Weisser Ring informiert

Gewalt gegen Frauen – Hilfe und Auswege für Betroffene

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Der Weisse Ring klärt über Gewalt in Beziehungen und sexulisierte Gewalt gegen Frauen auf.

Landkreis – 5,5 Millionen Straftaten wurden in Deutschland 2018 registriert, davon über 114 000 Fälle von Partnerschaftsgewalt. Die psychischen Folgen wiegen oft schwerer als die körperlichen Verletzungen und der materielle Schaden nach einer Straftat. Das erleben die Ehrenamtlichen des Weissen Rings regelmäßig bei ihrer Arbeit.

Viele Frauen, die Gewalt erleben, haben danach Schwierigkeiten, am öffentlichen Leben teilzunehmen. „Sie leiden unter Depressionen, vereinsamen, verarmen – emotional und materiell. Häufig hat die Gewalt generationenübergreifende Auswirkungen auf die ganze Familie“, erklärt der Leiter der Außendienststelle Weilheim-Schongau Lorenz Haser. Das öffentliche Interesse gelte noch immer fast ausschließlich dem Tatgeschehen, der Persönlichkeit der TäterInnen, der Verfolgung und Verurteilung.

„Wer sexuell belästigt wird, ist oft zu perplex und hilflos, um souverän zu reagieren und den verbalen oder auch körperlichen Angriff abzuwehren“, berichtet Haser. Auch werde sexualisierte Gewalt in Partnerschaftsbeziehungen immer noch häufig als Privatsache und als schichtabhängig erlebt. Haser stellt jedoch klar: „Diese Gewalt hat nichts mit der Bildung oder sozialen oder kulturellen Herkunft der Personen zu tun.“

Besonders Frauen leiden unter sexueller Belästigung im Job – durch Kollegen, Kunden und Vorgesetzte. Treffen könne es jede Frau, unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild, vom Alter und von der beruflichen Position, so Haser. Belästigungen am Arbeitsplatz seien keine einmaligen Vorfälle, sondern wiederholte, zielgerichtete und bewusst ausgeübte Handlungen. Das berufliche Abhängigkeitsverhältnis werde schamlos ausgenutzt. Besonders gefährdet sind Mädchen und Frauen in der Ausbildung, in niedrigen beruflichen Positionen sowie in befristeten oder ungesicherten Arbeitsverhältnissen.

Haser rät Betroffenen zu folgenden Schritten:

• Sich jemandem anvertrauen und über die belastende Situation reden

• an den Arbeitgeber, Betriebsrat, Personalrat oder an eine Gewerkschaft herantreten

• sich professionelle Hilfe holen, zum Beispiel beim Weissen Ring, in einer Beratungsstelle oder Gleichstellungsstelle

• ein Gedächtnisprotokoll führen, um die Vorfälle zu dokumentieren

• Sexualdelikte bei der Polizei anzeigen

Die Opferhilfe des Weissen Rings wird getragen von der Idee, uneigennützig Menschen zu helfen, die von Straftaten betroffen sind. Kriminalitätsopfer sollen dabei unterstützt werden, ihr Leben nach der Straftat neu zu ordnen. Die Hilfen sind kostenlos und werden jedermann, auch Nichtmitgliedern, gewährt. Es werden zusätzlich finanzielle Hilfen und Hilfeschecks angeboten, die unmittelbar und schnell tatbedingte Notlagen überbrücken sollen.

„Persönliche Betreuung, menschlicher Beistand, Zuwendung und Anteilnahme sind unverzichtbare und vorrangige Elemente unserer Hilfe“, erklärt Haser. „Im persönlichen Gespräch lernen wir die Bedürfnisse des Kriminalitätsopfers kennen.“ Verschiedene Möglichkeiten der Hilfe würden aufgezeigt und dem Menschen könne dadurch geholfen werden, auf seinem Weg die richtigen Weichen zu stellen.

Die Außenstelle des Weissen Rings im Landkreis wurde 1987 gegründet. „Bis heute konnten wir in unserem Landkreis über 1 250 Menschen, die Opfer einer Straftat wurden, unterstützen und helfen.“ Zur Linderung der durch die Straftat unverschuldet in finanzielle Not geratenen Verbrechensopfer wurden fast 180 000 Euro eingesetzt. Auch 2019 konnten die zehn ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Außenstelle 51 Menschen unterstützen, die unter anderem Opfer von Sexualdelikten, Stalking, Körperverletzung oder Trickbetrug wurden.

Erreichbarkeiten: bundesweites, kostenfreies Opfertelefon unter Tel. 116006 oder Außenstelle Weilheim-Schongau, Tel. 0151/55164796.

Um Kriminalitätsopfer und deren Familien auch finanziell unterstützen zu können, ist der Weisse Ring auf Spenden angewiesen.

Deutsche Bank Mainz

BIC: DEUTDE5MXXX

IBAN: DE26 5507 0040 0034 3434 00

Von Kreisbote

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