Wie gesund sind unsere Gewässer?

„Das Element Wasser verzeiht uns nichts“, so der Penzinger Bürgermeister Johannes Erhard, der in der vergangenen Woche im Gasthof Frank Gastgeber für eine Informationsveranstaltung zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie gewesen ist. Schadstoffe, die wir dem Wasser zumuten, schaden uns letztlich selbst. „Dabei“, so Erhard weiter, „ist ausreichend verfügbares sauberes Wasser die Grundlage für gesunde Lebensräume und gutes Trinkwasser.“ Deshalb hat die EU sich mit der im Jahr 2000 verabschiedeten Richtlinie den guten Zustand aller Gewässer zum Ziel gesetzt. Derzeit läuft die Anhörungsphase für die Öffentlichkeit.

Erfasst wurden das Grundwasser, Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von über zehn Quadratkilometern und Seen mit einer Fläche von über 50 Hektar. „Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung wurde der ökologische Zustand der Gewässer bewertet“, erklärte Dr. Brigitte Lenhart vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Untersucht wurde das Vorhandensein von Fischen, Algen, Wasserinsekten und -pflanzen, die über die Qualität eines Gewässers Auskunft geben. „Diese Organismen sagen uns zum Beispiel etwas über den Sauerstoffgehalt und die Nährstoffbelastung“, so Lehnhart. So weise etwa die Paar relativ hohe Stickstoffwerte auf und befinde sich, was das Tier- und Pflanzenvorkommen betrifft, in einem mäßigen Zustand. Bei den vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen ist vor allem die Landwirtschaft gefordert: ökologischer Landbau, Mulchsaat, Winterbegrünung, weniger und gezieltere Düngung, breitere Grünstreifen zwischen Äckern und Ufern – all das kann den Gewässerzustand verbessern und wird teilweise von der EU unterstützt. Dabei sollen keine Maßnahmen zwanghaft durchgeführt werden, sondern nur in Abstimmung mit Landwirten und Gemeinden. Ein weiteres Kriterium ist die Gewässerstruktur: Schlängelt sich ein Fließgewässer im natürlichen Bett durch die Landschaft oder wurde es in einen schnurgeraden Verlauf gezwungen? Im Landkreis sind es vor allem der Lech und wiederum die Paar, die strukturelle Defizite aufweisen. Beim Lech ist es allerdings unmöglich, ihn auch nur annähernd in den natürlichen Zustand zurückzuversetzen. „Wegen der Wasserkraftnutzung durch die vielen Staustufen ist hier nichts mehr zu machen“, bilanzierte Hermann Bamgratz, der für den Landkreis zuständige Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt. Die vollständigen Entwürfe der Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme liegen noch bis zum 30. Juni im Wasserwirtschaftsamt und bei der Regierung von Oberbayern in München zur Einsicht aus. Innerhalb dieses Zeitraums kann schriftlich oder auf www.wrrl.bayern.de/Anhoerung dazu Stellung genommen werden. Die Kommentare werden zentral erfasst und bearbeitet, allerdings nicht individuell beantwortet. Nach ihrer Auswertung sollen bis Ende Dezember die endgültigen Maßnahmenprogramme fertig gestellt werden. Im Idealfall ist der angestrebte gute Gewässerzustand – oder zumindest der Trend in diese Richtung – im Jahre 2015 erreicht.

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