Nadelöhr verschwindet

Im Frühjahr 2020 wird an der Ammerbrücke bei Oderding ein separater Fuß- und Radwegsteg errichtet

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Die Überquerung der Ammerbrücke bei Oderding ist sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer nicht ungefährlich – auch wenn diese wie vorgegeben ihr Rad schieben.

Polling/Oderding – Jahrelang liefen von Seiten der Gemeinde Polling die Bemühungen, neben der Ammerbrücke bei Oderding einen separaten Fuß- und Radwegsteg zu errichten. Und nun ist es tatsächlich fix: Im Frühjahr 2020 wird mit dem Bau einer Holzfachwerkbrücke begonnen.

Mit dem rund 450 000 Euro teuren Brückenschlag wird ein für Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen gefährliches Nadelöhr bald der Vergangenheit angehören. Bislang führt über die Ammer bei Oderding nur ein rund ein Meter breiter Fußgängerstreifen über den Fluss – direkt neben der vielbefahrenen Staatsstraße St 2058. Radler werden per Warnschild dazu aufgefordert, von ihrem Drahtesel abzusteigen und selbigen über die Brücke zu schieben. Aber auch der Fußmarsch über die Brücke ist alles andere als sicher: Auf der Staatsstraße in Richtung Peißenberg ist Tempo 100 erlaubt, wodurch die Fahrzeuge eine entsprechende Sogwirkung entfachen. Im Pollinger Rathaus hatte man schon vor Jahren fertige Pläne für eine Fuß- und Radfahrerbrücke in der Schublade liegen. Als Standort für den Brückenschlag wurde zunächst eine Stelle rund 100 Meter flussabwärts ins Visier genommen. Doch am westlichen Ammerufer weigerte sich ein Grundeigentümer, eine Teilfläche seiner Wiese herzugeben – womit das ganze Projekt zunächst auf Eis lag.

Lange Zeit war in puncto „Fuß- und Radwegbrücke“ an der Ammer bei Oderding keine Lösung in Sicht. Eine von der Pollinger CSU organisierte Protest-Demo brachte 2017 wieder Schwung in die Angelegenheit. Doch die entscheidende Wendung kam im gleichen Jahr mit dem Personalwechsel an der Spitze des Staatlichen Bauamts. Nachdem Uwe Fritsch neuer Leiter der Behörde wurde, zeigte sich das Bauamt gegenüber anderen Planvarianten plötzlich wieder aufgeschlossen. Bis dato hatte man einen Brückenschlag nahe der bestehenden Staatsstraßenbrücke unter anderem mit Hinweis auf wartungstechnische und statische Gründe kategorisch abgelehnt. Doch die Bedenken wurden fallen gelassen. Mit der Gemeinde wurde stattdessen eine Vereinbarung getroffen, wonach die Planungskosten in den Verantwortungsbereich der Kommune fallen und die eigentliche Baulast vom Bauamt übernommen wird. 

Auch planerisch drückte man den Reset-Knopf. Statt der wegen des fehlenden Grundbesitzes nicht realisierbaren Ursprungsvariante, fasste man als neue Brückenzufahrt den Bereich südlich der beiden am westlichen Ammerufer stehenden Häuser ins Auge. Auch auf nördlicher Höhe der Gebäude hätte die Brücke entstehen können – und zwar in Verlängerung der bestehenden Grundstückszufahrten. Doch die Wahl fiel nun auf die südliche Variante. Im nördlichen Bereich liegen mehrere Spartenleitungen der Gemeinde, die aufwendig verlegt hätten werden müssen. Auch beim Material der Brücke ist man sich einig geworden. Demnach soll eine überdachte Holzfachwerkkonstruktion mit einer Spannweite von 46 Metern errichtet werden. Das Staatliche Bauamt favorisierte zunächst eine Stahlbaubrücke – doch dagegen legte die Gemeinde ihr Veto ein: „Eine Holzbrücke gefällt uns vom Grundsatz her einfach besser“, erklärt Bürgermeisterin Felicitas Betz. Die Holzausführung sei filigraner und würde optisch besser in die Landschaft passen: „Holz ist zudem ein nachwachsender Rohstoff und damit nachhaltiger.“ Die Planung mit Brückendach habe den „Riesenvorteil“, dass kaum Schnee auf den mit Lärchenholzdielen ausgebauten Brückenfahrbahnbelag fällt. Das erleichtere den Winterdienst und den Unterhalt.

Betz ist „echt froh“ darüber, dass der Fuß- und Radwegsteg im nächsten Jahr gebaut wird. „Die Brücke ist ein Gewinn für alle“, betont die Rathauschefin. Von Oderding fahren viele Kinder mit dem Rad zur Schule nach Polling. Im Gegenzug radeln wiederum viele Nachwuchs-Kicker des SV Polling vom Klosterdorf aus zum inzwischen mit Flutlicht ausgestatteten Fußballtrainingsplatz nach Oderding. Aber auch bei Berufspendlern und Freizeitradlern wird die Ammerbrücke bei Oderding stark frequentiert.

Von Bernhard Jepsen

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