ÖV attraktiver machen

Gemeinde Wielenbach und ProBahn sind für Wiederöffnung der Bahnhalte

Karte mit den eingezeichneten Bahnstrecken.
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Das Gemeindegebiet von Wielenbach (rot) und das von Polling (blau) mit der Lage der zu reaktivierenden Bahnstationen.

Wielenbach/Polling – Auf seiner Sitzung am 18. März hat sich der Gemeinderat Wielenbach dafür ausgesprochen, die aufgelassenen Bahnhöfe in Wielenbach und Wilzhofen als Bahnhalte wieder zu reaktivieren.

Im ersten Schritt ersucht die Gemeinde Wielenbach um die Wiedereröffnung der Bahnhalte beim bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr und bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Das war auch der Inhalt des Beschlusses, den die Fraktionen der Freien Wähler Wielenbach und Wir für Wielenbach gemeinsam eingebracht hatten. Unterstützt und begleitet wird das Anliegen vom Fahrgastverband ProBahn e. V. Hier gibt es auch schon konkrete Ansätze zur Umsetzung.

Wesentliche Begründung für den Antrag ist, wie die Gemeinde mitteilt, „die für den Schutz unseres Klimas erforderliche Mobilitätswende.“ Um die klimafreundliche Mobilität in der Gemeinde zu fördern und zu verbessern bestehe die Notwendigkeit, die beiden stillgelegten Bahnhalte zu reaktivieren beziehungsweise alles daran zu setzen. „Unbestritten muss der Weg vom Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr gehen. Hierbei kann von den Bürger*innen nur ein Umstieg erwartet werden, wenn ein entsprechendes leicht erreichbares Angebot geschaffen wird. Erst muss das Angebot stehen. Keiner und insbesondere nicht so viele Menschen könnten mit dem Auto fahren, wären vorher nicht dafür taugliche Straßen gebaut worden. Genauso verhält es sich mit dem öffentlichen Verkehr. Und in der Gemeinde Wielenbach bieten sich natürlich die beiden Bahnlinien München-Wilzhofen-Garmisch-Partenkirchen und Schongau-Weilheim-Wielenbach-Mering dafür an. Es wäre schade, diese Möglichkeiten liegen zu lassen“, ist sich Bürgermeister Harald Mansi sicher.

Es sei allen bewusst, „dass wir das nicht von heute auf morgen schaffen werden“, teilt die Gemeinde weiter mit. Es sei schwer alte Gewohnheiten wie das persönliche Auto vor der Haustüre aufzugeben. „Es geht darum, sich deutlich für die Bahnhalte auszusprechen und ab sofort alle kommunalen Angelegenheiten und regionalen Planungen darauf auszurichten, die beiden Bahnhalte zu realisieren.“ Das solle so erfolgen, dass ein möglichst großer Nutzen für die Menschen, nicht nur in der Gemeinde Wielenbach, und die Umwelt erreicht wird.

Dazu gehört:

• die Infrastruktur rund um die Bahnhalte, angefangen beim Grundstückserwerb

• ein zweigleisiger Ausbau oder andere in der nahen Zukunft technische Möglichkeiten, die Leistungsfähigkeit und die Attraktivität der Bahnverbindungen zu erhöhen

• die Menschen an neue und umweltfreundlichere Arten der Mobilität heranzuführen und mitzunehmen

Bei den Überlegungen zu den Bahnhalten darf aus Sicht des Bürgermeisters auf keinen Fall von der heutigen Situation ausgegangen werden. Grundlage muss hier sein, „was wir zukünftig für eine Mobilität wollen. Und die Gemeinde Wielenbach spricht sich für eine Mobilität mit dem bestehenden Schienennetz aus.“

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn e. V. äußerte sich in einer Pressemitteilung zum Thema. „Bahnhöfe und Haltestellen sind der Zugang zum System des Öffentlichen Verkehrs. Nur wenn die erste und die letzte Meile einer Reisekette keine Hürde darstellt und auf kurzem Weg zu Fuß oder per Rad zurückgelegt werden kann, gewinnt das System ÖV neue Kunden“, macht der Fahrgastverband deutlich. In der Vergangenheit seien viele Bahnhöfe geschlossen und neue Haltestellen nicht eingerichtet worden – trotz dynamischer Entwicklung von Wohn- und Gewerbegebieten. „An vielen Stellen fährt heute die Eisenbahn buchstäblich an den Kunden und ihren Wohn- und Arbeitsorten vorbei.“

Gleichzeitig hätte sich die Belastung durch den motorisierten Individualverkehr im Raum Weilheim stark erhöht, sodass von der Politik eine Entlastung der Stadt Weilheim vom Durchgangsverkehr gefordert wird. Behörden und Teile der Politik würden dabei einseitig auf eine umstrittene Lösung setzen, nämlich zusätzliche Straßen durch Naherholungsgebiete rund um Weilheim.

