Streifgänge ohne Sheriffstern

Murnau will mit Naturschutzwächtern Besucher aufklären

Hinweistafel am Froschsee.
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Im Murnauer Moor, aber auch am Riegsee und am Froschsee (Foto) sollen die künftigen Naturschutzwächter Besucher auf Verbote aufmerksam machen. Geht es nach Gemeinderat Franz Neuner, müsste in Froschhausen aber auch dringend etwas gegen zugeparkte Feldwege gemacht werden.
  • vonAntonia Reindl
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Murnau – Der Staffelsee-Nachbar hat sie schon, nun will Murnau sie auch einsetzen: Ehrenamtliche für die Naturschutzwacht. In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung präsentieren Daniela Feige und Daniela Erben vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen das in Uffing bereits umgesetzte Naturschutzwächtermodell. Und das behagt dem Murnauer Gremium. Auch wenn man sich im Klaren ist, dass man mit diesem Projekt gewiss nicht alle, aber zumindest einige Probleme lösen kann.

Eines stellt Feige recht schnell klar: Die Ehrenamtlichen, die durch die Natur, allen voran Landschaftsschutzgebiete, streifen, oder besser gesagt an jenen entlang patrouillieren sollen, werden „keine grünen Sheriffs“ und „keine Umweltpolizei“ sein. Vielmehr haben die Naturschutzwächter die Aufgabe, Besucher aufzuklären, indem sie diese etwa auf die Hundeanleinpflicht oder Lagerungs- und Betretungsverbote aufmerksam machen.

Dafür bedarf es vorab einer zweijährigen Ausbildung. Im ersten Jahr, der Anwärterzeit, stehen Schulungen und Streifgänge an, die Anwärter werden dabei intensiv von Rangern betreut. Im zweiten Jahr folgt dann die offizielle Naturschutzwachtausbildung inklusive Prüfung, durch welche die Wächter an Befugnisse gelangen. Streifgänge werden auch dann noch durchgeführt, man will sein Einsatzgebiet schließlich kennen. Bei einer Ranger-Wächter-Zweisamkeit soll es bei dem Projekt aber freilich nicht bleiben. „Wir wollen im Landkreis ein großes Netzwerk aufbauen“, betont Feige. Gemeinde, Untere Naturschutzbehörde, Gebietsbetreuer, Ranger, Landwirte, Jäger, Förster, Bergwachtler und private Gebietskenner, sie alle sollen mit an Bord kommen und dort bleiben.

Auf die Gemeinde kommt die Aufgabe zu, Naturschutzwächter anzuwerben. Dafür hat Murnau aber noch etwas Zeit, immerhin braucht es erst noch Koordinatoren. Daniela Erben stellt den Zeitplan vor. Dieser zeigt, dass voraussichtlich ab Juni drei Ranger im Landkreis, in den Bereichen Grainau, Garmisch-Partenkirchen und im Norden, eingesetzt werden sollen. Einem Kreistagsbeschluss folgend werden sie aber lediglich in Teilzeit aktiv werden, so Erben. Erst wenn die Ranger eingestellt sind, und auch die Aufwandsentschädigungsbeträge und das Budget für das Projekt Naturschutzwacht stehen, geht es an die Ausbildung der Naturschutzwächter. Erben lächelt. Für die Gemeinde werden dabei „keine direkten Kosten“ anfallen, denn diese werden vom Landkreis übernommen. „Ich glaube, dass interessiert die meisten Gemeinderäte“, sagt sie schmunzelnd.

Anders als früher

Zum Schmunzeln ist Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nicht gerade, wenn er daran denkt, dass eine solche Maßnahme mittlerweile „erforderlich“ sei. Immerhin habe sich das Nutzungsverhalten in der Natur in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Naturschutzwächter, die „sozialkompetente Menschen“ sein sollen, seien ein „wichtiges Element in der Besucherlenkung“, findet Beuting, der betont, dass in Murnau verschiedene Zonen in den Blick genommen werden müssen. Feige visiert das Moos, für welches trotz mehrerer angrenzender Gemeinden eine geschlossene Wacht organisiert werden soll, den Froschsee und den Riegsee an.

Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) will da gleich einmal wissen, wie viele Wächter denn für das Moos eingeplant sind. Rudolf Utzschneider (CSU) dagegen, was genau von den Wächtern zu erwarten ist, um eine „klare Vorstellung“ zu bekommen. Details, die man bis dato noch nicht beantworten kann. Jedenfalls verweist Feige auf ein im Zeitplan aufgeführtes Stakeholder-Treffen, bei dem das besagte Netzwerk gebildet und auch ein Handlungskonzept erstellt werden soll. Doch bei einem Einhaken will es Utzschneider nicht belassen. Er erinnere sich nämlich daran, dass es in Murnau schon einmal eine Wacht gegeben habe. Die gebe es auch heute noch, so Feige, es seien aber nur wenige Offizielle im Landkreis.

Nicht wie Zoepf aufs Moos, sondern nach Froschhausen schaut Franz Neuner (CSU), der wissen will, ob denn ausschließlich Landschaftsschutzgebiete bewacht werden. Rund um den Froschsee etwa werden immer wieder Feldwege zugeparkt – und in den Wiesen der Landwirte nicht selten Picknickdecken ausgebreitet. Die Wiesen seien „Nahrungsmittel für Tiere“, betont Neuner. Wirklich glücklich machen kann Feige Neuner mit ihrer Antwort aber nicht. Der Schwerpunkt liege auf Schutzgebieten, auf „den sensiblen Zonen“, sagt sie. Zwar soll der Blick auch über die Grenzen dieser Gebiete schweifen, doch der Verkehr falle nicht unter die Befugnisse der Naturschutzwächter. Neuner holt noch einmal aus, um auf die Schwere des Problems aufmerksam zu machen. Michael Rapp (CSU) ergreift schließlich das Wort. Das Problem, das Neuner anspreche, stehe im Fokus der Polizei. Neuner hält nun ein – und seine Hand, wie auch die anderen Räte, nach oben, um geschlossen für den Einsatz von Naturschutzwächtern zu stimmen.

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