Marktarchivar Max Biller ersteigert 100 Jahre alte Schallplatte

Der Kaiser im Gemeinderat

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Stolz präsentierten Max Biller und seine Assistentin Christine Marksteiner (rechts) die Schallplatte den Gemeinderäten und Bürgermeisterin Manuela Vanni.

Peißenberg – Max Biller scheint ein Faible für die „k. und k. Monarchie“ zu haben: Nachdem er bereits vor zwei Jahren einen Bademantel aus dem Nachlass der österreichischen Kaiserin „Sisi“ ersteigert hatte (wir berichteten), hat Peißenbergs Ortsarchivar bei einer Auktion im Wiener Dorotheum erneut den Zuschlag erhalten – und zwar für eine knapp 100 Jahre alte Schallplatte, die von „Sisis“ Gatten Kaiser Franz Josef I. im Schloss Schönbrunn besprochen wurde.

Stolz präsentierte Biller seine neueste Errungenschaft in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats. Für die Gremiumsmitglieder gab es natürlich eine Hörprobe – allerdings nicht vom Original, sondern von einer CD-Kopie. Der alte Tonträger, den Billers Assistentin Christine Marksteiner in Tüchern gehüllt in den Sitzungssaal trug, wurde vorsorglich geschont. 

„Das einzige Stimmportrait seiner kaiserlichen und königlichen, apostolischen Majestät“, wie es auf dem Plattencover unter dem kaiserlichen Wappen geschrieben steht, wurde am 14. Dezember 1915 zugunsten des Militär-Witwen- und Waisenfonds aufgenommen. Ein direkter Zusammenhang mit Peißenbergs Ortsgeschichte erschließt sich daraus freilich nicht. Billers Interesse für das österreichische Monarchenpaar ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass „Sisi“ in jungen Jahren zur Kur im damaligen Peißenberger Kurhotel Bad Sulz weilte. Der kaiserliche Bademantel, der im Marktarchiv im früheren „Rasp-Haus“ an der Schongauer Straße 2 besichtigt werden kann, sollte laut Biller aber nicht zum einsamen Museumsstück verkommen.

 Als er im Auktionskatalog die Schallplatte entdeckte habe, sei er „elektrisiert“ und „wie von Sinnen gewesen“, erzählte Biller im Gemeinderat: „Nun bestand die Möglichkeit, die Stimme von ‘Sisis’ kaiserlichem Gemahl in Peißenberg ertönen zu lassen.“ Biller gab ein limitiertes Angebot von 2 000 Euro ab – und erhielt bei 1 800 Euro prompt den Zuschlag. Samt Verwaltungsgebühren schlug die Schallplatte letztlich mit 2 289 Euro zu Buche. 

Die Kosten beglich Biller – wie schon beim Bademantel und den Nachbildungen des goldenen Psalters und des Tassilokelchs – aus eigener Tasche: „Es hätte mich ewig gereut, wenn ich bei der Auktion nicht zugegriffen hätte“, freute sich Biller über seinen „Schallplatten-Coup“. Im Gemeinderat gab es für den in Polling wohnenden Marktarchivar dann auch Beifall und jede Menge Lob: „Unser Archiv ist kein gewöhnliches Archiv, sondern eines mit vielen heimatlichen Exponaten“, sagte Bürgermeisterin Manuela Vanni. Das Marktarchiv hat jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr für Besucher geöffnet.

Von Bernhard Jepsen

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