Schnellere Züge, mehr Haltestellen

Grüne fordern einen Ausbau des Schienenverkehrs

Die Teilnehmenden der Begehung am Bahnhof Wilzhofen.
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Bei der Besichtigung des Bahnhofs Wilzhofen (v.li.). Thomas Stärz (Sprecher KV GAP), Heike Diet- rich (Sprecherin KV WM-SOG), Franziska Perl (Sprecherin OV WM), Wielenbacher Gemeinderätin Dr. Gabriele Scholten-Beck, Manuel Neulinger (Sprecher KV WM-SOG), Bundestagsdirektkandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski, Stadträtin Brigitte Gronau, Tiroler Landtagsabgeordneter Michael Mingler, Norbert Moy (Pro Bahn); Stefan Schwaller (BI Heimat 2030) und Karl-Heinz Grehl (OV Sprecher WM).
  • Stephanie Novy
    VonStephanie Novy
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Weilheim/Region – Starkregen und Überschwemmungen. Hitzewellen und Dürren. Schmelzendes Eis. Der Klimawandel macht sich weltweit bemerkbar. Zeit, um das Ruder herumzureißen, bleibt wenig. Umso wichtiger ist es, jetzt den Klimaschutz voranzutreiben. Für die Grünen steht fest: Der Weg in Richtung Klimaschutz führt auf der Schiene entlang.

Der ÖPNV, speziell der Zugverkehr, muss ausgebaut werden. Das ist sicherlich keine neue Forderung der Grünen. Um dieser im laufenden Wahlkampf allerdings Nachdruck zu verleihen, lud der Ortsverband Weilheim gemeinsam mit seiner Bundestagsdirektkandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski zu einer Begehung ein. Das Motto: „Auf die Schiene setzen: Ausbau der Werdenfelsbahn“. Mit dabei waren auch der Vorsitzende von Pro Bahn Oberbayern Norbert Moy und Mitglieder diverser Bürgerinitiativen. Auch die Grünen-Landtagsmitglieder Dr. Markus Büchler (Bayern) und Michael Mingler (Tirol) waren bei der Begehung an den Bahnhöfen Weilheim und Wilzhofen sowie beim geplanten Entlastungsstraßenverlauf am Gögerl dabei.

Bahnhof Weilheim

Die Kreisstadt hat eigentlich einen „tollen Eisenbahnknotenpunkt“, wie Moy sagte. Zudem sei der Bahnhof „relativ modern“. Erst 2013 wurde alles erneuert. Auch ein elektrisches Stellwerk ist bereits vorhanden. „Trotzdem gibt es einen Haufen Punkte, wo nachgebessert werden muss“, bemerkte Moy. So ist die Strecke Tutzing – Murnau nur eingleisig. „Wir hängen hier an der Kapazitätsgrenze.“ Der Pro Bahn-Chef sieht die Zweigleisigkeit als dringend geboten. Zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald sei zudem ein schnellerer Zug nötig. Auf der Strecke Peiting – Schongau fehlt laut Moy ein Halbstundentakt, für den es durchaus Potential gebe. Allgemein hielt er fest: „Der Verkehr, der aus Süden und Westen kommt, quält sich so durch.“

Dabei wird der Weilheimer Bahnhof rege genutzt. 9 500 Ein- und Ausstiege seien es täglich. Zum Vergleich: Beim Garmisch-Partenkirchener Bahnhof sind es mit 4 800 deutlich weniger. Man stelle sich vor, wie viel mehr Menschen von der Straße auf die Schiene wechseln würden, wenn das Angebot ausgebaut würde.

Doch danach sieht es momentan nicht aus. „Die Autofahrer werden mit einer Umfahrung belohnt, wir hängen in der Eingleisigkeitsfalle“, hielt Moy dazu fest. Er hält den sogenannten Deutschlandtakt für eine gute Lösung. Dahinter verbirgt sich ein Konzept für einen fahrplanbasierten Ausbau der Schieneninfrastruktur. Kurz gefasst: öfter, schneller, überall. Das bedeutet auch, mehr Haltepunkte in der Umgebung.

Bahnhof Wilzhofen

Einer dieser neuen Haltepunkte könnte der stillgelegte Bahnhof Wilzhofen sein. „Es tut einfach weh, wenn man die Züge hier vorbeirauschen sieht“, beschrieb Dr. Gabriele Scholten-Beck die aktuelle Situation. Die Gemeinderätin in Wielenbach habe schon viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Im Gemeinderat habe es große Bedenken für eine Reaktivierung des Bahnhofs gegeben. Scholten-Beck sprach von einer enormen Entlastung für Weilheim was den Verkehr angeht. Andere Räte fürchteten ihrer Aussage nach allerdings dadurch deutlich mehr Verkehr in Wilzhofen.

Unbegründet findet Kreistagsmitglied Karl-Heinz Grehl diese Sorge. „Das soll ja kein Bahnhof mit Parkplatz und Würschtlstand werden.“ Wilzhofen diene lediglich als Haltepunkt. Scholten-Beck findet das vor allem für junge Leute wichtig, die am Wochenende zum Beispiel gerne nach Augsburg fahren möchten. Auch die Anbindung München – Weilheim – Garmisch-Partenkirchen sei von großer Bedeutung. Pro Bahn-Chef Moy rechnet außerdem damit, dass durch die Reaktivierung der beiden Bahnhöfe Wilzhofen und Polling rund 7 000 Menschen zusätzlich auf die Schiene gebracht werden könnten.

