Der Tod fährt mit

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Weniger Unfälle, weniger Tote: Beim Straßenverkehr im Landkreis lassen sich erfreuliche Entwicklungen festhalten. Doch einige Probleme bleiben.

Landkreis – Immer wieder sorgten in den vergangenen Wochen Meldungen der Polizeiinspektionen Weilheim und Schongau für Kopfschütteln: Alkohol und Drogen am Steuer, rücksichtslose Verkehrsteilnehmer sowie Unfallverursacher, die sich einfach aus dem Staub machten. Doch wie viele solcher Vorfälle waren es im Jahr 2016 insgesamt? Und nehmen derlei Vorkommnisse tatsächlich zu? Wie stellt sich der Vergleich mit den Nachbarlandkreisen dar? Einige dieser Fragen beantwortet die jüngste Verkehrsunfallbilanz des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Der Schreck der Peißenbergerin ist riesig, als sie am Donnerstagmorgen vergangener Woche auf der B 472 nahe der Ausfahrt Peiting-Süd in einer Rechtskurve nach vorne schaut: Ein unbekannter Fahrer, der gerade dabei ist, einen Lkw zu überholen, rast ihr auf ihrem eigenen Fahrstreifen entgegen. Die 54-Jährige steigt voll in die Eisen, verhindert einen Frontalzusammenstoß. Doch ihr Wagen gerät außer Kontrolle, rutscht von der Straße und überschlägt sich. Die Frau kann sich schwer verletzt befreien, der Verkehrs-Rowdy braust ohne anzuhalten davon.

Insgesamt 38 088 Unfälle hat das Polizeipräsidium Oberbayern Süd im vergangenen Jahr, der oben geschilderte fiel noch nicht in diesen Zeitraum, registriert. Das entspricht einer Zunahme um 0,9 Prozent im Zuständigkeitsbereich, der sich über die Landkreise Rosenheim, Miesbach, Berchtesgadener Land, Traunstein, Altötting, Mühldorf, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau erstreckt sowie 50 Autobahnkilometer in einem Übertragungsbereich der Stadt und des Landkreises München abdeckt. 1 142 593 Fahrzeuge (+1,8 %) waren am Ende des vergangenen Jahres gemeldet, über 15 500 Kilometer zieht sich das Straßennetz hin. 8 245 Personen, das sind 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr, wurden verletzt, 83 (+15,3 %) kamen um. Trotz des Anstiegs der Getöteten stelle dies den zweitniedrigsten Wert seit Einführung der Statistik dar, heißt es in der Bilanz.

Weilheim-Schongau fügt sich teils ins Gesamtbild ein, mitunter steht der Landkreis aber auch im Gegensatz zum restlichen Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums: Die Zahl aller Unfälle ging von 3 896 im Jahr 2015 auf 3 824 zurück (-1,8%). Mit 867 Menschen verletzten sich aber neun mehr. Sieben ließen ihr Leben (2015: acht).

Auch die Ursachen dafür, warum es in der Region besonders häufig kracht, kennt die Statistik: Mehr als ein Viertel der Crashs kamen beim Abbiegen (25,8 % aller Unfälle) zustande. Weitere häufige Gründe werden in den Kategorien „Abstand“ (13,2 %), „Rechtsfahrgebot“ (11,3 %) und „Geschwindigkeit“ (10,5 %) zusammengefasst. Interessant: Nirgendwo sonst im Zuständigkeitsbereich spielen die beiden letzteren Ursachen eine derart große Rolle wie im hiesigen Landkreis. Das gilt genauso für die Kategorie „Überholen/Vorbeifahren“ (4,3 %). Auch „Vorfahrt/Vorrang“ (7,6 %) ist überdurchschnittlich oft genannt.

Traurige Spitzenränge

Alkohol am Steuer, auf den mit 1,5 Prozent auf den ersten Blick vergleichsweise wenig Unfälle im Landkreis zurückzuführen sind, forderte mit zwei Menschenleben einen höheren Blutzoll als irgendwo sonst. Zum Vergleich: Im restlichen Zuständigkeitsbereich hatten angetrunkene Fahrer „nur“ fünf der 76 Toten verschuldet. Insgesamt sieht die Polizei Alkohol als eine der „Hauptursachen bei schweren Unfällen mit Verletzten oder Getöteten“. Unter anderem auch hierauf werden die kontrol-

lierenden Beamten weiter ihr Augenmerk richten, blickt Polizeipräsident Robert Kopp voraus. Schwerpunkt-Aktionen, „wie zum Beispiel der Blitzmarathon“, seien geplant. Zurecht, wie der Blick auf eine weitere traurige Kennzahl im Landkreis zutage fördert: Vier Menschenleben fielen hier überhöhter Geschwindigkeit zum Opfer.

Eine traurige Spitzenposition hatte der Landkreis 2016 auch bei den Schulwegunfällen inne: Nirgendwo sonst (17 von 99) kam es zu mehr entsprechender Meldungen. 18 Personen wurden verletzt, glücklicherweise keine tödlich.

Immerhin: Im Landkreis stellen sich wieder mehr Fahrer den Konsequenzen ihres Fehlverhaltens. Während die Unfallfluchten im gesamten Beobachtungsraum leicht um 1,4 Prozent auf 760 Fälle anstiegen, ließen sie in der Region deutlich nach: 834 Fahrerfluchten entsprechen einem löblichen Minus um knapp acht Prozent. 

ras

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