Weilheimer Gewerbeverband fühlt Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn

Wenig Spielraum für Visionen

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Was werden Sie in Weilheim voranbringen, wenn Sie im März 2014 zum Bürgermeister gewählt werden? wollte der Gewerbeverbandsvorsitzende Hans-Georg Geist (re.) von den drei Kandidaten wissen. V.li. Horst Martin, Leiter Immobilienmanagement bei der Deutschen Telekom AG, Amtsinhaber Markus Loth und Stefan Zirngibl, selbstständiger Schlossermeister und Kreishandwerksmeister.

Weilheim – Markus Loth (BfW) ist seit 2002 Rathauschef in Weilheim, und das möchte der 45-Jährige weitere sechs Jahre bleiben. Stefan Zirngibl (53) tritt an, um für die CSU das Bürgermeisteramt zurückzuerobern. Von der SPD nominiert, will der 54-jährige Horst Martin beim Wähler mit „sozialer Kompetenz und Führungserfahrung“ punkten. Der Gewerbeverband forderte am Montag alle drei Kandidaten auf: Bitte Karten auf den Tisch!

„Spätestens heute Abend beginnt der Wahlkampf. Es geht um die nächsten sechs Jahre Amtszeit und Ihre Visionen für Weilheim“, feuerte Moderator Hans-Georg Geist die Kandidaten an, Farbe zu bekennen. 150 Weilheimer verfolgten die dreistündige Fragerunde in der Stadthalle. Von hitzigem Wahlkampf war wenig zu spüren, lediglich Zirngibl sparte nicht mit Kritik an Loths Amtsführung. Eines machte der Abend auch deutlich: Das Feld der Pflichtaufgaben ist groß, das Geld knapp, für Visionen bleibt da wenig Spielraum. 

 Gewerbeflächen

 Loth: „15 Hektar Gewerbeflächen werden neu ausgewiesen, davon 9,5 Hektar in Achalaich als städtisches Gewerbegebiet. Wir haben bereits ein Dutzend Anfragen. Weitere Gewerbeflächen am Leprosenweg und am Deutenhausener Feld sind in Privateigentum.“ 

Zirngibl: „Die Stadt hat zu wenig Gestaltungsspielraum. Wir brauchen ein zusammenhängendes Gewerbegebiet, das wir selbst vermarkten können, und inhabergeführte Betriebe. Mittelfristig wird uns Achalaich nicht genügen.“ 

Martin: „Mit dem interkommunalen Gebiet Achalaich sind in der Stadt genügend Gewerbeflächen vorhanden.“

Wohnraum 

Martin: „Über Wohnbaugenossenschaften und Einheimischenmodelle lässt sich günstiger Wohnraum finanzieren. Alternative Wohnformen, wie Mehrgenerationenhäuser, verfolgen.“ 

Loth: „Der Flächennutzungsplan ist der rote Faden für die städtebauliche Entwicklung. Zur Zeit werden drei Wohngebiete auf zehn Hektar Fläche ausgewiesen. Es wird viel gebaut und somit wird Altbestand frei, die Situation wird sich entspannen.“ 

Zirngibl: „Wir sollten an ein neues Einheimischenmodell denken und Wohnraum schaffen, den sich unsere Kinder leisten können. Wenn sie am Ort arbeiten, bleibt mehr Zeit für die Familie.“

Ortsumfahrung 

Loth: „Es sind die Versäumnisse der 70er bis 90er Jahre, dass wir beim Ausbau des Bundesfernstraßennetzes noch nicht in den vordringlichen Bedarf aufgenommen worden sind. Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht, finanzieren muss der Bund. So weit wie jetzt waren wir noch nie.“ 

Zirngibl: „Der Verkehrsstau muss endlich weg. Das geht nicht von alleine. Als Bürgermeister muss ich die Umfahrung zur Chefsache machen.“

Breitbandausbau 

Martin: „Weilheim braucht dringend ein Hochgeschwindigkeitsnetz. Es gibt zwei Möglichkeiten: Förderprogramme annehmen oder mit den Netzbetreibern direkt Vereinbarungen treffen.“ 

