Viel zu tun trotz Pandemie

Grenzpolizei Murnau stellt Einsatzbilanz für 2020 vor

Sichergestellter Porsche.
+
Der Porsche wurde von der Grenzpolizei Murnau sichergestellt.

Landkreis/Region – Obwohl die Corona-Pandemie und die vorübergehende Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Frühjahr 2020 zu Tirol/Österreich nahezu die gesamte Aufmerksamkeit der Grenzpolizei Murnau in Anspruch nahm, stand das Tagesgeschäft der Fahndungskräfte nicht still. In sämtlichen Schwerpunktbereichen, sei es die Einbruchs-, die Urkunden-, die Rauschgift-, oder die Kfz-Kriminalität, konnten beachtliche Fahndungserfolge erzielt werden. Aber auch die Aufgriffe im Ausländerrecht sowie bei den Waffen- und Verkehrsdelikten ließen die Tastaturen der Fahnder nicht ruhen.

Die Einsatzbilanz der Grenzpolizeiinspektion Murnau im Jahr 2020 kann sich daher wieder sehen lassen. Über einige interessante Fälle aus den Landkreisen des Einsatzgebietes berichtet Dienststellenleiter Thomas Haberger.

So stellten die Fahnder und Ermittler im Bereich der Urkundenkriminalität 73 Straftaten fest. Hierbei konnten 189 Urkunden, Dokumente und Ausweise sichergestellt werden. Darunter waren zum Beispiel auch acht gefälschte Tazkira, eine afghanische Geburtsurkunde mit Familienstammbaum in persischer Schrift. Diese werden bei Einwohnermelde- und Ausländerämtern als Identitätsnachweis vorgelegt, wenn zum Beispiel kein Pass vorhanden ist. Mit den gefälschten Tazkira werden dann falsche Identitäten oder Staatsangehörigkeiten bei den Behörden vorgetäuscht. Meistens werden hierdurch intensive Nachermittlungen bei Botschaften und im Ausland ausgelöst. Aber zum Glück befindet sich unter den Beamten der GPI Murnau ein anerkannter Fachmann für diese Dokumente. Weil das menschliche Auge manchmal nicht ausreicht, stehen den Grenzpolizisten modernste Mikroskope unterstützend zur Verfügung.

Auch „totalgefälschte“ TÜV-Berichte über die Hauptuntersuchung von Kraftfahrzeugen konnten die Dokumentenspezialisten der GPI Murnau feststellen. Diese waren im Rahmen eines Gebrauchtwagenkaufs in Uffing (Garmisch-Partenkirchen), aufgefallen. Der Autoverkäufer wollte über den tatsächlichen schlechten Zustand des Fahrzeugs hinwegtäuschen, um dessen Wert zu steigern.

Die Fahnder erkannten außerdem auf der A 95 in Sindelsdorf totalgefälschte litauische Transitkennzeichen an einem Kraftomnibus, der ins Ausland überführt werden sollte und leiteten ein Strafverfahren ein. Dass die Fahnder hier einen außerordentlichen Treffer landeten, bestätigten dann die fortführenden Ermittlungen in Litauen und weitere Aufgriffe durch andere Polizeidienststellen.

Durch die Beamten konnten im letzten Jahr 13 Fahrzeuge sichergestellt werden – vom Porsche 911 mit einem Wert von über 100 000 Euro, bis zur in Italien gestohlenen Oldtimer-Vespa. Die Vespa konnte dem überglücklichen Eigentümer wieder übergeben werden und ist schon wieder auf den Straßen in Bologna unterwegs. Beim Porsche schaut es etwas anders aus – er wurde aus dem Verkehr gezogen.

Im Porsche saß ein Ehepaar aus Baden-Württemberg, das eigentlich einen Kurzurlaub im Werdenfelser Land machte und in Oberau (Garmisch-Partenkirchen) in eine Kontrolle geriet. Als die Urlauber von den Grenzpolizisten aus Murnau erfuhren, dass „ihr Porsche“ aus mehreren gestohlenen Fahrzeugen zusammengesetzt worden war und tragende Rahmenteile nur behelfsmäßig eingeklebt waren, fielen sie aus allen Wolken. Der Porsche entsprach nicht mehr der Verkehrssicherheit und konnte nicht mehr herausgegeben werden. Wie die Ermittlungen ergaben, war der Porsche ursprünglich bei einem Verkehrsunfall so stark beschädigt worden, dass er nicht mehr reparabel war. Er wurde in Litauen mit gestohlenen Fahrzeugteilen wieder aufgebaut und in betrügerischer Absicht von einem Händler im Raum Nordrhein-Westfalen an den jetzigen Halter verkauft. Im Porsche fanden die für Kfz-Verschiebung spezialisierten Ermittler der GPI Murnau Teile aus insgesamt vier verschiedenen Fahrzeugen. Der Fall wurde an die Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen übergeben.

