Drei Sparkassen in Verhandlungen

Fusion wird konkret

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Die Fusion wird in Angriff genommen. Über den aktuellen Stand der Verhandlungen informierten in Weilheim v. li. Georg Fink, Vorstandsvorsitzender Kreissparkasse GAP; Anton Speer, Landrat GAP; Bürgermeister Markus Loth, Weilheim; Josef Koch, Vorstandsvorsitzender Vereinigte Sparkassen Weilheim; Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Alexander Schmitz, Vorstandsvorsitzender Kreissparkasse Schongau.

Weilheim/Schongau/GAP – Die Sondierungsgespräche laufen bereits seit Jahren. Nun sind sie wohl an einem entscheidenden Punkt angelangt: In einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag wurden in Weilheim Details über die geplante Vereinigung der drei bislang selbständigen Sparkassen in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen (GAP)bekannt gegeben.

Die Vereinigten Sparkassen im Landkreis Weilheim, die Kreissparkasse Schongau und die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen sollen zur „Sparkasse Oberland“ zusammengeführt werden und danach in den beiden Landkreisen 49 mit Mitarbeitern besetzte Geschäftsstellen betreiben. Als Firmierungstermin wird der 1. April 2016 ins Auge gefasst.

 Im Gegensatz zu den privaten und Genossenschaftsbanken befinden sich die Sparkassen im Besitz der Kommunen. Deren verantwortliche Gremien – die Kreistage von Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen sowie die Zweckverbandsversammlung der Vereinigten Sparkassen Weilheim mit ihren Trägerkommunen Weilheim, Peißenberg, Penzberg und Murnau – müssen der geplanten Fusion noch zustimmen. Dies wird voraussichtlich bis Weihnachten erfolgen, hieß es in der Pressekonferenz, die in der Weilheimer Sparkasse stattfand. Die derzeitigen Sparkassenstandorte sollen erhalten bleiben und einzelne Geschäftsfelder zusammengefasst werden, um Synergieeffekte nutzen zu können. Die Reduzierung der Mitarbeiterzahl wollen die drei Geldinstitute mit natürlicher Fluktuation und Anreizen zur Frühverrentung erreichen.

Im Bankwesen werden immer mehr Geschäfte über PC oder Smartphone online abgewickelt. Diese und die anhaltende Niedrigzinsphase stellen die regionalen Sparkassen vor große Herausforderungen, hieß es auf der Pressekonferenz. Nach jahrelangem Austausch sieht Bürgermeister Markus Loth „die Zeit reif für eine neue starke Sparkasse im Oberland“.

In dieses Horn stieß auch der Garmischer Landrat Anton Speer mit seiner Aussage: „Wir müssen nicht fusionieren, wir wollen es.“ Am vergangenen Mittwoch wurden die Mitarbeiter der drei betroffenen Geldinstitute zeitgleich über die geplante Zusammenführung in Kenntnis gesetzt. Betriebsbedingte Kündigungen soll es beim Stellenabbau laut Josef Koch, dem Vorstandsvorsitzenden der Weilheimer Sparkasse, nicht geben, wohl aber Veränderungen in einigen Aufgabenbereichen. „Wir müssen uns im Inneren verschlanken und im Vertrieb stärken, da wird das Geld verdient“, erklärte Koch. Ein „großes Haus“, stellte er als Vorteil heraus, biete auch „mehr Chancen für Spezialisten“. Filialschließungen seien zurzeit kein Thema, hieß es auf Nachfrage in der Pressekonferenz.

Die Fusion ist bereits seit der Kreisgebietsreform im Jahr 1972 ein Thema: In den Jahren 2002/2003 hatten sich die damaligen Landräte Luitpold Braun, Weilheim-Schongau, und Harald Kühn, GAP, beide CSU, erstmals zu Gesprächen getroffen. Ein intensiver Austausch über einen Zusammenschluss mit Schongau sei schließlich am Widerstand der Schongauer gescheitert, ging Bürgermeister Loth, der den Vorsitz im Verwaltungsrat der Weilheimer Sparkasse innehat, auf die zeitliche Abfolge ein. Für Loth ein Indiz dafür, dass „die Zeit damals dafür noch nicht reif war“.

Ein erneuter Anlauf wurde im September 2014 unternommen, als sich der Garmischer Landrat und Verwaltungsratsvorsitzende der dortigen Sparkasse an den Weilheimer Bürgermeister Loth wandte. Nach Ostern 2015 fanden erste Sondierungsgespräche statt. Im Juni kam der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Netzer auf Einladung von Landrätin Jochner-Weiß, Verwaltungsratschefin der Schongauer Sparkasse, nach Weilheim. Netzers Einschätzung zur Lage der Sparkassen überzeugte wohl die Verantwortlichen, die Fusionspläne weiter voranzutreiben – auch mit Schongau. „Wir verhandeln auf Augenhöhe und wollen eine neue Sparkasse bilden, in der sich jeder wiederfindet“, setzt Loth auf das faire Miteinander aller Verhandlungspartner. Gemeinsame Schnittmengen mit dem Nachbarlandkreis habe es mit der Murnauer Sparkasse bisher schon gegeben.

„Bei uns stimmt die Chemie, wir passen gut zusammen“, unterstützt der Garmischer Landrat Speer (FW) die Fusionspläne. Speer vertrat die Ansicht, dass ein neuer Zweckverband nötig sei, um sich im oberbayerischen Markt weiterhin behaupten zu können. Der Garmischer Landrat verwies in diesem Zusammenhang auf die AOK, wo der Zusammenschluss der beiden Landkreise ebenfalls gut funktioniert. Als weiteren Ansatz für eine landkreisübergreifende Kooperation nannte Speer die Krankenhäuser. Die meisten Vorbehalte gegen eine Fusion kamen aus Schongau.

„Die Sparkasse ist der Stolz der Schongauer Bürger“, warb Landrätin Jochner-Weiß um Verständnis. Schongau hatte einst bei der Kreisgebietsreform kräftig Federn lassen müssen, so sollte zumindest an der Eigenständigkeit der Sparkasse nicht gerüttelt werden. Die aktuelle Situation mache jedoch ein Handeln erforderlich. Denn allein, ist der Landrätin klar, „würde die kleine Schongauer Sparkasse im Jahr 2019 nicht mehr so glücklich dastehen“. Weilheim, Schongau und GAP sollen Hauptgeschäftsstellen bleiben, sagte Loth. Hauptsitz der neuen „Sparkasse Oberland“ wird Weilheim.

Die Umsetzung der Fusionspläne liegt nun in den Händen der Sparkassenvorstände. Ihre Aufgabe wird es sein, „ein völlig neues Haus zu schaffen“, wie es Weilheims Sparkassendirektor formulierte. Allen drei Sparkassenchefs (Koch, Weilheim; Alexander Schmitz, Schongau und Georg Fink, GAP) ist wichtig, dass die bisherigen Kunden-Beraterbeziehungen erhalten bleiben. Spätestens ein Jahr nach der geplanten Vereinigung soll dann auch der technische Zusammenschluss vollzogen sein.

Maria Hofstetter

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