Verkehrsplaner beim dritten Themenabend zur Entlastungsstraße Weilheim

Kurzak steht Rede und Antwort

+
Beim dritten Themenabend in der Mitte v. li. Moderator Arnold Vitez von Hendricks & Schwartz, Prof. Dr. Harald Kurzak, Behördenleiter Uwe Fritsch und Andreas Lenker, Abteilung Straßenbau Weilheim-Schongau beim Staatlichen Bauamt.

Weilheim – Er ist der Mann der Stunde – kaum eine Diskussion zum Thema Entlastungsstraße Weilheim dürfte ohne die Nennung seines Namens funktionieren: Prof. Dr. Harald Kurzak, Leiter des gleichnamigen Münchner Ingenieurbüros.

Bereits vor über 20 Jahren gab die Stadt Weilheim ein Verkehrsgutachten bei ihm in Auftrag und 2017 war es wieder soweit. Nun stellte er sich beim vierten Themenabend, zu dem das Staatliche Bauamt Weilheim eingeladen hatte, den Fragen der Vertreter von Verbänden und Bürgerinitiativen (BI) sowie politischen Repräsentanten. Während bei den zwei vorangegangen Abenden über die Varianten einer Entlastungsstraße gesprochen worden war (wir berichteten), ging es nun um das Thema Verkehr.

Dass Kurzak sich damit auskennt, wurde durch seine einleitenden Worten klar. Er befasse sich schon „sehr lange“ mit der Kreisstadt und mit Verkehr noch länger. Seit 45 Jahren tut er das mit seinem eigenen Büro. Des Weiteren erklärte er, wie er zu den Ergebnissen seines Gutachtens kam. Für das Zusammentragen der Daten brauche es unter anderem eine Verkehrsuntersuchung und -erhebung sowie eine Bürgerbefragung. Neben vielen weiteren Werten ist dabei herausgekommen, dass der Durchgangsverkehr in Weilheim circa zwölf Prozent ausmacht. Zwar sei diese Zahl an sich nicht hoch, dadurch, dass die Autos aber die ganze Stadt durchqueren würden, würde sie 20 Prozent der Fahrleistung ausmachen – konzentriert auf drei große Straßen. Daher fand Kurzak deutliche Worte: „Deswegen ist es notwendig, dass wir den Durchgangsverkehr aus der Stadt rausbekommen.“ Zudem könne durch eine Entlastungsstraße bis zu 80 Prozent des Schwerlastverkehrs aus der Stadt gelenkt werden, „wenn die Umwege nicht zu groß sind“, so der Verkehrsplaner.

Am besten dafür geeignet sei die ortsnahe Ostumfahrung. Die kurze Westumfahrung bezeichnete Kurzak dagegen als „zu umweglich“.

Auch den oft genannten Kurztunnel hat sich Kurzak nach eigener Aussage genauer angeschaut. Seine Untersuchung habe ergeben, dass der Kurztunnel zwar von etwa 5 000 Fahrzeugen mehr als der lange Tunnel genutzt würde, allerdings bedeute das auch einen starken Verkehrsanstieg an den Tunnelenden.

Zusätzlich würde es am Rathausplatz nicht zu der gewünschten Entlastung kommen. Es wären dort immer noch 16 000 Fahrzeuge unterwegs – was kaum einen Unterschied zur nahen Ostumfahrung ausmachen würde.

Karin Knöthig von der BI „Heimat 2030“ erkundigte sich bei Kurzak nach der Fehlergenauigkeit seiner Prognose, da die zukünftige Entwicklung des Verkehrs auch von den Rahmenbedingungen bestimmt werde. Der Verkehrsgutachter gab an, dass man für eine erste Betrachtung fixe Zahlen brauche. Er gehe von einer Größenordnung von +/- fünf bis zehn Prozent nach zehn bis 15 Jahren aus. Dies seien Werte, zu denen er „in der Mitte“ stehen könne. Brigitte Holeczek (BfW) sah es auch so, dass der Fremdverkehr aus der Stadt heraus müsse. Dadurch würden sich „unglaubliche“ Spielräume, zum Beispiel für Fahrradwege oder Tempobeschränkungen, ergeben. Leon Brehme von den „Jungen Menschen für Weilheim“ wünschte sich, dass für die Kreisstadt ein „Gesamtkonzept“ erarbeitet wird, das sich nicht nur auf die Entlastungsstraße bezieht.

Verkehrsreferent Dr. Claus Reindl bedauerte, dass in der Öffentlichkeit viel über die Entlastungsstraße diskutiert werde und dabei andere Themen wie das Radfahren oder der Stadtbus weniger Beachtung fänden. Diese würden aber durchaus gleichberechtigt parallel laufen. Klaus Gast (CSU) konfrontierte Kurzak mit einer Aussage aus dem Jahr 1997, in der sich der Verkehrsgutachter klar für eine ortsnahe Westumfahrung ausgesprochen hatte. Andreas Lenker, Staatliches Bauamt, gab zu bedenken, dass die Voraussetzungen damals ganz anders gewesen seien. Auch Kurzak selbst wollte die Aussage so nicht auf sich sitzen lassen. Hätte er damals in „den Osten denken dürfen“ wäre diese Variante auch besser weggekommen.

Alfred Honisch (Grüne) bemerkte, dass er in Kurzaks Broschüre kein einziges Mal das Wort „Verkehrswende“ gelesen habe. Kurzak erwiderte, dass es beim Schwerverkehr keine Verkehrswende geben werde „und der tut weh“. Grundsätzlich gehe er auch nicht von einer Wende, sondern von einer „Entwicklung“ aus – und diese dauere seiner Meinung nach leider sehr lange. Behördenleiter Uwe Fritsch sagte, dass dies nichts mit seiner persönlichen Meinung zu tun habe, allerdings könnten sie nicht „ins Blaue“ hinein planen, nur weil es gerade andere Strömungen gebe.

Ein Plädoyer für eine Entlastungsstraße hielt Stefan Frenzl von der Stadt Weilheim. Vor allem auf dem Dorf werde die individuelle Mobilität weiter stattfinden, da der ÖPNV nicht überall mit einer sinnvollen Taktung ausgebaut werden könne.

Von Sofia Wiethaler

Auch interessant

Meistgelesen

Hund in Peißenberger Gaststätte vergessen
Hund in Peißenberger Gaststätte vergessen
Neue Berufsschule in Weilheim nimmt Formen an
Neue Berufsschule in Weilheim nimmt Formen an
Theatergruppe der Peißenberger Kolpingsfamilie präsentiert neues Stück
Theatergruppe der Peißenberger Kolpingsfamilie präsentiert neues Stück
Entlastungsstraße: Sondersitzung in der Weilheimer Stadthalle
Entlastungsstraße: Sondersitzung in der Weilheimer Stadthalle

Kommentare