Dem Handwerk geht's "noch gut"

21 Jahre lang stand der Peitinger Peter Sprenger an der Spitze der Kreishandwerkerschaft Oberland. In Seehausen wählten die Vertreter der zehn Innungen den Weilheimer Stefan Zirngibl (48) zu seinem Nachfolger.

Gewählt wird alle fünf Jahre. Der KREISBOTE stattete Zirngibl in seiner neuen Wirkungsstätte bei der Kreishandwerkerschaft in Weilheim einen Besuch ab. Im Interview mit Redakteurin Maria Hofstetter äußerte sich der selbstständige Schlossermeister und zweifache Familienvater zu seinen Zielen. Peter Sprenger hat dieses Ehrenamt über zwei Jahrzehnte lang ausgeübt und war als Sprachrohr des Handwerks für seine deutlichen Worte bekannt. Mit welchem Anspruch treten Sie Ihr neues Amt an, Herr Zirngibl? Stefan Zirngibl: „Herr Sprenger war mit Leib und Seele Kreishandwerksmeister. Ich möchte seine Tradition fortsetzen und nicht hinter seinen Leistungen zurück bleiben. Probleme und Herausforderungen werde ich ebenfalls deutlich beim Namen nennen.“ Welche Aufgaben hat ein Kreishandwerksmeister zu erfüllen? Stefan Zirngibl: „Zu meinen repräsentativen Aufgaben zählen der Besuch der Innungsversammlungen, regelmäßige Gespräche in der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft, die Kontakte zu den Berufsschulen und zum Bildungszentrum, ich bin Mitglied der Vollver- sammlung der Handwerkskammer und in einer Reihe von Gremien vertreten: im Arbeitskreis ‘Wirtschaft’ des Landratsamtes ebenso wie bei ‘Euregio’. In Kooperation mit den Hauptschulen erarbeiten wir gerade ein Konzept für eine praxisbezogenere Ausbildung an den Hauptschulen, das heißt, Handwerksmeister sollen unter Umständen in der Schule unterrichten.“ Wo sehen Sie in Ihrer Funktion als Kreishandwerksmeister den größten Handlungsbedarf? Stefan Zirngibl: „Das Handwerk muss in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung wieder den Stellenwert erreichen, der ihm auf Grund seiner wirtschaftlichen Bedeutung zusteht. Wichtig ist mir, dass wir Handwerker zu gleichen Bedingungen und Grundsätzen arbeiten können wie zum Beispiel die Industrie. Das Handwerk darf nicht benachteiligt werden, wie dies beispielsweise bei der Abschaffung der Eigenheimzulage und der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent der Fall war. Wir wollen keine Geschenke, aber gleiche Marktbedingungen.“ Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in den regionalen Handwerksbetrieben? Stefan Zirngibl: „Ganz unterschiedlich je nach Branche und Betrieb. Im Werdenfelser Land ist der Konkurrenzdruck aus dem benachbarten Tirol deutlich spürbar. Im Allgemeinen zeichnet sich noch keine große Verschlechterung ab: Dem Handwerk geht es gut – noch! Wenn sich jedoch die gesamtwirtschaftliche Lage weiter verschlechtert, wird sich das auch auf das Handwerk durchschlagen. Der nächste Winter wird zur Nagelprobe werden.“ Ist die Kurzarbeit ein Thema im Handwerk? Stefan Zirngibl: „Im Moment spielt die Kurzarbeit keine Rolle, im Winter 2009/2010 kann sie für unsere Betriebe durchaus relevant sein. Das etwas zeitaufwändige und komplizierte Antragswesen für die Kurzarbeit wie auch für Maßnahmen zur Weiterqualifizierung wird von den Handwerksmeistern als Hemmschwelle empfunden. Da ist mehr Transparenz und Vereinfachung nötig.“ Sie sind Chef einer Schlosserei mit sechs Mitarbeitern, CSU-Stadtrat und Energiereferent in Weilheim, gehören der Vorstandschaft des TSV Weilheim an und haben jetzt ein zusätzliches Amt übernommen. Wie bringen Sie all Ihre Verpflichtungen unter einen Hut? Stefan Zirngibl: „Ich werde noch härter arbeiten. Denn bis zu zehn Stunden pro Woche bin ich künftig für die Kreishandwerkerschaft Oberland unterwegs, allerdings vorrangig abends oder am späten Nachmittag.“ In Ihren ersten 100 Tagen als Kreishandwerksmeister... Stefan Zirngibl: „...möchte ich den Apparat verstehen lernen, ein paar Stellschrauben anders einstellen und nach der Sommerpause Schwerpunkte setzen.“ Zum Schluss noch ein Schwenk in die Kommunalpolitik: Zweimal haben Sie sich in Weilheim um eine Kandidatur für das Bürgermeisteramt beworben, sind bei der CSU aber nicht zum Zug gekommen. War das mit ein Grund, sich als Kreishandwerksmeister ein neues Betätigungsfeld aufzubauen? Stefan Zirngibl: „Nein. Es war bereits vor der Nominierungsveranstaltung abgesprochen, dass ich, sollte ich unterliegen, meine Füh- rungsämter abgebe. Ein ganz normaler Vorgang. Im April 2007 hat mich dann Herr Sprenger auf seine Nachfolge hin angesprochen. Dieses völlig andere Betätigungsfeld hat mich gereizt und interessiert, und ich habe nach angemessener Bedenkzeit zugesagt.“ Herr Zirngibl, vielen Dank für das Gespräch. Am Freitag, 19. Juni, ab 10 Uhr, wird der langjährige Kreishandwerksmeister Peter Sprenger im Pollinger Bibliothekssaal verabschiedet und sein Nachfolger Stefan Zirngibl offiziell ins Amt eingeführt.

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