Gemeinden sind gefordert – Energiewende war Thema der Bürgerversammlung in Huglfing

Ingo Martin stellte die Ziele der Bürgerstiftung Energiewende Oberland vor. Foto: Zerhoch

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BARBARA ZERHOCH; Huglfing – Die Bürgerversammlung am Donnerstag, 22. September, war dem Thema Energiewende gewidmet. In einer Medienschau führten Bürgermeister Bernhard Kamhuber und Ingo Martin von der Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO) in die Materie ein. Die Gemeinde kann schon zahlreiche Maßnahmen vorweisen: es laufen auf Gemeindedächern bereits mehrere Photovoltaikanlagen, Wasserkraft- werke und Biomasseheizungen speisen in öffentliche Anlagen ein und an Gemeindegebäuden wurden energetische Sanierungen durchgeführt. Es gibt Planungen für neue Projekte, so denkt man unter anderem auch über einen Solarcarport am Bahnhof nach. Martin stellte die Ziele der EWO vor, welche vor allem Information und Schulung zu Themen wie Verbrauchsreduzierung, Einsatz innovativer Technologien und die Nutzung heimischer Ressourcen sind. Die Bürgerstiftung hat sich ein großes Ziel gesetzt: die energetische Unabhängigkeit des Oberlands in den nächsten Jahrzehnten. Laut Kamhuber und Martin gibt es in den Gemeinden derzeit große Bedenken angesichts des Ansturms auf die Region durch potenzielle Investoren von außerhalb. Diese haben bereits in anderen Teilen Deutschlands, zum Beispiel durch eilig mit Privatleuten geschlossene Grundstückskäufe, für Fakten zu ihren Gunsten gesorgt. Hier sind die Kommunen laut Kamhuber und Martin besonders bei der gemeindlichen Steuerung wie Flächennutzungsplan, Bebauungsplänen und Genehmigungen gefragt. Sonst bliebe oft nur noch ein Bürgerprotest, welcher jedoch die Situation nicht mehr rückgängig machen kann. Laut Martin wäre eine Gemeinde bei derartigen Investitionen mit einer Rendite von 15 Prozent zufrieden, ein großer Investor fordere aber viel höhere Gewinnmargen. In der Versammlung wurde mehrfach betont dass „ein kommunaler Besitz der Energieanlagen den Energiekostenanstieg dämpft und die Chance auf Verkauf von Überschussproduktionen nach auswärts bietet.“ Alle Entscheidungen sollten vor Ort getroffen werden, „denn Berlin und Brüssel sind weit“ so Martin. Viele Huglfinger bewegte an diesem Abend die Frage: „Kommen Windräder zu uns in den Ort?“ Kamhuber wollte dies nicht ganz ausschließen, aber wenn dann nur als Bürgerkraftwerk. Ein großes Thema war auch das der Biogasanlagen. Kamhuber beschrieb die Problematik mit der Abwärmenutzung. Auch gebe es Bedenken wegen eventueller Geruchsemissionen. Abwarten sei hier das Beste, so Martin, denn in Norddeutschland laufen derzeit Versuchsanlagen mit neuen Technologien. Die Geothermie ist für Huglfing derzeit kein Thema, versicherte Kamhuber. Auch für Vorschläge der Besucher war Zeit: ein Bürger regte an, Blickachsen in der Landschaft zu erhalten und bei der Planung von hohen Anlagen rücksichtsvoll vorzugehen. Zum Thema Umwelt können sich die interessierten Bürger in Zukunft in einem Arbeitskreis unter der Leitung des Umweltbeauftragten der Gemeinde Klaus Streicher, Geoökologe, einbringen. Angesichts der Herausforderungen der nahen Zukunft ist man in Huglfing nun ein gutes Stück besser vorbereitet.

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