Gondelfahrt und Südsee

In den Straßen herrschte am Samstagabend klirrende Kälte, und manch einer wähnte sich lieber in warmen Gefilden. Das Organisationskomitee für den Penzberger Fasching hätte sich für den Krönungsball 2009 also kein besseres Thema als „Ab in den Süden“ ausdenken können. Dort mutmaßten sich denn auch die Gäste in der ausverkauften Stadthalle, und das nicht nur wegen der Dekoration, die den Musentempel zumindest bildlich in ein Ferienparadies mit Palmen und weißen Ständen verwandelt hatte.

Da strahlte sogar Penzbergs Bürgermeister Hans Mummert, als er den versammelten Narren zum Faschingstreiben in der Stadthalle mit voller Stolz ausrief: „Ned amoi in Mingga haben’s so an Fasching.“ Zudem versicherte er, das Motto gleich so ernst genommen zu haben, dass er demnächst einen Urlaub in der warmen Türkei buche. Aber zum Endspurt des Faschings sei er „gewiss wieder zu­rück“, verkündete Mummert allen Zweiflern, die befürchten könnten, er rufe zwar die Narren auf, sich an den Festivitäten aktiv zu beteiligen, er selbst aber würde kneifen. Bussi gegen die Nervosität Relativ spät, dafür um so heftiger und mit lauten Urlaubsmelodien der letzten Jahrzehnte begann heuer der Einmarsch des Prinzenpaares mit Elferrat und Garde. Prinzessin Susi I. „unser Bauhasi“, holte sich von Prinz Hias I. „von den Liebherrhöhen“ vor der Halle noch schnell ein Bussi ab, um ihre Nervosität vor dem ersten großen Auftritt in der fünften und turbulentesten Jahreszeit zu bekämpfen. Mummert überreicht Schlüssel für das Rathaus Doch als sich das Tor öffnete und dem Prinzenpaar rauschender Beifall entgegen dröhnte, da löste sich schnell alle Spannung. Die Garde, ganz im weißblauen Matrosen-Look, sorgte mit dem Marsch für den ersten Höhepunkt, ehe Bürgermeister Mummert die Bühne betreten ­musste, um die obligatorischen Rathausschlüssel für die Zeit der närrischen Wochen aus der Hand zu geben. Dafür bekam er von der Prinzessin auch brav ein Bussi sowie den ersten Faschingsorden und einen „etwas anderen“ Erste-Hilfe-Koffer, dessen Inhalt er gleich zu seinem Leidwesen ausprobieren musste. Daraufhin verließ Mummert die Bühne, die er eben noch mit feuerrotem Narren-Hut betreten hatte, nun mit einem knallgelbem Schutzhelm, einer Arbeiterweste, eng anliegender Staubschutzmaske und vielen kleinen Werkzeugen, „um endlich einige Penzberger Probleme – von den Schlaglöchern in den Straßen über die Innenstadtsanierung bis hin zu der maroden Stadtkasse – zu richten“, wie ihm mit spitzen Bemerkungen von Seiten der Narren aufgetragen wurde. Gondelfahrten auf dem Säubach Ob die Stadthalle bis zum Ende der Narren-Regentschaft voll saniert sein wird, wie sich Mummert das in Anspielung auf Prinzessin Susi Bichlmayr, die im Bauamt der Stadt arbeitet, gewünscht hatte, ist allerdings zweifelhaft. Jedenfalls versprach sie zusammen mit Prinz Matthias Kretschmar, getreu dem Schlachtruf der Penzberger Narren „Lasst’s net aus“, das Ruder der Stadt fest in die Hand zu nehmen und etwa Gondelfahrten entlang des Säubaches zu organisieren, auf dem Stadtplatz eine Pyramide aufzubauen und auch noch einiges mehr oder weniger Glaubwürdiges in die Wege zu leiten, um mehr südliches Flair und Urlaubsstimmung in die winterliche Stadt Penzberg zu bringen. Prinz Hias I.und Prinzessin Susi I. legten daraufhin, ausstaffiert wie VIPs beim Captain’s Dinner auf einem Luxus-Liner, einen flotten Rock’n Roll aufs Parkett. Der Elferrat versuchte anschließend erfolgreich Gleiches mit einem fast ernst zu nehmenden Formationstanz, dem laute und sogar positive Rufe nach Zugaben folgten. Und die Garde zeigte mit ihrem Showtanz, diesmal ganz im bunt beblümten Feriendress, dass sich die wochenlangen Proben unter Martynas Stripinas gelohnt hatten. Ehemalige Prinzenpaare treffen auf Amtsinhaber Dem wollten selbst Hofdame Barbara Felix und Hofnarr Hansi Fischer in nichts nachstehen. Sie steuerten eine eigene kleine Show bei. Als sich dann Ex-Prinzenpaare aus den vergangenen 39 Jahren in der Kellerbar, und Elferrat, Gardemädchen sowie andere durstige Seelen in der Tribünen-Bar zum Stelldichein trafen, tanzten die restlichen Ballbesucher noch bis in die frühen Morgenstunden zu den Klängen der „Night-Hawk City Dance Band“.

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