Für die "Girls Talk Big Band" waren intensive Proben angesagt

In drei Tagen zum Konzert

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Arthur Lehmann hat die Horde Mädels – und die drei Aushilfsjungs – der „Girls Talk Big Band“ fest im Griff. Alle Mitglieder sind oder waren in der Big Band des Gymnasiums.

Weilheim/Oberhausen - Am Sonntag wurde es heiß beim Stroblwirt. Die Mädels von der "Girls Talk Big Band" heizten den Gästen kräftig ein. Davor waren aber heiße Proben angesagt...

Freitag, 14 Uhr 

Es ist stickig im Musiksaal des Weilheimer Gymnasiums. Seit neun Jahren war ich nicht mehr hier. Die zwei Ventilatoren an der Decke drehen sich gemächlich. Mir läuft der Schweiß über die Stirn. Liegt es an der Hitze, oder ist es Angstschweiß?

 „Du hast doch mal in der Big Band Saxophon gespielt? Hättest du Lust in unserer Mädelsband mitzumachen?“, erreichte mich ein paar Tage zuvor eine Mail von Anamica, der Sängerin und Organisatorin der Band. Ich sagte zu. Lust habe ich auch. Aber kann ich noch mithalten? 

Die restlichen Mädels haben schon den ganzen Donnerstag geprobt. Da ich arbeiten musste, stoße ich erst mitten am zweiten Probentag dazu. Arthur, der Leiter der Gymnasiums Big Band, dirigiert auch uns. Ich setze mich und denke an viele schöne Probentage, die ich hier hatte. „Mach’ ma weiter mit ‘Feeling good’ “, durchdringt Arthurs Stimme meine Erinnerungen. Welch Ironie! Ich fühle mich alles andere als gut.


Samstag, 11 Uhr

 „Es ist Wahnsinn, an was sich das Gehirn erinnert“, sagt Sabine, die neben mir sitzt und die ich noch aus meiner Schulzeit kenne. Tatsächlich hat sie recht. An Stellen, die wir als Teenager stundenlang geübt hatten, spielen die Finger einfach. Ohne, dass ich großartig darüber nachdenken muss. Die Probe am Tag zuvor war daher nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte. Eigentlich lief es sogar ganz gut.


Samstag, 15 Uhr 

Langsam merke ich, dass mein Ansatz nachlässt. In der Musikschule spiele ich einmal in der Woche für 45 Minuten. Eine mehrstündige Probe mussten die Muskeln in meinem Kiefer lange nicht mehr durchhalten.

„Die Saxophone brauch ich da lauter“, befiehlt Arthur beim Stück „Indiana“, das ich heute zum ersten Mal spiele und blickt in meine Richtung. Ich weiß, es war besser, dass ich ganz leise gespielt habe. Anspruchsvolle Stellen vom Blatt spielen, ohne davor zu üben, war noch nie meine Stärke.

Zwei Stunden später ist die letzte lange Probe vor dem Auftritt vorbei. Ich habe das Gefühl, dass ich mir an viel zu vielen Stellen unsicher bin. Egal – jetzt heißt es erst mal, die ganze Ausrüstung in die Autos verladen. Auch Mädels können anpacken!


Sonntag, 14 Uhr 

In zwei Stunden treffen wir uns. Genügend Zeit, um ein bisschen zu üben. Allerdings kann ich meine Nachbarn mit Saxophonklängen am Sonntagnachmittag wohl wenig erfreuen. Ich stecke ein T-Shirt in mein Instrument. Das sollte den Schall wenigstens ein bisschen dämmen. Ich schließe das Fenster und blase vorsichtig ein paar Töne an. Ich glaube, die Lautstärke ist zumutbar.

Aber wo soll ich anfangen? Ich nehme den „schwarzen Ordner“, die „Bibel“ für die Big Bandler des Gymnasiums, der alle Stücke beinhaltet, die als Standardrepertoire sitzen müssen. Bei einigen Liedern bleibe ich hängen, spiele ein paar Zeilen und wünsche, dass wir die aufführen, statt der Lieder, die ich kaum kenne. Noch ein paar Stellen üben und schon muss ich los Richtung Oberhausen.


Sonntag 16 Uhr 

Nach und nach treffen die Mädels ein. Ganz Profi bauen alle zusammen die Notenständer auf und montieren die Pulte für die erste Reihe. Dann noch eine kurze Probe, bevor wir uns beim Essen stärken.


Sonntag 18 Uhr 

Hinter der Bühne wechsle ich Jeans mit schwarzem Rock, Turnschuhe mit Pumps. Dazu ein pinkes Halstuch, wie es auch alle anderen Mädels tragen. Normalerweise vermeide ich Pinkes, wo es nur geht. Heute funktioniert das leider nicht.


Sonntag, 19 Uhr

Gleich geht es los. Hinter dem schweren Samtvorhang stellen wir uns auf. Was für einige der Mädels, die noch aktiv in der Schulband spielen, Routine ist, sorgt bei mir für Herzklopfen. Der Saal ist fast voll. Der einsetzende Applaus lässt das Lampenfieber verpuffen, meine Sorgen der letzten Woche sind wie weggeblasen.

Das Konzert läuft gut. Auch die Stellen, an denen ich mit dem Saxophonsatz ein Solo im Stehen spielen muss, klappen. Die Zeit vergeht wie im Flug. In der Pause erreicht uns nur Lob von den Gästen. Nach den beiden Zugaben finde ich, dass das Konzert viel zu schnell vergangen ist. Mädels, ihr wart super! Wir sollten „Feeling good“ jetzt nochmal spielen.


Von Ursula Gnadl

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