.

Für die Zukunft wünscht sich Putzier mehr Menschen, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen und die trotz Unterschieden die positiven Seiten sehen und spüren.

Auch Pene wünscht sich mehr Menschen wie Putzier und seine Familie. „Bei mir war es nicht einfach, aber Menschen wie Heiner haben für mich gekämpft und mich motiviert. Sie hatten immer Hoffnung in mich und haben mir gezeigt, dass das der richtige Weg ist.

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