Hinter die Kulissen geblickt – Künstlerische Köpfe sprechen über ihre Inspirationen

Immer spannender werden die letzten Tage vor der Premiere der „Weilheimer Passion“.

„Es wurde wirklich Zeit für die ‘Passion’, die musste mal raus“, erklärte der Dramaturg Andreas Arneth, denn diese Passion habe ihn schon fasziniert, als der Teil der „Tragoedia Passionis“ in den 70er Jahren in Lesungen vorgetragen wurde. Die im Raum stehende Idee künftiger Aufführungen in regelmäßigem Turnus gefällt ihm daher sehr. Für die bevorstehende Premiere hat sich Arneth mit Joachim Heberlein vom Weilheimer Heimat- und Museumsverein an die Übertragung der „Comedia Passionis“ gemacht, denn der Text wurde in der für heute kaum jemanden lesbaren deutschen Kurrentschrift verfasst. „Zudem ist er in seiner Altertümlichkeit nicht einfach für manche Darsteller“, so Regisseurin Yvonne Brosch, „aber das schaffen die alle.“ Dass es keinen Souffleur gibt, stellt für Martin Gstaiger, den Darsteller des Teufels, kein Problem dar. Eher mache er sich Gedanken, wie er die Gratwanderung zwischen Komik und dem Bösen in seiner Rolle am besten vermitteln könne. Dass die Passion von sich reden macht, zeigt, dass es für die März-Vorstellungen im Vorverkauf keine Karten mehr gibt. Daher wurden 40 Zusatzplätze geschaffen, für die man an der Abendkasse jeweils ab 19 Uhr Karten erstehen kann. Karten für die Oktober-Vorstellungen sind bereits im Vorverkauf. In der heißen Phase vor der Aufführung der „Weilheimer Passion“ durfte KREISBOTEN-Volontärin Elisabeth Wäspi zudem in einem Interview hinter die Kulissen blicken. Herr Jung, Sie sind unter anderem für den modernen Part in der Passionsmusik verantwortlich, den Sie auch selbst komponiert haben. Was waren Ihre Vorgaben und Inspirationen dafür? Holger Jung: „Das ist richtig. Neben dem Vorspiel habe ich einige Intermezzi komponiert. Und da ich Filmmusik studiert habe, war meine persönliche Vorgabe natürlich, die Stimmungen für die Hörer musikalisch einzufangen. Das außermusikalische Motiv für das Vorspiel war, eine Art ,Gewitter’ zu vertonen, das das Unheil des Erdbebens in der Passion ankündigt. Daneben habe ich auch Motive aus Anton Koppaurs Musik für einen musikalischen Zusammenhang eingewoben. Die Zwischenspiele habe ich mit Herrn Arneth abgestimmt, um für einzelne Szenen die Musik entsprechend lang oder kurz darauf zuzuschneiden.“ Mit Musik von Anton Koppaur (1745-1804), Palestrina (1525-1594) und Holger Jung gibt es einen breiten Epochenmix zu hören. Wie passt das in der Passion zusammen, Herr Niebler? Stephan Niebler: „Gerade so ein Mix ist schön und interessant, wo Alt und Neu aufeinander treffen und sich verbinden. Palestrinas Stück ,O crux ave’ ist auch deshalb so passend, weil es Teil der Karfreitagsliturgie ist und wir es bei der Kreuzigung spielen.“ Was war die zündende Idee für das Bühnenbild? Andreas Arneth: „Da aufführungstechnisch ja nur die Hochlandhalle in Frage kam, war das auch schon die Inspiration: Mit dem Holzgebälk an der Decke kam mir die Idee einer Scheune, in die sich die verängstigten Bürger beim Erdbeben flüchten. Und was gibt es Volksnaheres – und das wollen wir sein – als in dieser Halle, in der Viehmärkte gehalten werden, so eine Idee zu vermitteln, zumal es eine Passion von Weilheimern geschrieben und aufgeführt für Weilheimer ist.“ Frau Brosch, Sie haben das Original im Text gekürzt? Yvonne Brosch: „Ja, das musste sein, die Passion ist eigentlich für zwei ganze Tage angelegt. Zudem waren einige Dinge drin, die nicht mehr zeitgemäß sind, antisemitische Äußerungen etwa. Mit dem Theologen Joachim Heberlein vom Heimat- und Museumsverein hatten wir die nötige fachkundige Unterstützung. Aber der Text an sich ist immer noch zu 100 Prozent original.“

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