Bohrarbeiten in der Lichtenau laufen seit Monaten auf Hochtouren

Geothermie-Projekt im Zeitplan

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Schon von weitem ist das Bohrgerüst in der Lichtenau zu sehen.

Weilheim – Nach jahrelangen Vorarbeiten wurde der Bevölkerung im Frühjahr 2016 von „Erdwärme Oberland“ zusammen mit dem italienischen Investor „Enel Green Power“ der Start des derzeit größten Geothermie-Projektes in Deutschland verkündet. Der Beginn der Tiefenbohrung wurde für Sommer 2016 anvisiert. Wie steht es aktuell um das Projekt? Der Kreisbote hat nachgefragt. „Enel“-Projektleiter Antonio Marabotto beantwortete die Fragen schriftlich.

Laut Homepage der „Erdwärme Oberland“ wurde mit den Bohrarbeiten am 21. Oktober 2016 begonnen. Welche Tiefe konnte bis jetzt erreicht werden?

Marabotto: „Die erreichte Teufe liegt aktuell bei ungefähr 3 000 Meter.“

Gab es unerwartete Schwierigkeiten, liegen die Arbeiten im Plan?

Marabotto: „Die Bohrungen liegen voll im Zeitplan und es gab keine größeren Schwierigkeiten.“

Bis zu welcher Tiefe soll gebohrt werden und wann soll diese erreicht werden?

Marabotto: „Die vertikale Teufe des Bohrlochs wird am Ende circa 4 000 Meter betragen. Davon wird über eine Länge von etwa 3 000 Metern senkrecht und über die restlichen 1 000 Tiefenmeter mit einer Neigung von rund 70 Grad gebohrt. Das bedeutet, dass die Gesamtlänge des Bohrlochs mehr als 5 000 Meter betragen wird.“

Welches Unternehmen wurde mit den Bohrarbeiten beauftragt?

Marabotto: „Nach einer internationalen Ausschreibung haben wir uns für ein erfahrenes deutsches Bohrunternehmen entschieden.“

In welchem Rhythmus wird gebohrt?

Marabotto: „Jede Bohranlage ist 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche in Betrieb. Das ist für diese Bohrtätigkeit Standard.“

Welche Gesteinsschichten sind überwunden, ist im weiteren Verlauf mit anderen, eventuell schwierigeren Schichten zu rechnen?

Marabotto: „Bisher sind wir auf die Schichtenfolge getroffen, die wir auch so erwartet haben. Dies bestätigt unser geologisches Modell, auf das sich unser Projekt stützt. Wir haben bereits die oberen Sedimentschichten des Molassebeckens durchbohrt, welche hauptsächlich aus Mergel, Sandstein und Ton bestehen. Wir werden nun in die tieferen Schichten dringen und rechnen nicht mit gravierenden Abweichungen von den erwarteten geologischen Bedingungen. Unser primäres Ziel sind die Kalksteine des Malms, welche heißes Wasser führen und sich in etwa 3 700 Metern unter der Erdoberfläche befinden.“

Können Sie uns technische Angaben zur Bohrung nennen: a) zum Bohrlochdurchmesser?

Marabotto: „Der Längsschnitt des Bohrlochs von Weilheim GT1 besteht aus vier Bohrabschnitten, die jeweils ihren Durchmesser verringern, je näher sie dem Bohrziel kommen: 26 Zoll (Anm. d.Red.: 660 mm) von der Erdoberfläche bis 1 300 Meter Tiefe; 18,5 Zoll (470 mm) von 1 300 bis 3 000 Meter; 14,5 Zoll (355 mm) von 3 000 bis 4000 Meter und 10,625 Zoll (270 mm) von 4 000 bis circa 5 300 Meter (offenes Bohrloch). Derzeit haben wir beinahe die zweite Rohrtour abgeschlossen und befinden uns also bei ungefähr 3 000 Meter Teufe.“

b) zur Vortriebsgeschwindigkeit?

