Nach drei Monaten gefeuert

Werksleiter David muss gehen

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Da war die Welt bei den Gemeindewerken noch in Ordnung: Bürgermeisterin Manuela Vanni und Oliver David beim Pressetermin Anfang Mai.

Peißenberg – Von wegen Sommerloch! Die Peißenberger Gemeindewerke produzieren derzeit ordentlich Schlagzeilen: Letzte Woche wurde Oliver David als Chef des Kommunalunternehmens (KU) gefeuert. Obwohl der 46-jährige Nordrhein-Westfale den Posten erst Anfang Mai übernommen hatte, hat der KU-Verwaltungsrat im Rahmen einer außerordentlichen Gremiumssitzung Davids Bestellung zum Vorstand der Gemeindewerke widerrufen.

Über die Gründe des Rauswurfs schweigen sich beide Parteien aus. Die Angelegenheit wird vermutlich vor dem Arbeitsgericht landen, da will sich niemand zu früh aus der Deckung wagen. Dabei herrschte Anfang Mai bei Davids Präsentation noch große Euphorie und Zuversicht. „Ich bin gekommen, um zu bleiben“, sprühte der neue Werkleiter beim damaligen Pressegespräch nur so vor Optimismus. Auch Bürgermeisterin Manuela Vanni schwärmte in höchsten Tönen: David sei genau der richtige Mann, um die Gemeindewerke endlich als eigenständigen Betrieb und eigene Marke zu etablieren. Vannis Wunsch: Das KU möge sich von der Kommunalpolitik emanzipieren und der Verwaltungsrat sich auf seine Aufgabe als Kontrollorgan beschränken.

Doch die selbstauferlegte Abstinenz hielt nicht lange. David wurde dem einen oder anderen Kommunalpolitiker offenbar zu mächtig, sein ungebremster Tatendrang zunehmend mit Sorge betrachtet. David veränderte die interne Organisationsstruktur, stellte neues Personal ein, liebäugelte mit der Übernahme von Stromnetzen in anderen Gemeinden und feilte konsequent an einer neuen, auf Wachstum ausgerichteten Unternehmensstrategie. Der smart und eloquent auftretende Manager dachte dabei in höheren Dimensionen. David wollte einen Mittelstandsvertrieb aufbauen und dazu „Key-Account-Manager“ mit Verkaufszielvereinbarungen engagieren. Ein entsprechender „Businessplan“ sollte in dieser Woche bei einer internen Klausur verabschiedet werden.

Im Endeffekt zu hochtrabende Pläne für die kleinen Gemeindewerke? Wie gesagt, über die wahren Gründe für Davids Abberufung gibt es weder von diesem selbst noch von Verwaltungsratsseite konkrete Auskünfte. Auch nicht darüber, ob der Gremiumsbeschluss einstimmig gefasst wurde. Dem Vernehmen nach soll dem Verwaltungsrat aber sauer aufgestoßen sein, dass sich David von seiner Chef-Buchhalterin trennen wollte. Auch die Anmietung von Büroräumen im Firmengebäude von „Primacon“ an der „Alten Kohlenwäsche“ soll ohne vorherige Absprache mit dem Kontrollgremium über die Bühne gegangen sein – wobei David auf Nachfrage des Kreisboten ausdrücklich betont, sich stets satzungskonform verhalten zu haben: „Ich durfte das!“

Ein weiterer Knackpunkt könnte auch die geplante Bauhofübertragung gewesen sein. Gerüchten zufolge sollen die Vorstellungen zwischen dem Markt und David nicht deckungsgleich gewesen sein. David sah den Bauhof als Chance, um das Dienstleistungsimage der Gemeindewerke zu schärfen. Doch die steuerrechtlichen und wirtschaftlichen Vorteile sind offenbar fraglich. Und wie geht es mit den Werken nun weiter? Zunächst einmal wird Bürgermeisterin Vanni in ihrer Funktion als Aufsichtsratschefin die KU-Leitung übernehmen. Über eine Nachfolgeregelung ist laut Vanni indes „noch gar nix“ entschieden. Erst nach den Sommerferien werde man sich mit dem Thema beschäftigen, erklärte die Rathauschefin. Die nächste Sitzung des Verwaltungsrates ist für Mitte September terminiert.

Bernhard Jepsen

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