Wie geht´s weiter?

Haus der Begegnung – Stadtrat stimmt Entwürfen für Bebauungspläne mehrheitlich zu

Baupläne
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Wie soll es mit dem Haus der Begegnung in Weilheim weiter gehen? Pfarrer Engelbert Birkle erzählt von den Plänen.

Weilheim – Bereits 2018 wurde von der Kirchenverwaltung der Beschluss gefasst, die freien, an der Römerstraße liegenden Grundstücke der Kirchenstiftung an die Diözese Augsburg zu verkaufen, die dort im Rahmen der Wohnbauoffensive Sozialwohnungen errichten will. 

Im Zuge dessen sollte auch der ältere Teil des Pfarrheims abgerissen werden, das 1969 erbaut wurde. „Die Bausubstanz ist sehr schlecht“, wie Pfarrer Engelbert Birkle mitteilt. Zudem wäre eine umfassende energetische Sanierung erforderlich. Derzeit würden sich alleine die Unterhaltskosten für das Haus der Begegnung auf jährlich circa 25 000 Euro belaufen.

Der im Jahr 1995 errichtete Teil des Pfarrheims an der Römerstraße, der als Kirchenraum und Pfarrsaal für große Veranstaltungen geplant wurde, sollte nach den ursprünglichen Überlegungen erhalten werden. Ein erster Entwurf sah vor, um den großen Saal Gruppen- und Funktionsräume anzufügen, um so ein verkleinertes Haus der Begegnung zu schaffen. „Inzwischen haben wir eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Projekt sowie eine Erhebung der Auslastung der Veranstaltungsräume, die unserer Pfarrei zu Verfügung stehen, durchgeführt. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Die Erhaltung des großen Saales würde eine umfassende Sanierung erforderlich machen, deren Kosten mit nahezu einer halben Million Euro anzusetzen sind“, berichtet Birkle weiter. Zudem würde die räumliche Qualität des Saales durch den Einbau einer mobilen Trennwand und den Entfall der nordseitigen Befensterung (bedingt durch den Bau der Gruppen- und Funktionsräume) in einem erheblichen Maß zurückgenommen werden. Das Gesamtprojekt (Sanierung des großen Saales und Anbau der Gruppen- und Funktionsräume) würde mit circa 2,4 Mio. Euro zu Buche schlagen.

Festgestellt worden sei auch die rückläufige Nutzung der Pfarrräume. „War das Haus der Begegnung früher mit Leben erfüllt und oftmals bis zum Rande ausgebucht, so musste in den letzten Jahren ein permanenter Rückgang der Auslastung durch kirchliche Gruppen oder Veranstaltungen verzeichnet werden“, so der Stadtpfarrer. Ein großer Teil der Räume stehe vielfach leer oder würde kirchenfremden Gruppierungen überlassen. Der große Saal in seiner Dimension würde kaum gebraucht. Im Ergebnis der Untersuchung habe sich zudem gezeigt, dass ein Veranstaltungsraum etwas größer als der jetzige Chorraum und ein zusätzlicher Gruppenraum ausreichen würden.

So könnte es aussehen

Die Kirchenverwaltung habe deshalb nach einer alternativen Lösung gesucht. „Sie vertritt einmütig die Ansicht, dass Kirche auch zukünftig am Standort Römerstraße sichtbar sein soll. Das Haus der Begegnung darf nicht aufgegeben werden“, ist sich Birkle sicher. Gemeinsam mit dem St. Ulrichwerk der Diözese Augsburg sei deshalb ein Alternativkonzept entwickelt worden, das ein kirchliches Zentrum an der Römerstraße vorsieht, das in die geplante Wohnbebauung integriert wird. In einem der Gebäudekomplexe würde im Erdgeschoss auf einer Fläche von circa 500 m² ein reduziertes Haus der Begegnung mit einem größeren Veranstaltungsraum und einem Gruppenraum entstehen. Weiterhin würden Büroräume für die kirchlichen MitarbeiterInnen errichtet werden, die barrierefrei zu erreichen sind. Die Funktionsräume (Toiletten, Teeküche, Garderobe) sollen gemeinsam genutzt werden. „Zu dem Pflichtenheft des Planers gehört es auch, nach Möglichkeit künstlerische Elemente aus dem bestehenden Haus der Begegnung in den Neubau zu übernehmen“, gibt Birkle an.