Marabotto: „Die Vortriebsgeschwindigkeit ist das Maß der Bohrgeschwindigkeit in Meter pro Stunde (durchschnittlich), die jedoch stark variiert (von einigen Metern bis zu einige dutzend Meter pro Tag), abhängig von der Härte der geologischen Formationen.“

c) zum Energiebedarf für Bohrmeißel, Pumpen, Nebenaggregate und Hilfsmittelverbrauch, zum Beispiel Wasser?

Marabotto: „Die Bohranlage ist an das Stromnetz angeschlossen, welches eine verfügbare Leistung von 4 MW hat. Der größte Teil der Energie entfällt auf das Hebewerk der Anlage, den Top-drive, welcher das Bohrgestänge dreht, und die Spülungspumpe; daneben gibt es noch andere kleinere Verbraucher.“

d) zum Bohrmeißelverschleiss?

Marabotto: „Es gibt zwei wesentliche Arten von Meißeln, die für das Projekt Weilheim GT1 verwendet werden: Rollenmeißel und PDC-Meißel (Polycrystalline Diamond Compact). Rollenmeißel wurden im ersten Sektor (Größe: 26 Zoll) verwendet und PDC-Meißel werden in den anderen Sektoren verwendet (den zweiten Bohrabschnitt, an welchem wir derzeit bohren, eingeschlossen). Üblicherweise wird ein Bohrmeißel ausgetauscht, wenn der Bohrfortschritt abnimmt oder der Meißel die maximal vorgesehene Zahl von Umdrehungen erreicht hat. Im ersten Sektor haben wir vier Rollenmeißel verwendet. In der zweiten Sektion (18,5 Zoll) werden wir auch drei oder vier PDC-Meißel verwenden.“

e) ... und zur Entsorgung des Bohrgutes?

Marabotto: „Die Bohrspülung, die aus dem Bohrloch herauskommt, durchläuft Schüttelsiebe, in denen die flüssigen und festen Bestandteile voneinander getrennt werden. Das feste Bohrklein wird in Behältern unterhalb der Siebe gesammelt und dann entsorgt.“

f) zum Personalbedarf?

Marabotto: „Alle an der Bohrung beteiligten Personen, die Bohrmannschaft, Ingenieure und andere, haben jahrelange Erfahrung.“

Wird derzeit nur eine Bohrung oder gleichzeitig die Bohrung für den Schluckbrunnen zur Rückführung des Wassers durchgeführt?

Marabotto: „Wir bohren nur an einem Bohrloch zur selben Zeit. Derzeit arbeiten wir an der ersten Förderbohrung. Wenn diese abgeteuft ist, folgt eine Reinjektionsbohrung.“

Gab es Beschwerden aus der Bevölkerung wegen der Bohrarbeiten (Lärm, Verkehr)?

Marabotto: „Bisher gab es keine größeren Beschwerden seitens der ortsansässigen Bevölkerung. Allerdings wird am Bohrplatz gearbeitet; wir tun unser Mögliches, um unerwünschte Belästigungen zu minimieren. Das Wichtigste für uns ist ein gutes, offenes und vertrauensvolles Verhältnis zu den Menschen vor Ort. Aus diesem Grund führen wir seit Beginn des Projektes freiwillig einen transparenten Dialog mit den Bewohnern von Weilheim und Wielenbach.

Hierzu zählen: Die Erstellung einer Website, über die Anwohner und Bürger mit uns kommunizieren können und eine öffentliche Informationsveranstaltung für die ansässigen Bürger, die stattfand, noch bevor die Bohrungen überhaupt begonnen haben. Daran haben über 400 Leute teilgenommen. All diese Aktivitäten haben zum Ziel, dass wir uns als Firma den ortsansässigen Menschen vorstellen und ihnen das Projekt, die Technologie, den Zeitplan und die Vorteile der Geothermie veranschaulichen. “

Wann kann eine Aussage über die Ergiebigkeit des Standortes gemacht werden?

Marabotto: „Es ist noch zu früh, um über die Fündigkeit zu sprechen, das Bohrloch muss zunächst fertiggestellt werden. Dann erst kann im Fördertest die Fündigkeit ermittelt werden.“

Wie hoch sind die voraussichtliche Kosten der Bohrung?

Marabotto: „Bisher sind die Kosten des Projekts in Einklang mit dem Budget.“

Von emh

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