Dafür ist aber der bereits erwähnte zweigleisige Ausbau notwendig. Kreisrat Grehl versteht dabei das Problem nicht: „Es kann doch nicht so schwer sein, ein paar 100 Meter Gleis zu bauen.“ Moy stimmte zwar zu, dass es technisch kein Problem sei. Doch die strengen Regularien würden das Vorhaben erschweren.

Den Wielenbacher Gemeinderat konnte Scholten-Beck mittlerweile umstimmen. Dort ist man jetzt mehrheitlich auch für eine Reaktivierung des Bahnhofs. Doch ob es wirklich dazu kommt? Scholten-Beck hat Briefe sowohl an Verkehrsministerin Kerstin Schreyer als auch an die Bayerische Eisenbahngesellschaft geschrieben. Letztere habe nie geantwortet. Schreyer hat nach Aussage von Scholten-Beck auf den Bus verwiesen. Einen Haltepunkt für den Zug scheint die Ministerin nicht für sinnvoll zu erachten.

Entlastungsstraße

Grehl brachte das Anliegen der Grünen nochmals auf den Punkt: „Warum wollen wir Haltepunkte? Weil wir einfach keine Straßen mehr bauen wollen.“ Wenig überraschend daher, dass die geplante Entlastungsstraße auf wenig Begeisterung stößt.

Aber das nicht nur bei den Grünen. In Weilheim gibt es auch Bürgerinitiativen wie Heimat 2030, die sich gegen das Bauvorhaben aussprechen. Unterhalb der Gögerl-Wirtschaft stehend, an dem Punkt, an dem die Ostumfahrung verlaufen würde, malte BI-Sprecher Stefan Schwaller ein Bild von zerstörter Natur, wertvollen landwirtschaftlichen Flächen, die verloren gingen und einem geringen Nutzen der Entlastungsstraße in Sachen Lärm und Verkehrsaufkommen.

Landtagsabgeordneter Markus Büchler erklärte zudem, dass an der Umfahrung auch die Staatsregierung großes Interesse habe. Diese wolle eine „autobahnähnliche Schnellstraße durchdrücken“. So solle eine schnelle Verbindung von München nach Tirol entstehen. Die Weilheimer Entlastungsstraße wäre dann ein Teil davon.

Ausgehend von dem Szenario einer Schnellstraße, hätte das natürlich weitreichende Folgen für die gesamte Region. Durch die Weilheimer Entlastungsstraße werde „zusätzlicher Verkehr generiert“, ist sich Büchler sicher. Das bekämen dann auch andere Gemeinden zu spüren. Wie etwa der Markt Murnau. So könnte dort ebenfalls der Ruf nach einer Entlastungsstraße laut werden – ein weiterer Teil einer Schnellstraße. „Salamitaktik“, nannte der Landtagsabgeordnete das. „Eine Gemeinde fällt nach der anderen.“ Büchler forderte deshalb, Alternativen zu stärken und Ortsdurchfahrten unattraktiver zu gestalten. Etwa durch Tempo 30. Im Grunde geht es den Grünen darum, „Straßenkapazitäten nicht zu erhöhen, sondern zu managen, dass man damit auskommt“, fasste es Büchler zusammen.

Bundestagskandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski brachte zudem die Finanzierungsfrage ins Spiel. Sie könne es nicht verstehen, dass kein Geld für die Bahn vorhanden ist. Ihre klare Forderung: Statt Straßenaus- und -neubau ein Ende des Investitionsstaus bei der Schieneninfrastruktur.

Außerdem dürfe man die Folgekosten beim Straßenbau nicht vergessen. „Jede sechste Brücke ist marode“, sagte Löwenbourg-Brzezinski. Und schon da käme man mit der Instandsetzung nicht hinterher.

Diskussionsrunde

Nach der Begehung wurde in der Gögerl-Wirtschaft noch ausführlich diskutiert. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, erklärte Landtagsabgeordneter Büchler dabei, dass Tirol die Verlagerung von Straßenverkehr auf die Schiene seit Jahren intensiv vorantreibe, bei seinen Ausbauplänen jedoch stark auf die Nachbarländer angewiesen sei. Und das gelte für den Brenner-Basistunnel ebenso wie für den von Österreich angestrebten Bau der Schnellbahn Außerfern vom Inntal hinauf ins Außerfern (unweit Garmisch-Partenkirchen).

Der Abgeordnete des Tiroler Landtags Michael Mingler zeigte sich zuversichtlich, dass man mit „starken deutschen Grünen“ nach der Bundestagswahl mit Tirol einen Verbündeten bei der Verlagerung von der Straße auf die Schiene bekomme. „Schließlich hat der zweigleisige Ausbau der Werdenfelsbahn auch für Tirol wegen der Verbindung von Innsbruck über Garmisch-Partenkirchen Richtung Norden enorme wirtschaftliche Bedeutung.“

Bundestagskandidatin Löwenbourg-Brzezinski erklärte bei der Diskussion, dass die Bahn in Deutschland extrem unterfinanziert sei. In Ländern wie Österreich werde circa dreimal mehr pro Kopf in die Schieneninfrastruktur investiert, in der Schweiz sogar bis zu fünfmal mehr, wie sie aus einer Quelle zitierte.

Statt des Straßenbaus solle zuerst der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke in Kombination mit On-Demand-Verkehren sowie Bike- und Carsharing Priorität haben.

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