"Haus und Grund" beanstandet Regelungswut

Kritik an der Mietpreisbremse

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Sie sprachen bei der Hauptversammlung von „Haus und Grund“ (v. li.): Zweiter Bürgermeister Horst Martin, Wolfgang Sartory, Dr. Ulrike Kirchhoff und Geschäftsführer Christian Lex. Letzterer ist seit 25 Jahren im Amt und erhielt von Kirchhoff eine Urkunde überreicht.

Weilheim – Die Zinsen sind historisch niedrig, die Mieten und Immobilienpreise hoch. Hausbesitzer und Vermieter müssten eigentlich jubeln. Das war bei Hauptversammlung des Haus- und Grundbesitzervereins Weilheim in der Stadthalle aber nicht der Fall.

Angesichts zunehmender Regelungswut durch die Politik ist manchen die Lust am Vermieten vergangen. „Es lohnt sich nicht“, meinte ein Weilheimer in der Fragerunde und sprach damit wohl vielen der 200 Anwesenden aus der Seele. 

Im Kreuzfeuer der Kritik stand neben der Bundesregierung, die aktuell eine Mietpreisbremse durchsetzen will, auch der Weilheimer Stadtrat, der in der Kreisstadt eine angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt sieht und sich deshalb dem Regelungsinstrumentarium angeschlossen hat (wir berichteten). 

„Die Entscheidung kann ich immer noch nicht nachvollziehen“, ärgerte sich Christian Lex, Geschäftsführer des Weilheimer Vereins, der inzwischen 1 700 Mitglieder hat. Weilheims Zweiter Bürgermeister Horst Martin versuchte die Wogen etwas zu glätten. „Ob das Gesetz die erhofften Auswirkungen hat, weiß ist nicht. Aber es ist das gute Recht der Politik, einzugreifen, wenn etwas aus dem Ruder läuft“, argumentierte Martin, der die Mietpreisbremse in der späteren Podiumsdiskussion als „zahnlosen Tiger“ einstufte. 

Vereinschef Wolfgang Sartory stellte die aktuelle Entwicklung auf dem heimischen Immobilienmarkt vor. „Die Preise haben sich auf dem Niveau der letzten Jahre stabilisiert, und es scheint, als wäre eine Schmerzgrenze erreicht“, kommentierte Sartory die Immobilienpreise im Landkreis.

Eine große Entspannung an der Preisfront sei allerdings nicht zu erwarten, da die Nachfrage nach „Betongold“ immer noch das Angebot übersteige, wie Sartory ausführte. Aktuell liegt der Quadratmeterpreis in Weilheim und Penzberg bei Neubauten bei rund 3 300 Euro. Für Grundstücke müssen in beiden Städten für einen Quadratmeter bis zu 500 Euro berappt werden. Nur die Hälfte kostet der Baugrund in Peißenberg, Peiting und Schongau. 

Bei den Mieten sind in den drei genannten Kommunen im Schnitt für neu gebaute Wohnung um die acht Euro pro Quadratmeter fällig. In Weilheim und Penzberg kostet er dagegen zehn. „Wir sind aber nach wie vor weit von der Situation in den Ballungsräumen wie München entfernt“, erklärte Sartory. Sein Ratschlag für alle, die sich die Weilheimer Preise nicht leisten können, nach Huglfing oder Oberhausen zu gehen, kam bei Martin allerdings nicht so gut an. „Die Empfehlung, auf die Dörfer zu ziehen, ist keine Lösung“, meinte der Zweite Bürgermeister, der auf die Ausweisung neuer Baugebiete verwies und auch auf den Bau neuer Sozialwohnungen in Weilheim. Einig war er sich mit allen Rednern, dass der Wohnungsbau, der bei den Baugenehmigungen immer noch weit hinter den Werten aus den 90er Jahren zurückliegt, angeschoben werden muss. 

Darüber hinaus appellierte Martin an die Vereinsmitglieder, freien Wohnraum für anerkannte Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. An die hohe Politik wandte sich Sartory mit seiner abschließenden Forderung. „Die soll mit einer Mietpreisbremse, Kappungsgrenzen und Maklerkosten die Hausbesitzer nicht nur verärgern, sondern Anreize für neuen Wohnraum schaffen“, so der Vereinschef. Dr. Ulrike Kirchhoff, die bayerische Landeschefin von „Haus und Grund“, wurde in ihrer Kritik an der Mietpreisbremse noch deutlicher. „Dieser Gesetzentwurf gehört eingestampft“, forderte Kirchhoff.

Von Roland Halmel

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