"Herzstück" für Schule

Zwei Drittel der Abiturienten sind mit der Studiums- und Berufswahl überlastet“, sagte Dr. Andreas Hochholzer vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft. Die über 50 Anwesenden in der Aula des Weilheimer Gymnasiums horchten auf. Denn viele sind Vertreter aus der regionalen Wirtschaft und stellten fest, dass Bayerns Gymnasiasten „arbeitsweltfremd“ sind. Das soll sich nun mit dem neuen Unterrichtsfach, dem „P-Seminar“, ändern. Die Vorbereitungen, um Schülern Berufspraxis beizubringen, laufen auf Hochtouren. Erste Kurse sollen im Gymnasium im Schuljahr 2009/ 2010 beginnen.

„Das ist das Herzstück der Oberstufe“, sagte Hermann Summer, Leiter des Gymnasiums Weilheim. Wie das „P-Seminar“ im Detail aussehen kann, erklärte Günter Manhardt vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung bei der vom Arbeitskreis „SchuleWirtschaft“ ausgerichteten Präsentation in der Schulaula. „Wir benötigen dafür Partner aus der Wirtschaft“, sagte er. Diese könnten als Auftraggeber eines Projektes, Auftragnehmer, Berater oder Referent fungieren. Im geplanten Projektseminar „Mathematik rund ums Geld“ sollen Weilheims Gymnasiasten eine Broschüre zur Finanzierung eines Eigenheimes erstellen. „Sie muss für Laien leicht verständlich sein und sich mit Kreditwesen, Finanzierungsarten sowie der Konzeption des Hauses befassen“, erklärte der zuständige Lehrer Dr. Markus Blaufuß. Vertreter aus Weilheims Finanzbranche sollen den Schülern beratend oder als Referenten zur Seite stehen. Auf die Frage von Robert Christian Mayer, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied im Arbeitskreis, wie hoch der Aufwand für die Wirtschaftsvertreter sei, antwortete Manhardt: „Er beträgt je nach Projekt und ihrem Engagement einen halben Tag bis zu 20 Tagen im Jahr.“ Durchschnittlich seien es vier bis fünf Tage. Für die Schüler der elften und zwölften Jahrgangsstufe, die durch die Seminargruppen Berufspraxis erhalten sollen, ist der Aufwand höher: zwei Schulstunden wöchentlich. Etwa 15 Schüler sollen künftig eine Seminargruppe bilden. Weil im zweiten Halbjahr der zwölften Klasse das Abitur im Fokus stehe, findet es ab der elften Klasse nur in drei Halbjahren statt. Doch auch das „P-Seminar“ ist für die Abiturnote wichtig. „Es fließt mit 30 Punkten in die Wertung ein“, ergänzte Manhardt. Mit dem Projekt „Arbeitest du oder lebst du schon“ will Gertraud Geyer die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen verbessern. „Wir erforschen die Schwachpunkte und erarbeiten Verbesserungen“, erklärte sie. Ziel sei es, die Arbeitswelt als Lebenswelt zu gestalten und somit das Arbeitsklima regionaler Betriebe zu verbessern. Weil die Firmen relativ eng mit den Seminargruppen zusammenarbeiten, können sie auch Einfluss auf die Notengebung haben. „Der Lehrer vergibt die Noten, kann aber mit den Betrieben eine Einschätzung für die Schüler vereinbaren, die dann in die Notenfindung mit einbezogen wird“, sagte Manhardt. So können auch Firmen, die ihre Mitarbeiter in „Business-English“ von Gymnasiasten unterrichten lassen wollen, ihre Tutoren bewerten. „Es kann wahnsinnig schief gehen, wenn Firmen aus unterschiedlichen Ländern miteinander arbeiten“, berichtete Englischlehrerin Margot Helgert. Mit ihrem Seminar können Unternehmen Vokabeln für den Smalltalk beim Ge- schäftsessen, bei Meetings, Telefongesprächen und den Briefverkehr lernen und „im Idealfall erfolgreich anwenden“. An die Tourismusverbände, Museen und Meteorologen wendet sich Geografielehrerin Elisabeth Beducker bei der Erstellung eines Exkursionsführers für Weilheim und Umgebung.

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