„Die Gemeinden Wielenbach und Polling haben etwas gemeinsam: Ihr Gebiet wird von zwei Bahnstrecken durchquert, in beiden Gemeinden gibt es aber seit fast 40 Jahren keinen Bahnhof mehr“, heißt es weiter. Knapp 7 000 Bürger hätten damit keinen direkten Zugang zum System Bahn und seien damit auf die Pkw-Nutzung oder auf wenig attraktive Buslinien angewiesen. „In Wilzhofen und Polling bestehen jeweils Betriebsbahnhöfe mit Ausweich- /Kreuzungsgleisen, an denen aber kein Fahrgastwechsel möglich ist, da die Bahnsteiganlagen nicht mehr vorhanden sind.“

Mit der Wiedereinrichtung der Bahnhalte werden folgende Ziele verfolgt:

- Die neuen Haltestellen bieten den Bürgern eine Vielzahl neuer Mobilitätsangebote jenseits des eigenen Pkw. Umsteigeverbindungen zwischen Bahn und Bus empfinden Fahrgäste aus Erfahrung als unzuverlässig und zeitaufwendig. Die Gesamtreisezeiten für Fahrgäste mit Start oder Ziel im Einzugsbereich der neuen Haltestellen verkürzen sich sig-

nifikant. Als Beispiel wird unter anderem die Verbesserung auf der Strecke Polling-München Pasing von heute 46 bis 65 Minuten (Bus ab Polling Hofmarkstraße, Zug ab Weilheim) zu zukünftig circa 38 Minuten (Direkter Zug ab Polling Bahnhof) genannt.

- Der Bahnanschluss wertet die Orte nicht nur für ihre Bürger, sondern auch für Besucher auf.Insbesondere Polling stellt auch einen touristischen Anziehungspunkt dar.

- Weilheim wird vom Individualverkehr – sowohl vom Durchgangsverkehr als auch vom Zielverkehr – in die Stadt entlastet. Der Umstieg auf die Bahn ist ein Beitrag zum Klimaschutz.

- Weilheim und Tutzing werden vom Park&Ride Verkehr aus den umliegenden Orten entlastet.

Umsetzung

„Zum Dezember 2025 wird ein neuer Verkehrsdurchführungsvertrag für die Werdenfelsbahn in Kraft treten“, teilt ProBahn mit. Aktuelle Überlegungen würden eine Verlängerung der Zwischentakte von Weilheim bis Murnau vorsehen. Diese Zug-

leistungen könnten mit zusätzlichen Halten kombiniert werden. „Es bietet sich eine Aufgabenteilung und Vorgehensweise an, wie sie bei der Bahnhofsoffensive Bayern schon praktiziert wurde: Die BEG als Aufgabenträger prüft das Potenzial und die betriebliche Einbindung in den Fahrplan. Freistaat und DB Station&Service übernehmen gemeinsam die Errichtung der Bahnsteiganlagen. Die Gemeinden sind zuständig für die Zuwegungen zum Bahnsteig und das Haltestellenumfeld (Fahrradständer, Parkplätze).“ Sollten zusätzliche Maßnahmen an der Infrastruktur notwendig sein, müssten diese umgehend eingeplant werden.

Fazit

Die verkehrspolitische Strategie der Bundesregierung sehe vor, die Fahrgastzahlen bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln. Die Entwürfe zum Deutschlandtakt würden daher auch erhebliche Angebotsausweitungen auf den regionalen Strecken vorsehen. „Das Ziel wird nur erreichbar sein, wenn die Bürger einen einfachen und kurzen Zugang zum System Schiene vorfinden. Die Wiederbelebung der Bahnhalte rund um Weilheim ist daher ein wesentlicher Baustein einer erfolgreichen Mobilitätswende.“

Von Kreisbote

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