Der Efeu muss loslassen

Haus am Bahnhofplatz 3 soll Neubau eines Wohngebäudes weichen

Haus am Murnauer Bahnhofplatz 3.
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Die Zukunft des Hauses am Murnauer Bahnhofplatz 3 wurde jüngst im Marktgemeinderat diskutiert.
  • vonAntonia Reindl
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Murnau – Es hat schon eine gewisse, aber nicht näher definierbare Wirkung auf den Betrachter, das Haus am Bahnhofplatz 3 in Murnau. Tiefgrüner Efeu klettert an limettengrünen Ziegeln die Fassade und das Dach empor. Es scheint fast so, als ob das Gewächs versucht, das Gebäude an Ort und Stelle festzuhalten. Das wird dem Efeu wohl aber nicht gelingen. Das Haus soll einem Neubau weichen. Dafür stimmte der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Im Januar 2020 beschloss der Marktgemeinderat, die Verwaltung damit zu beauftragen, zu prüfen, ob sich auf dem Areal am Bahnhofplatz 3 ein Wohnheim für Auszubildende errichten lässt und ob es dafür dann auch Fördermöglichkeiten gibt. Die Kämmerei ist dem Auftrag nachgekommen, kann nach ausführlicher Recherche jedoch wenig Erfreuliches verkünden. Denn die Errichtung eines Wohnheims mit Zweckbindung für Auszubildende könne derzeit weder durch das kommunale Wohnraumförderprogramm KommWFP noch durch andere Förderprogramme bezuschusst werden, heißt es seitens der Verwaltung. Jedoch könne die Gemeinde gegebenenfalls ein auf die Bedürfnisse einer bestimmten Mieterschicht zugeschnittenes Raumprogramm umsetzen. So könnten etwa Einzimmer-Appartements, passend für Auszubildende, geplant werden. Hierfür müsste das ausgewählte Raumprogramm aber mit dem Fördergeber besprochen werden, um anschließend einen entsprechenden Förderantrag zu stellen.

In Sachen Bahnhofplatz 3 seien bereits zwei Entscheidungen gefallen. Im Bauausschuss habe man sich dafür entschieden, Wohnbau zu forcieren und einen Neubau unter Berücksichtigung städtebaulicher Aspekte zu realisieren, teilt Marktbaumeister Klaus Tworek nun in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung mit. Neubau schön und gut. Doch Michael Hosps (CSU) Stirn ist beim Blick auf das Vorhaben in Falten gelegt. Derzeit seien viele Projekte am Laufen, schon bald soll einiges gebaut sein, darunter ein Kindergarten und „irgendwann das Feuerwehrhaus – so Gott will“, gibt Hosp zu bedenken und befürchtet, dass das ein oder andere schon länger auf sich wartende Vorhaben auf der Strecke bleiben könnte, wenn nun weitere Projekte dieses Umfanges hinzukommen. „Wir müssen mit dem Haus mal was anfangen“, sagt Dr. Julia Stewens (FWG), „wir haben es nicht gekauft, um es verfallen zu sehen“. Das will sicherlich auch Hosp nicht, jedoch möchte er auch vermeiden, dass es zu „Verhinderungen“ komme. Ob man mit diesem Projekt die Auslastungsgrenze erreiche, „ist eine legitime Frage“, findet Hosp.

„Das nächste Mal ist der Bahnhofplatz 3 Teil der Prioritätenliste“, meint Tworek. Die Vielzahl an Projekten sehe zwar auch er „mit einer gewissen Sorge“, aber „das Förderangebot, das sich damit verbindet, ist schon gut“, sagt der Marktbaumeister, der ein solches Angebot aus Kapazitätsgründen „nicht sausen lassen“ würde. Von jetzt auf gleich wird das Haus ohnehin nicht den Armen des Efeus entrissen. „Uns geht es darum, ins Projekt einzusteigen und Fördermittel abzuklopfen“, erklärt Tworek. „Die Fördersituation erst einmal klären“, schlägt da auch Lorenz Brey (CSU) vor.

Am Ende stimmt das Gremium geschlossen dafür, die Errichtung eines Wohnhauses für Auszubildende wegen fehlender Fördermöglichkeiten nicht weiter zu verfolgen. Hinsichtlich des gegenwärtigen Wohnraumbedarfs werden der Abbruch und Neubau eines Wohngebäudes auf Grundlage des kommunalen Wohnraumförderprogramms KommWFP beschlossen. Die Kontur des gegenwärtigen Bestandsgebäudes soll jedoch nach Möglichkeit in den Planungen des Neubaus enthalten sein.

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