Gewandung, Rüstung, Schwert – Arthur Hensel beherbergt eine bemerkenswerte Sammlung

Gelebte Vergangenheit

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Mit Liebe für das Detail kreiert Arthur Hensel Rüstungen und Gewandungen und arrangiert diese in seinen Räumen. Die Rüstung mit dem Wappen gehört zur eigenen Kreation und ist Teil der Ausstattung des Söldnerhauptmanns Graf von Wörth.

Landkreis – Eine bemerkenswerte Sammlung und ein nicht alltägliches Hobby hat Arthur Hensel aus einer Gemeinde im Landkreis. Zusammen mit seiner Frau Edeltraut hat er eine Renaissance-Gruppe gegründet. Gemeinsam gehen die Mitglieder – die Gruppe zählt zwischen zehn und 15 Personen – in entsprechender Gewandung auf Mittelaltermärkte. Daneben beherbergt das Haus der Hensels eine Sammlung an Schwertern, Degen, Messern, Helmen, Rüstungen und anderen Gegenständen, die eines Museums würdig wären.

„Ich bin eigentlich Schrottkünstler“, erklärte der gelernte Heizungsbauer Arthur Hensel, der aus altem Metall Neues erschafft. Zusammen mit seiner Frau lebt er seit 40 Jahren im Landkreis.

Wenn der 62-Jährige über seine Sammlung spricht, sind die Begeisterung und auch der Stolz darauf unüberhörbar. Durchaus verständlich, sind doch in vier Räumen mindestens 20 Rüstungen, 45 Helme sowie an die 500 Schwerter, Degen, Messer und Hellebarden zu sehen. Darüber hinaus gibt es noch Gewandungen, Werkzeuge, Schilde, Banner, eine Betbank sowie einen großen, selbst gemachten Holztisch. All diese Gegenstände sind zum Teil reine Sammelobjekte, zum Teil gehören sie aber auch zur Ausstattung der Renaissance-Gruppe.

Begonnen hat Hensel die Sammlung vor circa 25 Jahren. Der Grundstein für seine Leidenschaft wurde aber schon in der Kindheit gelegt. „Als ich Sechs oder Sieben war, hatte ich mein erstes echtes Schwert. Das habe ich gegen den Säbel von einem Bekannten eingetauscht. Meine Mutter verschenkte den Säbel, so stand ich am Ende ohne Schwert oder Säbel da. Irgendwie waren Säbel und Schwerter schon immer in meinem Leben.“

Heute hat Hensel in seiner Sammlung mehr als einen Korb voll echter Säbel und Degen, die bis zu 200 Jahre alt sind. Dazu gehören Kavalleriesäbel, Säbel aus der k.u.k. Zeit, Marinesäbel und Freimaurerdegen. Dazu kommt noch eine umfangreiche Messersammlung, in der sich auch ein Gauchomesser, ein Messer aus Tibet oder ein Inuitmesser befinden. „Das sind besondere Stücke, die ich einfach sammle“, erzählte Hensel.

In den Räumen finden sich außerdem echte, nachgemachte oder selbst gemachte Sammelstücke aus aller Welt. An einer Wand sind persische und indische Schilde und Säbel zu sehen, an anderer Stelle finden sich Gegenstände aus Bali, Afrika, Japan oder der Arabischen Welt. „Das erste Samureischwert hatte ich etwa mit zwölf Jahren“, sagte Hensel. „Das hat nicht direkt mit dem europäischen Mittelalter oder der Renaissance zu tun, ich interessiere mich einfach dafür.“

Einen guten Teil der Sammlung nehmen Gegenstände, wie Rüstungen und Schwerter, aus der Zeit des europäischen Mittelalters oder der Renaissance ein. „Bei manchen Sachen, wie bei der Schweizer Hellebarde, weiß ich nicht mehr genau, wo ich sie her habe“, meinte Hensel. Hier findet sich in der Sammlung auch eine Hakenbüchse, eine Art frühes Gewehr, das im 15. Jahrhundert zur Verteidigung von Burgen eingesetzt wurde.

„Original mittelalterliche Sache sind einfach zu teuer, deshalb mache ich vieles selber.“ Und die Arbeit, die hier investiert wurde, ist keine geringe. Basierend auf verschiedenen Büchern fertigte Hensel Schilde, Schwerter und Rüstungen. Auch die Gewandungen nähen er und seine Frau nach historischen Vorbildern selbst. Für Hensel steht fest, dass sie sich dabei nur nach Büchern richten, „bloß nicht nach dem Fernsehen“. „Du kannst es nie ganz authentisch machen, aber es soll auch nicht Hollywood sein, also kein Plastik.“

In der Sammlung finden sich aber nicht nur Plattenrüstungen, sondern auch die Ausstattung eines Wikingers oder Römers. Um die notwendigen Materialien für die Gewandungen oder Rüstungen zu bekommen, besuchen die Hensels Flohmärkte. „Ich kaufe viel am Flohmarkt ein und ändere die Sachen dann. Das kann ein Ledermantel sein, den ich aufschneide und weiter verarbeite, ein Vorhang oder eine alte Richterrobe, alles wird verwendet.“

Gerade in den Sommermonaten gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen, welche die Hensels mit Mitgliedern der Renaissance-Gruppe besuchen. Sie stellen eine Gruppe dar, die angeführt wird von Söldnerhauptmann Graf von Wörth (Arthur Hensel), im Dienste von Kaiser Maximilian. Natürlich führen sie auch ein Wappen mit, wenn sie auf Lager gehen. „Wir zeigen dann auch Showkämpfe. Dafür haben wir spezielle Showkampfschwerter dabei, die abgerundet und stumpf sind. Aber, es sind echte Schwerter, die gehen nicht einfach kaputt, wie es ein Dekoschwert bei einem Kampf tun würde.“

Über die Jahre und die vielen Besuche von Märkten und Festen haben sich so einige Bekanntschaften ergeben. Hensel kann so manche Anekdote erzählen. Von Veranstaltungen, bei denen es so viel regnete, dass alle in Gewandung in einem einzigen Zelt saßen, weil alles andere durchnässt war. Und noch heute, 15 Jahre nach dem Ereignis, erinnern sich alle Beteiligten an eine Geschichte, in der 40 Flaschen Met vorkommen. „Es gibt wirklich Episoden, dass Leute vorbeikommen und fragen, ob das echtes Feuer ist“, fährt Hensel in seinen Erzählungen fort.

Für Arthur Hensel ist bei all dem Sammeln, selbst Kreieren und dem Lagerleben mit der Gruppe immer das Wichtigste, dass der Spaß an der Sache im Vordergrund steht.

Allen, die sich für das Thema Mittelalter, Renaissance, Rüstungen, Gewandungen, Schwerter oder Gruppen interessieren, rät Arthur Hensel, klein anzufangen. Es gibt einige gute Bücher zu den Themen und auch im Zeitschriftenbereich kann der Interessierte fündig werden. Gruppen sind zum Teil auch im Internet vertreten und natürlich lohnt es sich, auf die thematischen Märkte zu gehen. Auf Letzteren lassen sich gut Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen, weiß Hensel.

von Melanie Wießmeyer

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