Private Vorsorge wichtig

Elementarschäden gehen richtig ins Geld

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Für den Schutz vor Naturgewalten plädierten v.li. Arthur Wilm, Leiter Versicherungen Sparkasse; Sparkassenvorstand Markus Lanz; Regierungsdirektorin Gudrun Hackler und Klaus Ross, Leiter RiskManagement bei der Versicherungskammer Bayern.

Weilheim – Ihr Auto haben die Besitzer für den Schadensfall meist gut versichert. Doch wie sieht es mit Gebäuden aus? Nur knapp zwölf Prozent der Landkreisbürger haben für den Fall vorgesorgt, dass ihr Haus von Überschwemmung, Starkregen, Erdrutsch oder Schneebruch heimgesucht wird. Ist der Verlust des Autos in der Regel nicht existenzbedrohend, kann dies bei einem zerstörten Gebäude durchaus der Fall sein.

Naturkatastrophen können jedes Gebäude treffen und nahmen in den letzten Jahren – auch bedingt durch den Klimawandel – deutlich zu. So manchem Weilheimer und Penzberger sitzt der Schreck noch in den Gliedern, wenn er an seinen vollgelaufenen Keller oder den verwüsteten Garten denkt. Wie wichtig ein solider Versicherungsschutz gegen diese Elementarschäden ist, machte am vergangenen Freitag eine Pressekonferenz in Weilheim deutlich, zu der die Vereinigten Sparkassen Weilheim Vertreter des Wirtschaftsministeriums und der Versicherungskammer Bayern ins Haus geholt hatten. 

Ihre zentrale Botschaft lautete: Eigeninitiative ist gefordert, um für seine Immobilien entsprechende Vorsorge zu treffen. „Bürger und Unternehmen können im Schadensfall nicht grundsätzlich auf staatliche Hilfe bauen. Eigenvorsorge ist langfristig hilfreicher als sich auf den Staat zu verlassen“, hob Regierungsdirektorin Gudrun Hackler vom Bayerischen Wirtschaftsministerium hervor. Weiterhin gewährt werden staatliche Finanzhilfen allerdings für nicht versicherbare Schäden. Hintergrund dieses Treffens war, dass Politik, Versicherungswirtschaft und damit auch die Sparkasse die Bevölkerung für die private Vorsorge sensibilisieren möchten. Elementarschäden können richtig ins Geld gehen: „Vorsorge ist Vermögenssicherung“, sagte Sparkassenvorstand Markus Lanz und betonte, dass ein fehlender Versicherungsschutz sogar die Existenz bedrohen kann. „Das Thema Elementar ist elementar. Wir dürfen es nicht verdrängen“, warnte er. 

Laut Klaus Ross, Leiter des RiskManagements bei der Versicherungskammer Bayern (VKB), wird die Notwendigkeit, sich gegen Elementargefahren abzusichern, von der Bevölkerung deutlich unterschätzt. Viele Hausbesitzer seien der Meinung, dass ein Starkregen oder Hochwasser von ihrer bereits bestehenden Gebäudeversicherung abgedeckt sind oder dass ihr Haus grundsätzlich nicht gegen diese Risiken versichert werden kann. Auch die Annahme, das eigene Zuhause bleibe vor solchen Naturschäden verschont, sei ein gefährlicher Trugschluss. Auffällig ist nach den Ausführungen des RiskManagers, dass in jüngster Zeit auch Gebäude in vermeintlich ungefährlichen Wohnlagen von heftigen Hochwassern betroffen waren. Ross zeigte auf, dass im Landkreis nur knapp zwölf Prozent von gesamt 38 800 Gebäuden bei der VKB gegen Elementarschäden versichert sind. Weilheim-Schongau liege dabei weit unter dem bayerischen Durchschnitt, der 21 Prozent beträgt. Die VKB, „in Bayern mit Abstand Marktführer“, versichert laut Ross auch von Mitbewerbern abgelehnte Immobilien in gefährdeten Gebieten. Nur 0,2 Prozent aller Gebäude in Bayern seien nicht versicherbar. Das vergangene Jahr sei für die VKB das bislang schadenträchtigste gewesen. Ross berichtete von nicht ausreichend fixierten Heizöltanks, die beim Hochwasser 2013 Häuser in Ziegelbauweise total zerstört hatten. Anstatt aus leidvollen Erfahrungen die Konsequenzen zu ziehen, werde beim Sanieren oft wieder nur der ursprüngliche Zustand hergestellt. 

Für den Landkreis Weilheim-Schongau war 2011 das Jahr mit den meisten Schadensmeldungen. Die VKB verzeichnete 98 Versicherungsfälle mit einem Gesamtaufwand von 346 000 Euro.

 Neben einer Basisabsicherung bietet die VKB weitere individuelle Leistungen an. Die Prämie wird anhand von Gefährdungsklassen ermittelt. Ein für Versicherte kostenloses Unwetterfrühwarnsystem informiert die Kunden per App, SMS, E-Mail oder Fax über drohende Unwetter. „Postleitzahlengenau“, so Ross. Die Staatsregierung tritt über eine „Elementarschadenkampagne“ an Bürger und Betriebe heran und weist explizit auf die Zunahme lokaler Stark­regenereignisse hin. In Flyern „Voraus denken, elementar versichern“ wird auch über bautechnische und organisatorische Schutzmaßnahmen informiert. Eine Pflichtversicherung, die nach großen Schadensfällen immer wieder diskutiert wird, hält Regierungsdirektorin Hackler „aus verfassungs- und europarechtlichen Gründen“ für unwahrscheinlich. 

Mehr Infos zum Thema lesen Sie im Kreisboten Weilheim-Schongau vom 29. Oktober.

Von Maria Hofstetter

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