Geburtshilfe schließt überraschend bis Ende Dezember – Werdende Eltern können sich im Kreißsaal Schongau, Tel. 08861/215130, melden

Der Storch bleibt arbeitslos im Krankenhaus Weilheim

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Einsame Wache in Weilheim hält der Storch mit Tafel, auf der normalerweise die Namen neu geborener Babys stehen.

Weilheim – Dem Krankenhaus Weilheim fehlen Hebammen. Die Folge: Ab 1. Oktober muss die Geburtshilfe, außer in Notfällen, den Betrieb vorläufig einstellen.

Dieser Schritt sei nicht zu umgehen gewesen, obwohl im Vorfeld versucht worden sei, ihn abzuwenden. „Es hat sich unglücklich ergeben“, so Isa Berndt, Sprecherin der Krankenhaus GmbH. Fünf Hebammen waren in Weilheim tätig, vier davon verließen aus unterschiedlichen Gründen das Krankenhaus. Gespräche mit Hebammen von Kliniken in Gräfelfing und Bad Tölz – diese hatten ihre Geburtenstationen schließen müssen – blieben ohne Erfolg. In Weilheim kann daher bis zum Jahresende nur eine Rufbereitschaft für Notfälle angeboten werden. Das Team aus Ärzten und der verbliebenen Hebamme stehe dafür bereit. Der Betrieb in der Gynäkologie läuft normal weiter.

Berndt betonte, dass den betroffenen werdenden Eltern die Geburtshilfe im Krankenhaus Schongau zur Verfügung stehe. Dort gebe es „einen ganz modernen Kreißsaal“. 20 künftige Eltern hätten bereits für den Wechsel nach Schongau angefragt. Die Situation in Weilheim sei schwierig, die Stimmung eher gedrückt. „Das Schongauer Team mit acht Hebammen ist stabil. Da ist die Stimmung gut“, so Berndt.

2018 soll die Entbindung im Krankenhaus Weilheim wieder möglich sein – allerdings nur, wenn die aktuelle Suche nach Hebammen erfolgreich ist. „Wir hoffen, dass es im Januar weitergeht“, sagte Berndt dem Kreisboten. „Wir sind mit Hebammen im Gespräch.“ Die Suche geht weit über den Landkreis hinaus. In Südthüringen, im Erzgebirge und in Mecklenburg-Vorpommern schaltete die Krankenhaus GmbH Stellenanzeigen. Als Anreiz für die Hebammen werden eine übertarifliche Bezahlung, eine mögliche Festanstellung, Hilfe bei der Wohnungssuche und die Finanzierung des Umzugs angeboten.

Für Landrätin Andrea Jochner-Weiß ist die Geburtshilfe „immer noch eine Herzensangelegenheit“. Die prekäre Situation sei überraschend gekommen, aber: „Ich werde kämpfen wie eine Löwin, dass wir die Station wieder aufmachen.“ Bis dahin soll die Zeit für kleine Renovierungen genutzt werden. Der Landkreis bezuschusst die Geburtshilfe mit circa 600 000 Euro pro Jahr. Damit sie sich selbst tragen könnte, bräuchte es Geburten im vierstelligen Bereich. Heuer kamen bisher 308 Kinder in Schongau und 186 in Weilheim auf die Welt.

Krankenhaus Schongau: Station Tel. 08861/215-164; Kreißsaal Tel. 08861/215130.  

Von Melanie Wießmeyer

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