Geothermie: Wie gehts weiter? Investor hält trotz Planungsstopp an Erdwärmeprojekt "bei Weilheim" fest

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MARIA HOFSTETTER, Weilheim – Mit dem überraschenden Rückzug des Bauantrages von Erdwärme Oberland für eine geothermische Energiezentrale in Lichtenau-Süd (wir berichteten) erübrigte sich in der Stadtratssitzung am vergangenen Mittwoch auch die Entscheidung, diesen Plänen das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen. Der Bauantrag des Investors wurde aus aktuellem Anlass wieder von der Tagesordnung abgesetzt. Einstimmig sprach sich das Gremium in der Sitzung gegen einen Antrag von Bürgern aus, die fordern, dass die Stadt Weilheim in ihrem Außenbereich sogenannte Teilflächennutzungspläne aufstellen soll, um damit das Ansiedeln erneuerbarer Energien steuern zu können. So heißt es in der Begründung dieses „Bürgeran- trages“, dass die Stadt bisher noch keine Sondergebiete – wie für Wind- oder Sonnenenergie – ausgewiesen habe. Mit Hilfe einer städtebaulichen Lenkung könnten diese an geeigneten Standorten konzentriert werden. Die Stadträte, die in dieser Angelegenheit juristische Beratung eingeholt hatten, waren sich einig, dass Teilflächennutzungspläne zur Zeit weder sinnvoll noch rechtlich vertretbar seien. Die Stadt befinde sich mitten im Fortschreibungsprozess für den Flächennutzungsplan. Auch die Empfehlungen im Regionalplan, der gerade überarbeitet wird, sollen abgewartet werden. „Neue Detailkenntnisse“, argumentiert Dr. Markus Wiendieck, Geschäftsführer von Erdwärme Oberland, in einer am Dienstag versandten Pressemitteilung, hätten zu einer Neubewertung der geologischen Bedingungen in Lichtenau-Süd geführt. Da die Fördermengen in dem geplanten Geothermiekraftwerk wahrscheinlich nicht den bisherigen Erwartungen entsprechen, stellte der Investor die Planungen für die Energiezentrale zurück, „bis die Ergebnisse der 3 D-Seismik vollständig ausgewertet sind“. Erd- wärme Oberland hält einen „wirtschaftlichen Erdwärmebetrieb in der Region Weilheim“ nach wie vor für realisierbar. Geschäftsführer Wiendieck bekräftigt das Vorhaben, „bei Weilheim ein Geothermieprojekt umzusetzen“. Bürgermeister Markus Loth kommentierte am Dienstag dieser Woche bei einem Pressetermin im Rathaus den Rückzug des Bauantrages mit den Worten „jetzt ist alles wieder offen“ und merkte an, dass die Standortfrage jederzeit neu aufgerollt werden könne und das Planungsprozedere dann wieder von vorne beginne. Hält die Bürgerinitiative fürs Oberland (BifO), die eine Stromerzeugung aus Tiefen- geo­thermie strikt ablehnt, trotz des vorläufigen Planungsstopps in Lichtenau-Süd an ihrem angekündigten Bürgerbegehren fest, wird Bürgermeister Markus Loth dazu eine Sondersitzung einberufen. Eine Frage des Bürgerbegehrens, die darauf abzielt, dass die Stadt Weilheim beim Landratsamt beantragen soll, die Entscheidung über den Bauantrag von Erdwärme Oberland für ein Geothermiekraftwerk in der Lichtenau um ein Jahr auszusetzen, ist mit dem Rückzug des Bauantrages hinfällig geworden. Romana Asam und Gerhard Weber von der BifO, die Bürgermeister Loth am Dienstag im Rathaus 2 798 Unterschriften für das Bürgerbegehren übergeben wollten, zeigten sich von der neuen Situation völlig überrascht und wollen das weitere Vorgehen mit ihrem Anwalt beraten. Stadt hat kein Claimrecht Wie sehr das Thema Geothermie die Weilheimer bewegt, war am Mittwoch an den zahlreichen Besuchern zu erkennen. Vor allem Bürger aus dem Hahnenbühel und der Lichtenau wollten sich in der Stadtratssitzung über den neuesten Erkenntnisstand kundig machen. In der Diskussion um die von Bürgern geforderten Teilflächennutzungspläne kristallierte sich schnell heraus, dass diese derzeit nicht sinnvoll seien, weil die Stadt „weder Claim- noch Rechteinhaber“ sei, wie Dr. Norbert Vidal (BfW) betonte. Auch Grünen-Stadtrat Alfred Honisch, der im Bauausschuss als einziger dafür votiert hatte, stellte fest, dass „dieses Rechtsmittel für Geothermie und Biogasanlagen nicht zulässig“ sei, denn: „Wer das Claimrecht hat, schafft an.“ So sahen es auch die Kollegen anderer Fraktionen. Klaus Gast (CSU) findet, dass dies den Stadtrat jedoch nicht davon entbinde, „sich über regenerative Energien auf städtischem Gebiet Gedanken zu machen“. Ingo Remesch (SPD) wies auf die Mitgliedschaft der Stadt bei der Energiewende Oberland hin: „Man braucht diesen Antrag nicht neu erteilen“ und wünscht sich im Hinblick auf das Ansiedeln erneuerbarer Energien ein noch stärkeres Engagement der Bürger.

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