Nicht gezahlt

Ein weiterer pressewirksamer Fall ereignete sich im Februar. Ein Wohnmobil im Wert von 25 000 Euro stellten die Fahnder auf der B2 in Murnau sicher. Der mit Haftbefehl gesuchte Fahrer hatte das Fahrzeug beim Verkäufer nicht wie abgesprochen per Überweisung bezahlt. Er wurde wegen Unterschlagung in Untersuchungshaft genommen. Die damalige Pressemeldung der GPI Murnau sorgte nicht nur in der hiesigen Region, sondern beispielsweise auch in Thüringen, mit der Schlagzeile: „Lebenspartner der Käuferin von Schloss Bockstadt verhaftet“ für Lesestoff. Bis heute sollen allerdings weder der Kaufpreis von 500 000 Euro, noch die Notarkosten oder die Grunderwerbssteuer entrichtet worden sein.

Auf der A 95, Fahrtrichtung München, Höhe Eurasburg (Bad Tölz-Wolfratshausen) schnappten die Fahnder der Grenzpolizeiinspektion Murnau einen „dicken Fisch“. Die Indizien deuteten auf einen reisenden Einbrecher und Dieb hin – die klassische grenzüberschreitende Fahndungsarbeit der Grenzpolizei. Ein 30-jähriger tschechischer CNC-Fräser hatte in Leutasch/ Österreich einen Pkw entwendet. Im Fahrzeug fanden die Grenzpolizisten dann umfangreiches Aufbruchswerkzeug und Betäubungsmittel. Die Herkunft eines hochwertigen E-Bikes aus dem Kofferraum konnte auch geklärt werden. Wie sich noch herausstellen sollte, war es kurz zuvor in Garmisch-Partenkirchen gestohlen worden. Eine Diebstahlsanzeige lag noch nicht vor, daher konnte das Fahrrad zunächst auch keinem Diebstahl zugeordnet werden. Die Fahnder blieben allerdings misstrauisch und stellten das Bike dennoch sicher. Erst durch einen Presseaufruf der Grenzpolizei erkannte der Besitzer sein Fahrrad in der Zeitung und meldete sich bei der Grenzpolizei. Somit konnte auch dieser Fahrraddiebstahl geklärt werden und das E-Bike an seinen rechtmäßigen Eigentümer ausgehändigt werden. Vom Ermittlungsrichter wurde eine Untersuchungshaft angeordnet. Der Fall wurde an die Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen übergeben.

Im Bereich des Betäubungsmittelgesetzes stellten die Fahnder insgesamt 163 Delikte fest, was wieder eine Steigerung zu 2019 bedeutet.

Ein Drogenkurier war Anfang September mit seinem kleinen Lieferwagen im südlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen gestoppt worden. Er hatte insgesamt 25 kg Marihuana in einem professionellen Schmuggelversteck verbaut. Dies war wohl einer der spektakulärsten Aufgriffe der GPI Murnau im Jahr 2020. Die weiteren Ermittlungen hat das BLKA in München übernommen. Der Kurierfahrer muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Die sichergestellten Drogen und Briefmarken.

Im Rahmen der Zugfahndung auf der Bahnstrecke von Garmisch-Partenkirchen nach München konnte auf Höhe Weilheim ein Altenpfleger dingfest gemacht werden. Neben 20 Gramm Amphetamin hatte er 377 Briefmarken dabei, die er an seinem Arbeitsplatz in Oberammergau (Garmisch-Partenkirchen) entwendet hatte.

Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Garmisch-Partenkirchen fanden die Grenzpolizisten wiederum 180 Gramm Marihuana, 50 Gramm Amphetamin und Bargeld. Erschwerend kam hinzu, dass mehrere Waffen griffbereit neben dem Bett lagen. Der Verdächtige wurde der Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen übergeben und wegen bewaffnetem Rauschgifthandel in U-Haft genommen.

