Weilheimerin fährt mit Eimer und Schaufeln nach Fischerdorf

Helfen, wo Hilfe dringend nötig ist

Wo fängt man da an „aufzuräumen“?

Weilheim/Fischerdorf – „Wenn man dort ankommt, weiß man nicht, wo man anfangen soll zu helfen“, sagte Heike aus Weilheim. Sie hatte im Radio gehört, dass immer mehr Helfer im überfluteten Fischerdorf gebraucht werden und machte sich auf den Weg.

Heike nahm sie sich einige Tage frei und machte sich mit ihrem 40 Jahre alten, grünen Mercedes Hanomag und einem Anhänger auf die 200 Kilometer lange Reise, um zu helfen.

Doch mit leeren Händen wollte sie nicht ankommen. Sie ging los und fragte bei Baumärkten nach, ob sie eine Spende hätten, die sie für die Aufräumarbeiten brauchen wird. „Bei der Baywa hat mir der Geschäftsführer Christian Fischer sofort geholfen. Er hat mir sehr viele Eimer, Schaufeln und Handschuhe bereit gestellt, da bin ich ihm sehr dankbar“, erklärte die 39-Jährige.

In Deggendorf angekommen parkte sie erst einmal ihren Bus und dann schaute sie, wo sie helfen konnte. Tagsüber waren es 35 Grad „und es hat wahnsinnig gestunken“. Über eine kleine Brücke ging es nach Fischerdorf. „Ich wurde so oft angehupt und gefragt, ob ich mitfahren möchte. Die Leute fahren nicht einfach vorbei. All diese Menschen halten zusammen und helfen sich gegenseitig. Es ist, als würde man sich schon ewig kennen. Jeder ist herzlich begrüßt worden, sehr oft wurde man umarmt“, sagte die Produktionsleiterin einer Firma. 

Jeder tut etwas, hilft, wo er kann und solange er kann, um zu retten, was noch zu retten ist. Heike war öfters den Tränen nahe. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man erlebt, wie diese Menschen alle zusammenhalten“, sagte sie. Nach dem ersten Tag, als sie sich auf den Weg zu ihrem Bus machte, wurde sie von einem Deggendorfer angesprochen. „Die ersten Fragen sind immer: Woher kommst du? Wo übernachtest du? Alle waren so hilfsbereit uns Helfern gegenüber“, erzählte sie. Er zeigte ihr, dass es Duschen in der Deggendorfer Schule gab. Danach nahm er sie mit ins „Mund-Art“. Das Lokal räumte sein Restaurant leer, stellte Bierbänke auf und versorgte alle Helfer und Flutopfer mit Essen, die sie aus gespendeten Lebensmitteln zubereiteten. 

Angefangen hatte es mit einer Kartoffelsuppe für die Feuerwehrmänner und diese Hilfe von Mund-Art wurde zum Selbstläufer - „Helfer helfen Helfern zu helfen“. Die ehrenamtlichen Köche bereiteten bis zu 3 000 Mahlzeiten am Tag vor. In Natternberg war Heike wieder gefragt. Die Häuser wurden freigegeben zum Ausräumen. „Wo fängt man da an? Man räumt von einer Ecke in die andere. Diese Häuser sind verwüstet“, erklärte sie. Von der Koordinationsstelle kamen dann 30 bis 40 Helfer. Sie holten alles raus, rissen den Boden auf und brachten das Haus in Rohbauzustand. 

An eine Situation erinnert sich Heike gerne zurück. „Da war ein Mädchen, Anfang 20 vielleicht. Sie kam, genauso wie ich, zum Helfen. Ich führte sie rum und zeigte ihr abends wo sie duschen kann. Abends tranken wir dann im Kofferraum ihres Tourans sitzend eine Flasche Sekt und wir unterhielten uns noch sehr lange.“ Nach vier Tagen fuhr Heike zurück nach Weilheim. Ihren Anhänger ließ sie als Spende bei Mund-Art. „Dieses menschliche Miteinander, teilen wie in der Familie, werde ich nie vergessen. Es gab viele Leute aus Deutschland, die es gemacht haben wie ich, sich ins Auto setzen, hinfahren und anpacken. Ich war eines von vielen Rädchen in einem großen Getriebe aus Helfern.“

Von Alma Jazbec

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