Modellprojekt mit Umfrage gestartet

Ist der Landkreis gesund?

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Dr. Stefan Günther, Christian Rappenglück, Christian Rindsfüßer (SAGS), Dr. Friedrich Zeller, Dr. Heidemarie Lux, Dr. Karl Breu und Lisa Staltmeier präsentierten die Umfrageergebnisse im Landratsamt.

Landkreis – Wie gesund ist der Landkreis? Das wurde kürzlich vom Gesundheitsamt erfragt. Das Ergebnis: Im Landkreis Weilheim-Schongau liegen die Werte über denen in Bayern.

Die Stärken und Schwächen des regionalen Gesundheitssystems zu analysieren, das war Sinn und Zweck einer Umfrage, die das Gesundheitsamt Weilheim in Kooperation mit dem Augsburger Sozialplanungsinstitut SAGS im Rahmen des Modellprojekts „Gesunder Landkreis – Runde Tische zur regionalen Gesundheitsförderung“ initiiert hat. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Präventionsprogramm wurden nun im Weilheimer Landratsamt die gesammelten Daten präsentiert.

Die wichtigste Erkenntnis: Die rund 1 000 befragten Landkreisbürger fühlen sich in ihrer Heimat pudelwohl und geben bei der Beschreibung ihres Gesundheitszustands um rund zehn Prozent bessere Werte an als der „Durchschnittsbayer“.

„Der Gesunde hat viele Wünsche, der Kranke nur einen“, bemühte Landrat Dr. Friedrich Zeller zur Begrüßung der Veranstaltungsgäste im „Zugspitz-Sitzungssaal“ ein indisches Sprichwort. Damit die Bürger im Landkreis möglichst erst gar nicht krank werden, soll in der Region ein umfassendes Netzwerk zur Gesundheitsförderung und Prävention entstehen. 

Aus diesem Grund hat sich das Gesundheitsamt Weilheim 2012 für das staatlich geförderte Modellprojekt „Gesunder Landkreis“ beworben – und neben sieben weiteren Standorten in Bayern prompt den Zuschlag erhalten.

„Die Idee ist, eine lokale Prävention ohne Vorschriften von oben zu etablieren. Die Prävention muss zu den Menschen passen, wenn sie wirken soll“, beschrieb Christian Rappenglück, Präventionsmanager bei der Regierung von Oberbayern, den Charakter des Projekts. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen in Bayern würde die Bevölkerungszahl im Landkreis (rund 130 000 Einwohner) auch in den nächsten Jahren nicht sinken. Ändern werde sich laut Rappenglück aber die Altersstruktur – und zwar von durchschnittlich 43 Jahren auf über 47 Jahre (Prognose für 2031). Die logische Folge sei eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten, weshalb der Präventionsgedanke eine immer wichtigere Rolle spielen müsse.

Ins gleiche Horn stieß Dr. Heidemarie Lux: „Wir müssen jetzt in die Präventionsarbeit investieren, sonst können wir unser Gesundheitssystem in 20 Jahren nicht mehr aufrechterhalten“, so die Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer. Der Landkreis sei mit der Teilnahme am Modellprojekt aber auf dem richtigen Weg: „Das ist gut angelegtes Geld“, lobte Lux.

Doch in welchen Bereichen gibt es in der Region noch Handlungsbedarf ? Laut der gestarteten Umfrage, die nicht nur bei Bürgern, sondern auch bei Gemeinden und Anbietern gesundheitsfördernder Leistungen erfolgte, gibt es im Landkreis noch Defizite bei Tages- und Kurzzeitpflegeangeboten. Auch bei der stationären Pflege bewerten immerhin 39 Prozent der befragten Gemeinden die Lage als „eher nicht ausreichend“. 

„Überversorgt“ scheint der Landkreis hingegen in puncto Arztpraxen zu sein. 95 Prozent der befragten Bürger gaben an, bei medizinischen Problemen einen Hausarzt aufzusuchen. Laut Gesundheitsamtsleiter Dr. Karl Breu praktizieren in den drei Planungsbereichen Penzberg, Schongau und Weilheim 103 Hausärzte. Das sind 17 Ärzte über der Sperrgrenze für mögliche Neuansiedelungen. Bei den Fachärzten gibt es ebenso eine Überversorgung – auch im psychotherapeutischen Bereich, was aber lediglich an den knapp bemessenen staatlichen Richtlinien liegt: „Die Patienten mit psychischen Problemen müssen oft Monate auf einen Termin warten“, beschrieb Breu die Realität.

Und wie sieht es konkret mit der Prävention in der Region aus? „Die Bürger im Landkreis sind keine Vorsorgemuffel – aber es gibt noch Luft nach oben“, berichtete Gesundheitsamtsmitarbeiter Dr. Stefan Günther. In der Umfrage gaben immerhin 69 Prozent der Bürger an, regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. 

„Nur“ 15 Prozent trinken täglich Alkohol, und 85 Prozent zählen sich zu den Nichtrauchern. Laut Günther ist Weilheim-Schongau auch „ein sehr aktiver Landkreis“: Immerhin 84 Prozent der Bürger gab an, mindesten einmal in der Woche Sport zu treiben. Und beim allgemeinen Wohlfühlfaktor kreuzten sage und schreibe 96 Prozent positive Werte an. Die Umfrage war der erste Schritt im Modellprojekt, das zeitlich begrenzt noch bis Ende Oktober 2014 läuft. 

In einer nächsten Stufe sollen nun Pilotgemeinden ausgewählt und kommunale Netzwerke zur Prävention gegründet werden. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“, erklärte Projektkoordinatorin Lisa Staltmeier, „aber es ist wichtig, mit den Akteuren vor Ort zusammenzuarbeiten.“

Von Bernhard Jepsen

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