Loth: „Die Weichen für den Ausbau sind gestellt. Wir müssen jetzt am Ball bleiben.“ 

Zirngibl: „Ohne Breitbandausbau kommen keine neuen Firmen nach Weilheim.“

Energiewende

 Loth: „Mit der SWE sind wir für sämtliche Energiefragen gut aufgestellt. Im Rathaus wird demnächst ein Energiemanager eingestellt, der sich um die städtischen Liegenschaften kümmert.“ 

Zirngibl: „Die Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes ist sehr komplex. Die Kosten für Strom und Gas müssen bezahlbar sein, sonst kauft uns das keiner ab. Fest steht auch, dass wir Energie einsparen müssen.“ 

Martin: „Es gibt keine Tabus. Alles wird untersucht, um Alternativen zu finden mit der geringsten Belastung für Mensch und Umwelt. Bei städtischen Gebäuden ist die energetische Sanierung zu fördern, und wir müssen mit anderen Kommunen zusammenarbeiten.“

Jugend 

Zirngibl: „Wir müssen den Jugendlichen respektvoll begegnen und allen Altersgruppen Raum zum Feiern anbieten. Ich werde Open-air-Konzerte unterstützen. Vielleicht sollten wir bei Konzerten von der 95 Dezibel-Regelung wegkommen? In der Sportförderung ist jeder Euro gut angelegt.“

 Martin: „Bei der Gestaltung des Bahnhofsplatzes die Jugend einbinden, für zentrumsnahe Aufenthaltsplätze sorgen.“ 

Loth: „Die Jugend wird in Weilheim nicht verstoßen. Beim nächsten Treffen im November werden wir weiter gemeinsam nach Feiermöglichkeiten suchen. Die Musikschule ist uns lieb und teuer. In den Vereinen wird viel für Jugendarbeit geleistet, wir werden sie auch in Zukunft fördern.“

Familien 

Loth: „Wir können allen Drei- bis Sechsjährigen einen Kindergartenplatz anbieten. Die Nachmittagsbetreuung der Schulkinder muss weiter unterstützt werden. Unsere Vereine haben attraktive Angebote.“ 

 Zirngibl: „Die Betreuungseinrichtungen in der Stadt sind auf gutem Stand. Verbesserungsbedarf gibt es bei den Öffnungszeiten und an Brückentagen.“ 

Martin: „Eine Familienbörse unter städtischer Regie einrichten, Spielplätze ausbauen, Montessorischule ansiedeln. Die Bürger über Social Media beteiligen, das wird Weilheim noch anziehender machen.“ 

Finanzen 

Zirngibl: „Ein roter Faden ist für mich ein gesicherter Haushalt, sonst können wir nicht mehr investieren. Mittelfristig brauchen wir neue Betriebe und Arbeitskräfte, damit mehr Geld in den Haushalt kommt. Wir werden wohl auch Rücklagen abbauen müssen.“ 

Loth: „Die Kreisumlage wird drastisch steigen, wir müssen scharf haushalten. Einsparungen sind kaum möglich. Bei anstehenden Sanierungen wer- den wir mit Maßnahmen beginnen, für die es staatliche Fördermittel gibt. Steuererhöhungen sind nicht geplant.“ 

 Martin: „Einsparungen im kulturellen und sportlichen Bereich sind ein ‚no go‘.“

Warum sollen wir Sie wählen? 

fragte Geist zum Schluss: 

Loth: „Weil ich das Ohr am Bürger habe und sich die Bilanz der BfW nach zwölf Jahren unter Markus Loth sehen lassen kann.“ 

Zirngibl: „Weil ich wichtige Dinge für die Heimatstadt nicht delegiere, sondern selber mache. Ich bin seit 1990 im Stadtrat und kann das.“ 

Martin: „Weil ich Kompetenz und Erfahrung im Haushaltsmanagement mitbringe. Ein neuer Mann am Ruder bringt der Stadt neue Impulse.“

Maria Hofstetter

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