Erdgasvorkommen verzögerte Tiefenbohrung in der Lichtenau – Wasserzufluss zu gering – Kritik an fehlender Aufklärung

Geothermieprojekt steht vor dem Aus

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Hier hätte Deutschlands größtes Geothermie-Kraftwerk entstehen sollen.

Weilheim – Für einen Paukenschlag sorgte am Donnerstag Simone Antonellis Bericht über das geplante Geothermievorhaben in der Lichtenau. Der Geschäftsführer von „Erdwärme Bayern GmbH & Co.KG“ informierte den Stadtrat über den Verlauf der Bohrarbeiten und die erzielten Ergebnisse.

Laut Antonelli habe es bei der ersten Tiefenbohrung erhebliche Verzögerungen gegeben, einer der Gründe sei ein Erdgasvorkommen gewesen. Die Arbeiten wurden aus Sicherheitsgründen sofort eingestellt. Eine Analyse habe jedoch nur ein geringes Gasaufkommen ergeben, so dass unter Einhaltung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen weitergebohrt werden konnte. Mitte Januar wurde die Tiefe von 5 000 Metern erreicht. „Das Wasser hat dort die erwartete Temperatur von 165 Grad, aber der Zufluss ist zu gering“, berichtete der Geschäftsführer und sprach von einer „starken Enttäuschung“. Zwar seien die Messdaten nicht endgültig ausgewertet, aber er gehe davon aus, dass „Enel Green Power“, Mehrheitseigner der „Erdwärme Bayern GmbH & Co.KG“, das Projekt einstellen wird.

Wenn das Ende des Vorhabens definitiv beschlossen sei, werde unmittelbar mit dem Rückbau begonnen. Hierzu müsste erst die Planung durchgeführt werden, um sie dem zuständigen Bergamt und den anderen beteiligten Behörden zur Genehmigung vorlegen zu können. Das Bohrloch wird versiegelt. „Sechs Monate bis ein Jahr“ setzte Antonelli für die Renaturierungsarbeiten an.

Stadtrat Alfred Honisch (Grüne) kritisierte die „schlechte Informationspolitik“ durch das Unternehmen. Antonelli versprach für den anstehenden Rückbau eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung. Ziel sei es, das Bohrgelände wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen und die behördlichen Auflagen zu erfüllen. CSU-Stadträtin Uta Orawetz bedauerte das negative Ergebnis, „es wäre für Weilheim eine große Chance gewesen“. Aber jetzt herrsche wenigstens Klarheit darüber, dass der Standort nicht geeignet sei. Sichtlich erleichtert über den voraussichtlichen Abbruch des Projektes reagierte dessen scharfe Kritikerin Romana Asam. Auch die Freie Wähler-Stadträtin monierte die fehlende Information der Bevölkerung und dass das Unternehmen nur auf Anfrage der Stadt reagiert habe. SPD-Kollege Michael Lorbacher forderte, dass alle Auskünfte über weitere Arbeiten nicht nur an die Gemeinde Wielenbach, auf deren Flur das Projekt liegt, sondern auch an die Stadt Weilheim gelangen sollen. „Das passiert sowieso“, versicherte Bürgermeister Markus Loth.

Von Maria Hofstetter 

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