Von Luther-Socken zu großen Themen der Gesellschaft – Günther Beckstein bei den Glaubensfragen

Schnelle Lösungen gibt es nicht

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Günther Beckstein stellte bei seinem Vortrag im Haus der Begegnung viele Fragen und gab wenige Antworten.

Weilheim – „Ich bin gerne nach Weilheim gefahren“, erklärte Dr. Günther Beckstein zu Beginn seines Vortrags am Dienstagabend im Haus der Begegnung. Das Thema „Ohne Verzicht wird es nicht gehen – Die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung“ hätte ihn aber vor eine besondere Herausforderung gestellt, weswegen er vor dem Abend „ziemlichen Bammel“ gehabt habe.

Die ersten beiden Herausforderungen, als evangelischer Christ und Franke in Oberbayern bei den katholischen Glaubensfragen zu sprechen, überwand der Ministerpräsident a. D. aber spielend. Er sah seine Einladung als positives Signal, denn schließlich ist es wichtiger „das Gemeinsame herauszustellen“ als die Unterschiede zu betonen. Das Eis war spätestens dann gebrochen, als die Zuhörer über Luther-Socken und Luther-Nudeln zur 500 Jahrfeier der Reformation lachten. Dieser Teil des Fests „ist vielleicht etwas oberflächlich geraten“, stellte Beckstein fest. Die dritte und ernstere Herausforderung war die „extrem schwere Themenstellung“. Becksteins Rolle kann als die eines Impulsgebers verstanden werden: Er berichtete zum einen aus seiner Sicht als Politiker und vertrat seinen, durchaus auch streitbaren, Standpunkt. Zum anderen stellte er aber auch viele offengebliebene Fragen, über deren Antwort diskutiert werden kann. „Sie merken, dass ich keine Antworten gebe, sondern Fragen“, formulierte es Beckstein.

„Wie müssen wir uns verhalten, dass wir die Schöpfung nicht zerstören?“ Teil der Antwort ist, dass es ohne Verzichten nicht gehen wird. Doch wer muss verzichten? „Wir müssen uns der Verantwortung durch unser eigenes Verhalten bewusst werden“, gab Beckstein eine Teilantwort. Man könne von anderen nur das fordern, wo man selbst bereit sei sich einzuschränken. „Mit dem verbalen Verzicht ist es schnell getan“, nur mit dem tatsächlichen werde es schwierig. Es ergehe also ein „Appell an den Einzelnen“. Wenn die Politik hier eingreife und Verbote erlasse, „kann es schnell zu massiven Einschnitten bei den Lebensumständen der Bevölkerung kommen“.

Der Appell scheint bei den Investmentbänkern noch nicht ganz angekommen zu sein, denn wie Beckstein erzählte, hätte bei der Finanzkrise zwar die Führungsspitze der Bänker auf Prämien verzichtet, die anderen aber nicht. Der ehemalige Ministerpräsident räumte ein, dass große Fehler gemacht worden sind und dass man kurz vor der absoluten Wirtschafts- und Finanzkatastrophe gestanden habe. Zur Rettung wurden Milliarden von Euro ausgegeben. Im Zuge dessen sprach sich Beckstein deutlich für das Modell der Sozialen Marktwirtschaft aus, denn die Märkte würden sich eben nicht von selbst regeln und am Ende läge der Gewinn bei einigen wenigen.

Verzicht allein reiche aber nicht und dass sich Deutschland zurücknehme, sei ebenfalls nicht der richtige Weg, denn schließlich gelte es mit Ländern wie den USA und China im Wettbewerb zu stehen. In Europa „müssen wir zu einem größeren Austausch kommen“, stellte Beckstein fest. Für alle Länder, auch Deutschland, sei Wachstum notwendig, um Schulden abzubauen. Zugleich stelle sich aber die Problematik der Rücksichtnahme auf, zum Beispiel gegenüber ärmeren afrikanischen Ländern, deren Märkte nicht durch Billigprodukte aus dem Ausland kaputtgemacht werden sollten.

Egal auf welcher Ebene, ob in Deutschland selbst, der EU oder der UN: „Schnelle Lösungen wird es nicht geben. Es ist eine harte, schwierige Aufgabe, mit kleinen Schritten vorwärts zu gehen.“ Zweckmäßige Lösungen entwickeln sich aus Diskussionen, so Beckstein. Sie seien für ihn wichtig und dazu brauche es verschiedene Meinungen. Sein Motto: „Erst denken, dann diskutieren, dann entscheiden“.

Im Anschluss an den Vortrag gab es wieder zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Dazu zählte, welche Rolle der Glaube im Leben eines Politikers spiele. „Ich habe vor wichtigen Entscheidungen ganz kurze Stoßgebete zum Herrgott geschickt“, so Becksteins Antwort, der Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche in Bayern ist. „Für mich ist der Glaube wichtig.“

Auf die Frage, ob wir heute wirtschaftlich wirklich weiter sind, erklärte Beckstein: „Die Finanzkrise ist fast ausgestanden.“ Allerdings sei Deutschland Bürgschaften eingegangen, die nicht eingelöst werden dürfen, sonst bricht das System zusammen. Angesprochen wurde auch das große Thema der Flüchtlinge. „Es ist eine Herausforderung, wenn so viele Flüchtlinge kommen. Aber Deutschland ist nicht zusammengebrochen.“ Und Beckstein räumte auch mit einem Vorurteil auf: „Asylbewerber werden nicht besser gestellt als Deutsche.“ Er pochte aber auch darauf, dass es keine Lösung ist, einfach die Grenzen zu öffnen. Zur Lösung der Problematik müsse die Situation in den Herkunftsländern verbessert werden.

Von Melanie Wießmeyer

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