Heiliges Grab in Wessobrunn: Woher es stammt und warum es an Ostern jährlich aufgestellt wird

199 Jahre Dorfgeschichte

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So sieht das Heilige Grab in Wessobrunns Kirche aufgestellt aus.

Wessobrunn – Es ist knapp vier Meter breit, sechs Meter hoch und wird jedes Jahr zur Osterzeit von vielen ehrenamtlichen HelferInnen im Altarraum der Kirche St. Johannes Baptist in Wessobrunn aufgestellt: Das Heilige Grab. In vielen Kirchen wurden solche Bauten in den 1950er Jahren nicht mehr aufgestellt. In Wessobrunn jedoch ist dies echte Tradition – und das seit 1819.

„Es braucht schon an die acht bis zehn Leute, um das Heilige Grab aufzubauen“, erklärte Franz Langer, der seit 1995 Kirchenpfleger in Wessobrunn ist, auf Nachfrage des Kreisboten. Zuerst wird ein Grundgestell errichtet. Auf diesem können dann die einzelnen Teile aufgebaut werden. Zum Schluss folgen dann Feinheiten, wie Beleuchtung, Blumen und Dekoration. „Bis dann alles aufgestellt ist, können schon vier Stunden vergehen“, so Langer.

Das Heilige Grab, welches extra für die Kirche in Wessobrunn angefertigt wurde, soll an das Grab Jesu in Jerusalem erinnern. Rechts und links stehen zwei Figuren aus dem Alten Testament. Weiter innen sind zwei Propheten mit den Worten aus ihrer Verkündigung zu sehen. Am Karfreitag wird der verstorbene Jesus in Form einer Brettfigur symbolisch in eine Grabkammer geschoben. In der Osternacht erscheint der auferstandene Christus dann oben in der Mitte des Grabes.

„Wer die Schreinerarbeit verrichtet hat, weiß man nicht mehr“, erklärte Langer. Sicher ist jedoch, dass das Heilige Grab vom letzten Maler der ehemaligen Wessobrunner Künstler, von Sebastian Jaud, im Jahr 1819 bemalt wurde. „Die Säulen am Grab sind genauso bemalt wie die in der Kirche. Auch die Halterungen passen ganz genau zu denen in der Kirche“, sagte der Kirchenpfleger.

Doch woher stammt der Brauch, zur Osterzeit ein Heiliges Grab aufzustellen? Wie in einer Niederschrift des ehemaligen und langjährigen Wessobrunner Pfarrers Professor Dr. Adalbert Mayer zu lesen ist, wurde bereits im vierten Jahrhundert das Interesse an heiligen Stätten geweckt. In Sankt Peter in München gab es schon 1424 ein Heiliges Grab. In der Friedhofkirche zu Polling ist eine gemauerte Grabkammer zu sehen. „In der Zeit der Aufklärung wurden diese jedoch verboten. Nach Erneuerung der Osterliturgie 1955 verschwanden sie in den meisten Kirchen, werden aber heute wieder neu entdeckt und bleiben zum Teil als Ort der Auferstehung auch über Ostern stehen“, so lautet es in der Niederschrift. Das Heilige Grab in Iffeldorf beispielsweise galt lange Zeit als verschollen. Vor einigen Jahren wurde es jedoch wieder gefunden und aufgestellt, berichtete Langer.

Seit 2013 erstrahlt das Grab in Wessobrunn wieder in einem neuen Glanz. Aufgrund des ständigen Auf- und Abbaues wurde das Konstrukt zerkratzt und beschädigt. Aus den Einnahmen der Wessobrunner Dorfweihnacht 2012 in Höhe von 6 500 Euro und einem 1 000 Euro Zuschuss vom Bistum Augsburg konnte das Grab für 7 500 Euro restauriert werden. Seitdem wird das Grab fast jedes Jahr aufgestellt.

Wie lange es aufgestellt bleibt, komme auf die jeweiligen Festlichkeiten an, so Langer. Fest steht aber, dass es heuer mindestens bis zum Weißen Sonntag, 8. April, besichtigt werden kann.

Von Maria Lindner

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