Über dem erdgeschossigen Bereich der Pfarreiräume wären circa acht Wohnungen geplant. „Das Projekt würde sich dadurch langfristig selber tragen und zusätzlich zur Deckung der Unterhaltskosten aller Räume der Pfarrei beitragen.“

Ein in die Wohnbebauung integriertes neues Haus der Begegnung ist eine Alternativüberlegung zu den bisherigen Plänen. Eine entsprechende Bedarfsanmeldung wurde an die Diözese Augsburg gestellt, jedoch liegt bisher keine Zusage vor. Insofern sei es offen, ob dieses Projekt weiterverfolgt werden kann. Birkle zeigte sich auf Nachfrage des Kreisboten allerdings zuversichtlich.

Hinter den Überlegungen zu einem neuen Haus der Begegnung stehe zudem die Frage, wie „es mit Kirche weitergeht“, genauer „wie es in Weilheim und in unseren Pfarreien weitergeht“, erklärt der Stadtpfarrer. „Die Kirche wird sich überdimensionierte Bauten nicht mehr leisten können, zumal die Unterhaltskosten immens sind. Bischof Bertram mahnte vor Kurzem in einer Predigt an, dass wir immer noch glauben, Räume würden die Zeit von gestern speichern und Möglichkeiten schaffen, die wir zum Leben und Handeln brauchen. Sie werden aber erst zum Leben erweckt, wenn Menschen sie nützen. Auch die schönste Wohnung bleibt leer, wenn keiner zuhause ist“, ist sich Birkle sicher.

Zudem hätten der Pfarrer und die Kirchenverwaltung das Thema „Haus der Begegnung“ gerne in einem offenen Gesprächsprozess mit der Gemeinde behandelt. Coronabedingt ist das allerdings derzeit nicht möglich. „Dennoch haben die Pfarrangehörigen die Möglichkeit, Ihre Sicht kundzutun und in Gesprächen mit dem Pfarrer und den Mitgliedern der Kirchenverwaltung Ihre Fragen zu stellen und Ihre Sicht einzubringen“, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

Das sagt der Stadtrat

Inzwischen nahm der Bebauungsplan „Römerstraße/Hardtkapellenstraße“ die nächste Hürde im Stadtrat. Den geplanten vier Gebäuden quer zur Römerstraße, einem an der Andreas-Schmidtner-Straße und zweien an der Hardtkapellenstraße wurde mehrheitlich zugestimmt. Einzig Grünen-Stadträtin Brigitte Gronau entschied sich anders. Sie sei sich nicht sicher, ob alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, um die energetische Sanierung doch noch zu verwirklichen. Des Weiteren tue es ihr „in der Seele weh“, dass Weilheim diesen „schönen Raum der Begegnung“ zum Beispiel für konfessionsübergreifende Trauerfeiern verlieren würde. Kritik übte auch Alfred Honisch (Grüne). Es sei zwar das gute Recht des Investors die Fläche bestmöglich zu nutzen. Es ärgere ihn aber „persönlich“, dass hier ein kirchlicher Raum „platt gemacht“ werde ohne entsprechenden Ersatz zu bieten.

Ebenfalls abgesegnet wurde der Planentwurf für den Bebauungsplan Singerstraße. Dort sind insgesamt drei Blöcke geplant, die das St. Ulrichswerk auch für Sozialwohnungen nutzen möchte. Im vorderen Gebäude direkt an der Singerstraße sind drei Vollgeschosse und ein vollausgebautes Dachgeschoss und in den anderen beiden zwei Vollgeschosse und ebenfalls ein voll ausgebautes Dachgeschoss angedacht.

Von Sofia Wiethaler

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