Seewirtschaft ab 2021?

Gemeinde Pähl präsentiert rundum erneuertes Konzept für Aidenried

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Neben dem attraktiv gestalteten Erholungsgelände Aidenried weist eine eingezäunte Steinwüste darauf hin, dass hier die neue Seewirtschaft entstehen wird.

Pähl/Aidenried – Scherzbolde hatten vor zwei Jahren an der Einfahrt zum Freizeitgelände Aidenried ein Schild „Seewirtschaft Aidenried – Eröffnung 2025“ aufgestellt. Jetzt endlich ist klar, dass es nicht solange dauern wird, bis man hier Weißbier oder Schorle genießen kann. Die Gemeinde als Grundstückseigner ist sich mit der neuen Investoren-GmbH grundsätzlich einig, wobei aber bei einigen Punkten noch Klärungsbedarf besteht.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierte Bürgermeister Werner Grünbauer den neuen Planer und Investor Hermann Weiffenbach. Er ist Gründer und Mitgeschäftsführer der „Enchilada-Unternehmensgruppe“ in Gräfelfing. Die Gruppe führt international 168 gastronomische Betriebe teils in Eigenregie, als Franchisekonzept oder als Partnerschaftsmodell. Leuchtturm-Projekte sind etwa der „Ratskeller“ in Augsburg und das „Park-Café“ in München.

Die Seewirtschaft in Aidenried wolle Weiffenbach aber als Privatinvestor auf die Beine stellen, als Kompagnon von Michael Kuriat in einer GmbH, die in Sachen Erbpacht Vertragspartner der Gemeinde Pähl wäre. Das missfiel einigen Gemeinderäten aus der letzten Legislaturperiode. Kuriat war der ursprüngliche Erbpachtnehmer der Gemeinde, der sich zwar „wortgewandt verkauft habe“, aber Mitschuld an der jahrelangen Verschleppung des Projekts trage. Darum habe die Gemeinde auf die Rückgabe des Erbpachtrechts gepocht. Nach zwei Güteterminen gab es eine überraschende Einigung: Kuriat bleibt und holt mit Weiffenbach einen erfahrenen Gastro-Planer und -Investor als Partner ins Boot.

Kuriat hatte einst den Erbpachtvertrag mit der Auflage erhalten, am Erholungsgebiet „eine Bewirtung zu betreiben“. Die dort im Besitz der Gemeinde befindliche Gaststätte aber war baulich so marode, dass eine Grundsanierung zu teuer und aufwendig gewesen wäre. Also entschloss sich Kuriat für einen Neubau und ließ das alte Gebäude abreißen. Um während der Planungs- und Genehmigungsverfahren die Gäste am See trotzdem bewirten zu können, baute er ein Buden-Provisorium, für das er eine vorübergehende Betriebserlaubnis bekam. Die wurde ihm 2017 entzogen. Der Gemeinderat drängte auf den Neubau der Seewirtschaft. Seit dem Abbruch der alten Seewirtschaft schreckte eine Steinwüste Einheimische und Touristen ab.

Hermann Weiffenbach ist der neue Partner von Michael Kuriat beim Neubauprojekt der Seewirtschaft Aidenried.

Mit der Ablehnung des Provisoriums machte das Ratsgremium klar, dass man auf dem gemeindeeigenen Grundstück endlich die Gaststätte haben will, die längst im Bau sein sollte. Kuriat habe durch die zu spät eingereichten Anträge für Abriss und Neubau Mitschuld an der Verzögerung. Der geplante Baubeginn habe sich aber auch durch die Stellplatzproblematik nach hinten verschoben. Nachdem die Baugenehmigung mit zwei Ferienwohnungen vorlag, stellte Kuriat im Juli 2018 einen neuen Tekturantrag für zehn Wohneinheiten. Die sollten für das Personal sein, was der Gemeinderat nicht glauben wollte. Mit der Befürchtung, dass dies Ferienwohnungen werden könnten, lehnte das Gremium ab.

Seitdem ruhte die unendliche Geschichte um die neue Wirtschaft. Zwar wurden etwas Erd- und Kiesreich bewegt und ein Baucontainer aufgestellt, aber außer dem vollmundigen Bauschild wies nichts darauf hin, dass hier bald „eine Seewirtschaft mit moderner lokaler bayerischer Küche, Biergarten, Seeterrasse und Veranstaltungsräumen“ stehen wird.

Damit die Badegäste auf dem inzwischen von der Gemeinde mit EU-Hilfe vorbildlich gestalteten Freizeit- und Badegelände nicht weiter auf dem Trockenen sitzen müssen, hatte die Gemeinde in Eigenregie einen Kiosk installiert, der von Luciana und Antonio Mazzilli mit Erfolg betrieben wird. Dafür zeigte Kuriat wiederum kein Verständnis. Eine Wirtschaft am Erholungsgelände rentierte sich nur, wenn es daneben keine zweite Bewirtungsmöglichkeit gebe.

Diese Bedenken räumte Weiffenbach aus. Der Kiosk könne bleiben, wobei man sich aber bei den Preisen absprechen müsse. Auch auf Personalwohnungen wolle man verzichten. Damit falle der Neubau kleiner aus. Geplant sind im Innenbereich circa 100 bis 120 Plätze und im Außenbereich ein Biergarten mit Selbstbedienung und eine Terrasse mit Service. Es wird ganzjährig eine klassische bodenständige Küche geben, kein teures „Fine Dining“. Stammtische wie früher seien willkommen.

Weiffenbachs Gestaltungsvorschlag einer bayerischen Holzhütte mit dem Namen „See-Alm“ gefiel dem Gremium nicht, obwohl man dieses Konzept bis zur Saison 2021 realisieren könne. Da man solange auf den Neubau gewartet habe, solle man lieber ohne Druck sorgfältig „was G‘scheites“ planen, das die nächsten 60 Jahre Bestand habe. Dafür nehme man die Fertigstellung erst 2022 in Kauf.

Die Frage, warum Weiffenbach das Projekt als Privatmann und nicht als Gesellschafter der Enchilada-Gruppe realisieren will, ließ der Investor offen. Aber er könne sich vorstellen, Aidenried in die Gruppe zu integrieren und wolle dazu Gespräche führen. Auch eine Wirtin für das Restaurant zauberte Weiffenbach aus dem Hut. Barbara Boeld soll das künftige „Gesicht“ der Wirtschaft sein. Die Dame ist bislang Geschäftsführerin der Agentur „boeld-communication“ in München, spezialisiert unter anderem auf Events, Kongresse, Incentives oder Geschäftsstellen-Management.

Es gibt noch einiges zu klären bis zum ersten Spatenstich in Aidenried. So blieb es ohne konkrete Entscheidungen im Gemeinderat nur bei der Vorstellung aktueller Planungen.

Von Dieter Roettig

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