Drogen im BH

Im Jahr 2020 unterstützte die Bereitschaftspolizei aus München, Dachau und Königsbrunn sowie die OED Weilheim mit Einsatzzug und Diensthunden, bei zahlreichen Grenz- und Schleierfahndungskontrollen die Grenzpolizeiinspektion Murnau zum Beispiel in Eschenlohe und in Höhenrain auf der A95, in Mittenwald auf der B2 oder bei wechselnden Kontrollstellen im gesamten Dienstbereich. Bei einer dieser Kontrollstellen im Januar an der Tank-Rastanlage Höhenrain (Berg, Starnberg), konnte eine 21-jährige arbeitslose Frau aus Augsburg in einem Fernreisebus festgestellt werden. Das vermeintlich findige Versteck der jungen Frau entging einer jungen Beamtin der Bereitschaftspolizei bei der Durchsuchung der Dame jedoch nicht. Im Verschlussbereich des BHs wurde ein Döschen mit einer geringen Menge Amphetamin aufgefunden. Nach Erstattung einer Strafanzeige und erfolgter Sachbearbeitung wurde die Frau entlassen.

Die Zahlen der illegalen Migration und Schleusungen stiegen auf 307 Verstöße. Bei mehreren Schleusungen konnten auch die Schleuser festgenommen werden. Diese nutzen die Notsituation der Geschleusten schamlos aus und lassen sich hierfür auch noch gut bezahlen. Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz werden auch vermehrt in Fernbussen und Zügen aus und nach Österreich festgestellt.

Die Fahnder der GPI Murnau stellten insgesamt 74 Waffen sicher. Meistens handelte es sich hierbei um verbotene Gegenstände nach dem Waffengesetz, wie Einhandmesser, Wurfsterne, Schlagringe oder Reizstoffsprühgeräte. Aber auch Schusswaffen waren dabei. Auffällig war, dass oftmals bei Betäubungsmittelkonsumenten Waffen aufgefunden und sichergestellt wurden, was sich in der Regel auch strafverschärfend auswirkt.

Bei den unzähligen Fahrzeuganhaltungen und Recherchen bleibt es nicht aus, dass auch Straftaten festgestellt und zur Anzeige gebracht werden, bei denen es sich für die Schleierfahnder eher um den „Beifang“ handelt und im Zuständigkeitsbereich der Verkehrspolizei Weilheim oder den örtlichen Polizeiinspektionen liegen. So wurden beispielsweise 61 Verfahren wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis eingeleitet und in 23 Fällen auch Anzeigen gegen den Fahrzeughalter erstellt, weil er dies zugelassen hatte. Ein großer Beitrag für die Verkehrssicherheit in den drei Landkreisen, denn die Führerscheine waren zuvor meist wegen Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder wegen wiederholten, gravierenden Verkehrsverstößen entzogen worden. Ebenso wurden 14 Verkehrsteilnehmer unter Alkohol- beziehungsweise Drogeneinfluss aus dem Verkehr gezogen.

Zusätzlich kamen noch fast 80 Anzeigen hinzu, wegen Verstößen gegen das Pflichtversicherungsgesetz, weil die Kfz-Steuer nicht entrichtet worden war oder weil Verkehrs- oder Sozialvorschriften nicht eingehalten wurden.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass das letzte Jahr, wenigstens aus Sicht einer Fahndungsdienststelle und trotz der lang anhaltenden Grenzkontrollen, ein erfolgreiches war. Dies zeigen alleine die fast 700 erzielten Fahndungstreffer. Die Bandbreite geht hier vom Haftbefehl mit mehrjährigen Freiheitsstrafen bis zur bloßen Aufenthaltsermittlung für die Justiz- oder Polizeibehörden.

Natürlich beherrschte auch bei der Grenzpolizei Murnau die Corona-Pandemie das tägliche Leben, „aber auf die hoch motivierten und äußerst belastbaren FahnderInnen war immer Verlass. Die grenzüberschreitende Kriminalität wurde bekämpft, aber auch dafür gesorgt, dass die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen zunimmt“, sagt Dienststellenleiter Haberger abschließend.

Von Kreisbote

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Landratsamt öffnet wieder seine Türen
Das Landratsamt öffnet wieder seine Türen
Für mehr Summ und Brumm - 25 000 Bienen ziehen in den Swiss Tree Observer
Für mehr Summ und Brumm - 25 000 Bienen ziehen in den Swiss Tree Observer
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding
Neues Drive-in-Testzentrum in Weilheim
Neues Drive-in-Testzentrum in Weilheim

Kommentare