Wohnhaus zu neuem Leben erweckt

Glentleiten: Ensemble »Berchtesgadener Hofanlage« komplett

„Marosen-Lehen“ im Freilichtmuseum Glentleiten
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Das wiederaufgebaute 429 Jahre alte „Marosen-Lehen“ im Freilichtmuseum Glentleiten wurde von Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Museumsdirektorin Dr. Monika Kania-Schütz offiziell für die Besucher eröffnet.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Großweil – Nach einer langen coronabedingten Durststrecke gab es im Freilichtmuseum Glentleiten wieder einen Grund zum Feiern: Das 429 Jahre alte Wohnhaus vom „Marosen-Lehen“ aus dem Berchtesgadener Land wurde offiziell der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es gilt als eines der ältesten komplett erhaltenen Blockbauten Oberbayerns und gehört damit auch zu den ältesten im Museum zu erlebenden Gebäuden. Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Museumsdirektorin Dr. Monika Kania-Schütz führten die ersten Besucher persönlich durch das historisch-wertvolle Haus, das bis in die 1980er Jahre noch bewohnt war.

Unter den Gästen waren als Zeitzeugen Anneliese Huber und Maria Thiem, die hier während der 1960er Jahre aufgewachsen sind. „Nur die Bergkulisse sah am Originalstandort anders aus“, meinte Huber. Dabei war es auf der Glentleiten auf ideale Weise möglich, die natürlich vorhandene Hanglage des Museumsgeländes so zu nutzen, dass die Lage des Gebäudes der am ursprünglichen Standort ziemlich genau entspricht. Die Gärtner haben sogar den Umgriff des Hauses so original wie möglich nachgebildet. Angefangen vom Hausgarten am Rande der Buckelwiesen über die Obstbäume, Rosen und Buchsbüsche, Flieder und Clematisranken bis hin zum üppigen Fensterschmuck.

Bereits 1993 wurde das Wohnhaus an der einstigen Adresse Obersalzbergstraße 66 im Berchtesgadener Land abgebaut. In Einzelteile zerlegt wartete das Architekturexponat über 25 Jahre im Depot auf den sorgsamen Wiederaufbau mit der historischen Bausubstanz. Wo immer es möglich war, griffen die Museumshandwerker auf die originalen Bauteile zurück. Schadhafte Balken wurden sensibel repariert beziehungsweise ergänzt und nur im Falle eines Totalverlustes komplett ausgetauscht. Eine künstliche Angleichung fand dabei nicht statt. Denn die Besucher sollen ganz bewusst Neues vom Alten unterscheiden können. Im Inneren des Marosen-Lehens gibt es die in Teilen erhaltene originale Ausstattung am ursprünglichen Platz zu bestaunen. Dazu hausspezifische und spannende Informationen wie zur Historie der Bewohner sowie zum geschichtsträchtigen Standort in der Nähe vom Obersalzberg. Die unmittelbare Nähe zu Hitlers Berghof nahm das Freilichtmuseum zum Anlass, sich mit dem aktuell hochrelevanten Thema „Erinnerungskultur“ in Vortragsreihen, auf der Webseite sowie im eigenen YouTube-Kanal auseinanderzusetzen.

Das wiederaufgebaute Wohnhaus vom Marosen-Lehen steht nicht für sich allein, sondern bildet mit einem Stallstadel und Kornkasten aus der Ramsau sowie einer Hofmühle aus Unterlandtal eine Hofanlage, wie sie für das Berchtesgadener Land typisch ist.

Museumsdirektorin Dr. Monika Kania-Schütz sagte bei der Feier: „Das Gebäude ist für die Glentleiten nicht nur als Solitär und aufgrund seines hohen Alters ein Gewinn. Die fertiggestellte Hofanlage erschließt den Besuchern eine regionalspezifische Form des Wirtschaftens, das bislang bei uns noch nicht zu sehen war.“ Den gut 200 000 Euro teuren Wiederaufbau des Marosen-Lehens hat zum Großteil das Museumsteam in Eigenregie bewerkstelligt.

Das Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern bietet auf seinem weitläufigen Gelände viele Erlebnisse für alle Sinne – in der Ferienzeit besonders zu empfehlen. Mit Blick auf Kochelsee und Berge laden über 60 historische Gebäude – von Bauernhäusern, Mühle, Almkaser bis zum Sägewerk – dazu ein, den ländlichen Alltag von anno dazumal in Oberbayern kennenzulernen. Alle Häuser wurden an den ursprünglichen Standorten ab- und im Freilichtmuseum samt ihrer Einrichtung wiederaufgebaut.

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